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		<title>Was Dieter, Die Ärzte und ein Seepferdchen verbindet &#124; Backstory #12</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Yvonne Frank]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 Sep 2026 09:40:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[diebackstoryserie]]></category>
		<category><![CDATA[Backstory]]></category>
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<a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de/backstory-12-dieter-die-aerzte/">Was Dieter, Die Ärzte und ein Seepferdchen verbindet | Backstory #12</a></p>
<p>Was verbindet einen Lehrer, Die Ärzte, eine Papiertonne und das Seepferdchen meines Sohnes? Eine Backstory über die seltsamen Wege des Zufalls.</p>
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<a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de/backstory-12-dieter-die-aerzte/">Was Dieter, Die Ärzte und ein Seepferdchen verbindet | Backstory #12</a></p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p class="isSelectedEnd"><span>Er war Lehrer, Sven war sein Schüler. Etliche Jahre später nahm Sven meinem Sohn das Seepferdchen ab. Und irgendwo dazwischen tauchen Die Ärzte, eine Klassenfahrt und Bela B auf.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Diese Backstory handelt von Dieter, einem sympathischen Herrn aus dem Hamburger Norden, der gerne Fahrrad fährt und seine Beobachtungen teilt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Wie all diese Menschen miteinander verbunden sind, erfuhr ich allerdings erst nach und nach – während Dieter in meiner Bäckerei Kuchen aß, über die Anglizismenflut in der deutschen Sprache schimpfte und mir Geschichten aus seinem Leben erzählte.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Es ist eine Geschichte über Zufälle, Musik und die Spuren, die Menschen hinterlassen. Und darüber, was eine Papiertonne und das Seepferdchenabzeichen damit zu tun haben.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Im Sommer 2024 machte Dieter während einer ausgiebigen Fahrradtour Pause in meiner Bäckerei. Er ist groß, hat freundliche Augen und eine sehr zugewandte Art. Und er trug – selbstverständlich – einen Fahrradhelm und eine Weste. In Neongelb.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Klar, damit man ihn auf den Straßen von Schleswig-Holstein und Hamburg, auf denen er regelmäßig unterwegs war, besser sehen konnte.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Schon nach wenigen Sätzen war klar: Dieter ist nicht nur leidenschaftlicher Radfahrer, sondern auch ein großartiger Geschichtenerzähler. Also setzte ich mich einen Moment zu ihm, obwohl ich das eigentlich nicht darf.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Mit Dieter landete ich schnell bei Themen rund um die deutsche und die englische Sprache. Er hasst die vielen Anglizismen, die alte deutsche Wörter verdrängen, und steht außerdem auf Kriegsfuß mit der Telekom. Die hat ihm wegen vermeintlicher „Anomalien“ schon mehrfach den Internetzugang gesperrt. Kein Witz!</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Smartphones und Digitalisierung sind für ihn echte Trigger. Inzwischen habe ich ihm schon öfter geholfen, sein Smartphone wieder richtig einzustellen, weil er „irgendwo draufgekommen ist“ und plötzlich alles anders war.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Einmal drehte sich die Bildschirmansicht nicht mehr mit, wenn er das Handy ins Querformat hielt. Oder vielleicht wollte er gerade eine fixierte Ansicht, weil ihn der ständige Wechsel nervte. Ich weiß es nicht mehr genau.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>In solchen Momenten wünscht sich Dieter den alten Nokia-Knochen zurück: ein Handy mit echten Tasten und ohne all die Apps, die ungefragt Dinge tun, um die niemand sie gebeten hat.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Dieter fühlt sich durch die Digitalisierung zunehmend vom Rest der bundesdeutschen Gesellschaft ausgeschlossen. Er ärgert sich darüber, dass es kaum zusätzliche Angebote gibt, die ihm die Teilhabe erleichtern.</span></p>
<p><span>Und ich fühle da sehr mit ihm.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Dabei ist Dieter keineswegs jemand, der sich der Welt verschließt. Im Gegenteil. Er engagiert sich ehrenamtlich bei „Dialog in Deutsch“, einem Hamburger Angebot, bei dem Menschen mit anderer Herkunft in kleinen Gesprächsgruppen kostenlos ihre Deutschkenntnisse verbessern und miteinander ins Gespräch kommen können.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Am schönsten sind allerdings seine Geschichten aus der Zeit als Lehrer.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>So berichtete er mir von einer Klassenfahrt und einer langen Busreise mit einer lebhaften Klassengemeinschaft, die lautstark Songs von Die Ärzte sang.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Dieter war entsetzt über die Texte.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Was singen die denn da?“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Aus Lehrersicht war seine Empörung vermutlich nachvollziehbar. Wahrscheinlich war es „Geschwisterliebe“, das ihn damals so erschütterte. Der Song landete bereits in den Achtzigerjahren auf dem Index. Heute würde man solche Inhalte vielleicht einfach mit dem Hinweis „Explicit“ kennzeichnen. Damals sorgten sie für echte Aufregung – und zwar nicht nur bei Lehrerinnen und Lehrern. Ich erinnere mich noch daran, dass das Lied nicht offiziell im Radio gespielt werden durfte.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Dieter fragte mich, ob ich die Band überhaupt kenne.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ich musste schmunzeln.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Natürlich. Wir kannten Die Ärzte auch in der DDR.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ihre Songs wurden heimlich auf Mixtapes weitergereicht und selbstverständlich hingebungsvoll mitgesungen. Unter anderem auf Klassenfahrten.</span></p>
<p><span>An eine davon erinnere ich mich noch ganz genau. Obwohl Pfeffilikör im Spiel war.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Dieter und ich hatten von Anfang an einen sehr schönen Austausch über Sprache, Literatur und Alltagskultur. Er hört aufmerksam zu und erinnert sich an Dinge, die man ihm irgendwann einmal nebenbei erzählt hat.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das bewies er mir schon ziemlich eindrucksvoll. Ich war über Social Media auf einen Artikel im Magazin der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung aufmerksam geworden und hatte ihm davon erzählt. </span><span>Dieter hat die Süddeutsche abonniert und erinnerte sich tatsächlich an genau dieses Magazin. Es hatte eine ganze Weile bei ihm zu Hause gelegen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Allerdings lag es inzwischen in der Papiertonne.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Für ihn war das offenbar kein Grund, die Sache aufzugeben.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Er kletterte tatsächlich für mich in seine Papiertonne, fischte das Magazin heraus und brachte es mir bei seinem nächsten Besuch in die Bäckerei mit.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ein anderes Mal kam er während einer seiner Radtouren herein und hatte ein Buch für mich dabei: </span><em><span>Haben oder Sein</span></em><span> von Erich Fromm. Dieter hatte früher Auszüge daraus mit seinen Schülern gelesen. Für ihn ist das Buch bis heute hochaktuell.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Er hatte es extra für mich im Buchladen seines Vertrauens bestellt und abgeholt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Yvonne, ich möchte dir dieses Buch schenken“, sagte er. „Und wenn du es gelesen hast, möchte ich gerne mit dir darüber reden. Mich würden deine Gedanken dazu interessieren.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Dann setzte er sich zu einem Stück Kuchen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das Buch nahm ich mit nach Hause. Vollständig gelesen habe ich es allerdings bis heute noch nicht. Das sollte ich vielleicht dringend nachholen, wenn ich mich weiterhin mit Dieter über Literatur unterhalten möchte. Später schenkte er mir auch noch einen Roman von Gabriele Tergit. Weil dieser in Berlin spielt und er weiß, dass ich dort lange gelebt habe. Auch der wartet geduldig auf mich.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Eines Nachmittags kam Dieter in die Bäckerei und sagte gleich zur Begrüßung:</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Heute kommt Sven.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Sven war ein ehemaliger Schüler von ihm und ebenfalls bei jener legendären Klassenfahrt dabei gewesen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Er hilft mir“, erklärte Dieter. „Ich muss dringend aussortieren. Sven holt die Sachen ab. Manches kann er noch verkaufen, den Rest entsorgen.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ich nickte. Ausmisten ist immer eine gute Idee.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Als ich später nach meiner Spätschicht nach Hause fuhr und kurz davorstand, in meine Straße einzubiegen, fiel es mir plötzlich wie Schuppen von den Augen:</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Sven – den kannte ich doch auch!</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Er war der Erzieher im Hort gewesen, als mein Sohn in die Grundschule kam. Und er war derjenige, der meinem Sohn das Seepferdchen abgenommen hatte.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Nebenbei hatte Sven sich ein zweites Standbein als Haushaltsauflöser aufgebaut. Inzwischen arbeitet er hauptberuflich als Entrümpler, meistens nach Todesfällen. Und er ist bekannt wie ein bunter Hund: mit jedem auf Du, von Bela B Felsenheimer bis zum Manager des HSV. Einmal erzählte er mir sogar, was für einen besonderen Parkettboden Bela B sich in sein Haus hatte legen lassen. Ein ganz spezielles Muster.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Da saß also Dieter in meiner Bäckerei und erzählte von seinem ehemaligen Schüler Sven. Derselbe Sven, der Jahre später der Erzieher meines Sohnes geworden war und ihm das Seepferdchen abgenommen hatte. Und der wiederum Bela B kannte, dessen Band Dieters Schüler einst auf einer Klassenfahrt lautstark besungen hatten.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Wie klein die Welt manchmal ist. Und wie viele Fäden sich im Alltag miteinander verweben, wenn man nur genau hinhört.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Inzwischen sehe ich Dieter seltener. Nach einer Operation war er ziemlich lange sehr wackelig auf den Beinen. Seine geliebten Fahrradtouren konnte er nicht mehr so unternehmen wie zuvor. Deshalb führten ihn seine Wege auch nicht mehr regelmäßig in meine Bäckerei.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Seitdem telefonieren wir ab und zu.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Dieter, wie geht’s, altes Haus?“, frage ich meistens gleich zu Beginn.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Dann lacht er.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Yvonne, du klingst wie immer sehr munter und fröhlich. Wenn ich zwanzig Jahre jünger wäre, würde ich dir glatt einen Antrag machen.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Dann lachen wir beide.</span></p>
<p>Auch wenn seine Gesundheit ihn inzwischen einschränkt, hat Dieter immer einen guten Serien- oder Filmtipp aus den Mediatheken parat. Und mit seinen Beobachtungen bringt er mich immer wieder dazu, über neue Themen nachzudenken.</p>
<p>Mit Dieter ist eben immer noch gut Kirschen essen. Und ich hoffe, dass das auch noch lange so bleibt.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><span>MOIN ❤️ Hier schreibt Yvonne. Ich verbinde Publishing, Sprachen und digitale Barrierefreiheit. In meinem Journal schreibe ich über gute Kommunikation, kluge Strukturen und die kleinen Beobachtungen dazwischen.</span></p></div>
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		<title>Herrlich unkompliziert: Frühstück den ganzen Tag &#124; Backstory #11</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Yvonne Frank]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 29 Aug 2026 09:31:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[diebackstoryserie]]></category>
		<category><![CDATA[Backstory]]></category>
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<p>Frühstück den ganzen Tag – ganz ohne All Day Breakfast, Reservierung und Time Slot. Eine Backstory über Brunch, Hafermilch und Berlin-Vibes.</p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p data-start="448" data-end="527" class="PDq2pG_selectionAnchorContainer">Früher stand man morgens auf und frühstückte. Heute wird erst einmal optimiert.<span aria-hidden="true" class="PDq2pG_selectionAnchor"></span></p>
<p data-start="529" data-end="931">Der eine startet mit einem Eiweißshake in den Tag. Die Nächste darf seit dem Vorabend nichts essen, weil ihr Intervallfasten noch läuft. Wieder jemand anderes isst überhaupt nur einmal am Tag. Und dazwischen gibt es jede Menge Menschen, die sich an bestimmte Essenszeiten halten, weil ein Ernährungsexperte, eine Fitness-App oder der neueste Ernährungstrend sie gerade für besonders gesund erklärt hat.</p>
<p data-start="933" data-end="980">Wobei das natürlich alles gar nicht so neu ist.</p>
<p data-start="982" data-end="1108">Früher brauchte es dafür keine App und keinen Influencer. Da reichte die <em>Brigitte</em>. Die Älteren unter uns werden sich erinnern. Stichwort: die Ananas-Diät.</p>
<p data-start="1110" data-end="1197">Und dann gibt es Menschen, die einfach in eine Bäckerei kommen und frühstücken möchten.</p>
<p data-start="1199" data-end="1277">Letztens kam so eine ausgesprochen gut gelaunte Frau in den Laden und flötete:</p>
<p data-start="1279" data-end="1318">„Machen Sie eigentlich noch Frühstück?“</p>
<p data-start="1320" data-end="1334">Daraufhin ich:</p>
<p data-start="1336" data-end="1480">„Aber sicher doch. Bei uns können Sie den ganzen Tag frühstücken. Das können Sie um diese Zeit sonst nur in einem hippen Lokal in Berlin-Mitte.“</p>
<p data-start="1482" data-end="1593">Sie freute sich und erzählte mir, dass sie extra zu uns gekommen sei, weil es ihr in ihrem Ort zu trubelig war.</p>
<p data-start="1595" data-end="1775">Offenbar wollte sie nicht nur in Ruhe frühstücken, sondern auch ein bisschen arbeiten, denn nachdem sie ein lauschiges Plätzchen gefunden hatte, klappte sie schon ihren Laptop auf.</p>
<p data-start="1777" data-end="1825">Na bitte. Berlin-Vibes im Hamburger Speckgürtel.</p>
<p data-start="1827" data-end="2019">Die Frau bestellte zunächst einen Kaffee und studierte interessiert unser Frühstücksangebot. Das ist auf großen, vom Marketing als Tafeln gestalteten Aushängen nun wirklich nicht zu übersehen.</p>
<p data-start="2021" data-end="2105">Man muss beim Lesen nur ein bisschen aufpassen, dass man keine Nackenstarre bekommt.</p>
<p data-start="2107" data-end="2219">Dafür ist unsere Frühstückskarte übersichtlich, und die Namen lassen schon ganz gut erahnen, was einen erwartet.</p>
<p data-start="2221" data-end="2468">„Moin Moin“ ist etwas für Menschen, die morgens keine Lust haben, sich selbst ein Brötchen zu schmieren oder schlichtweg keine Zeit dafür haben. Zwei belegte Brötchenhälften und ein heißes Getränk dazu: Kaffee, Tee oder heiße Schokolade. Fertig.</p>
<p data-start="2470" data-end="2684">Besonders beliebt ist „Moin Moin“ bei Handwerkern. Die kommen rein, schieben sich schnell etwas zwischen die Kiemen und müssen weiter zum nächsten Auftrag. Dreimal dürft ihr raten, welchen Belag sie sich aussuchen.</p>
<p data-start="2686" data-end="2712">Richtig: Mett, Mett, Baby!</p>
<p data-start="2714" data-end="2768">Einen Laptop klappt von diesen Kunden eher keiner auf.</p>
<p data-start="2770" data-end="2851">(Über die Mettliebe der Deutschen lasse ich mich ausführlich in <strong><a href="https://multilingual-publishing.de/mett-liebe/">Backstory 7</a></strong> aus.)</p>
<p data-start="2853" data-end="3061">„Gute Laune“ ist schon etwas für Menschen, die ein bisschen mehr Zeit mitgebracht haben und gerne langsam in den Tag starten. Wobei man bei uns natürlich auch erst nachmittags langsam in den Tag starten darf.</p>
<p data-start="3063" data-end="3138">Wir stellen keine Fragen und wir judgen nicht, wie die Gen Z so schön sagt.</p>
<p data-start="3140" data-end="3356">Und dann gibt es noch „Perfekt für zwei“. Unsere Turteltauben-Variante. Wobei man natürlich nicht verliebt sein muss, um gemeinsam zu frühstücken. Man kann auch einfach safe befreundet sein. Wir stellen keine Fragen.</p>
<p data-start="3358" data-end="3574">Die nette Frau konnte sich allerdings nicht so recht entscheiden. Also schlug ich ihr vor, dass ich ihr auch einfach etwas frisch schmieren könnte. Das nahm sie dankend an, und wir einigten uns auf ihren Wunschbelag.</p>
<p data-start="3576" data-end="3690">Dann fragte sie mich, ob ich aus Berlin käme. Offenbar hatte mein kleiner Berlin-Mitte-Witz sie neugierig gemacht.</p>
<p data-start="3692" data-end="3797">Nein, aus Berlin komme ich nicht. Aber ich habe dort lange gelebt und auch meine Studentenzeit verbracht.</p>
<p data-start="3799" data-end="3891">Berlin kannte ich noch aus einer Zeit, in der spätes Frühstück nicht All Day Breakfast hieß.</p>
<p data-start="3893" data-end="3943">Man frühstückte einfach spät oder ging zum Brunch.</p>
<p data-start="3945" data-end="4051">Irgendwann schwappte dann offenbar ein bisschen New York nach Berlin. Ich weiß gar nicht, wann das anfing.</p>
<p data-start="4053" data-end="4240">Mit <strong><a href="https://link.amazon/B0cfBcMIt" target="_blank" rel="noopener"><em data-start="921" data-end="939">Sex and the City</em>?</a></strong> Oder mit den Influencern, die ständig nach NYC düsten und uns anschließend ihr Frühstück aus schicken, völlig überteuerten <strong><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Katz%27s_Delicatessen" target="_blank" rel="noopener">Delis</a></strong> auf Social Media präsentierten?</p>
<p data-start="4242" data-end="4331">Irgendwann hieß spätes Frühstück jedenfalls nicht mehr Brunch, sondern All Day Breakfast.</p>
<p data-start="4333" data-end="4565">Diese Entwicklung ist komplett an mir vorbeigegangen. Lange habe ich das eigentlich nur über Social Media verfolgt. Erst als ich wieder häufiger in Berlin war, merkte ich: Das ist ja gar kein Instagram-Ding. Die machen das wirklich.</p>
<p data-start="4567" data-end="4890">Plötzlich war Frühstück nicht mehr einfach Frühstück. Man serviert Eggs Benedict, Shakshuka oder Avocado Toast auf Sauerteigbrot, dazu einen hippen Kaffee, schießt ein paar nice Fotos und macht nebenbei ein bisschen Content und schon ist man mittendrin im urbanen Creator-Lebensgefühl. <span class="contents" data-content-reference-start="4844" data-content-reference-end="4873"></span></p>
<p data-start="4892" data-end="5055">Und natürlich hat das Ganze inzwischen auch seine eigene Sprache. Denn „Bei uns können Sie den ganzen Tag frühstücken“ klingt schließlich verdächtig nach Bäckerei.</p>
<p data-start="5057" data-end="5089">Auf Englisch ist es ein Konzept.</p>
<p data-start="5091" data-end="5236">Manchmal schafft es dieses urbane Lebensgefühl allerdings auch bis zu uns in die Landbäckerei. Man merkt es meistens recht schnell an den Fragen.</p>
<p data-start="5238" data-end="5267">„Machen Sie auch Flat White?“</p>
<p data-start="5238" data-end="5267">Steht zwar nicht auf der Karte, aber ich könnte in der Tat improvisieren.</p>
<p data-start="5238" data-end="5267">„Haben Sie Hafermilch?“</p>
<p data-start="5294" data-end="5310">Zu Hause ja, aber hier haben wir leider keine.</p>
<p data-start="5312" data-end="5601">Wobei das durchaus schon zur Diskussion stand. Unsere Filialleiterin Nicole meinte irgendwann, sie könnte ja Hafermilch bestellen. Nicole macht wirklich viel für unsere Kunden möglich. Aber sie lässt auch die Kirche im Dorf und hat nach über 15 Jahren Bäckereigeschäft eben den Durchblick.</p>
<p data-start="5603" data-end="5715">Als das Thema mal wieder aufkam, schaute sie mich einen Moment lang mit festem Blick an und fragte ganz trocken:</p>
<p data-start="5717" data-end="5894">„Aber hast du jedes Mal Lust darauf, den Schlauch für den Milchschaum sauber zu machen und zu wechseln, wenn einer von zehn Kunden seinen Latte Macchiato mit Hafermilch möchte?“</p>
<p data-start="5896" data-end="5905">Äh. Nein.</p>
<p data-start="5907" data-end="6167">Unser Kaffeeautomat hat nämlich genau einen Schlauch, über den die Milch für den Milchschaum läuft. Er ist eben kein Barista mit Man Bun und Dreitagebart, der ganz lässig zwischen Kuh- und Hafermilch wechselt und sich dabei nicht mit den Schläuchen verheddert.</p>
<p data-start="6169" data-end="6343">Also, Leute: leider keine Hafer-, Erbsen- oder Sojamilch in der Landbäckerei. Und jetzt wisst ihr auch, warum. Es liegt nicht an uns. Es liegt an der technischen Ausstattung.</p>
<p data-start="6345" data-end="6494">Für eine Siebträgermaschine reicht das urbane Lebensgefühl bei uns dann doch nicht. Schon gar nicht bei den aktuellen Sparmaßnahmen des Unternehmens.</p>
<p data-start="6496" data-end="6595">Und ich weiß, das klingt jetzt echt crazy, aber dafür könnt ihr bei uns den ganzen Tag frühstücken. Naja, bis 16.30 Uhr. Das hat auch etwas mit den Sparmaßnahmen zu tun.</p>
<p data-start="6597" data-end="6718">Eigentlich bieten wir also längst All Day Breakfast an. Wir sind nur bisher nicht auf die Idee gekommen, es so zu nennen.</p>
<p data-start="6720" data-end="6797">Und jetzt wird es noch wilder: ohne vorher zu reservieren und ohne Time Slot.</p>
<p data-start="6799" data-end="6828">Ihr könnt einfach reinkommen.</p>
<p data-start="6830" data-end="6849">Verrückt, ich weiß.</p>
<p data-start="6851" data-end="7084">Die nette Frau blieb übrigens noch eine ganze Weile. Sie frühstückte, trank ihren Kaffee und arbeitete an ihrem Laptop. Später bestellte sie sich noch einen Kaffee und nahm ein Stück Kuchen dazu. <span class="contents" data-content-reference-start="7030" data-content-reference-end="7060"></span></p>
<p data-start="7086" data-end="7172">Vielleicht braucht es für ein bisschen urbanes Lebensgefühl am Ende gar nicht so viel.</p>
<p data-start="7174" data-end="7273">Einen Kaffee, etwas zu essen, einen Platz zum Sitzen und jemanden, der einen einfach in Ruhe lässt.</p>
<p data-start="7275" data-end="7318">Und vielleicht ist genau das unser Konzept.</p>
<p data-start="7320" data-end="7388">Nur haben wir bisher vergessen, ihm einen englischen Namen zu geben.</p>
<p data-start="7320" data-end="7388">Dieser Artikel enthält einen Affiliate-Link. Wenn du über diesen Link etwas kaufst, erhalte ich eine Provision. Für dich entstehen dadurch keine Mehrkosten.</p>
<p data-start="439" data-end="493"></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><span>MOIN ❤️ Hier schreibt Yvonne. Ich verbinde Publishing, Sprachen und digitale Barrierefreiheit. In meinem Journal schreibe ich über gute Kommunikation, kluge Strukturen und die kleinen Beobachtungen dazwischen.</span></p></div>
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		<title>Backstory 10: Sechs  Wochen niente caffè: Die kuriose Geschichte unseres defekten Kaffeeautomaten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Yvonne Frank]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 22 Aug 2026 22:13:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[diebackstoryserie]]></category>
		<category><![CDATA[Backstory]]></category>
		<category><![CDATA[caffè ist Kulturgut]]></category>
		<category><![CDATA[Cappuccino nicht nach 12 Uhr]]></category>
		<category><![CDATA[Espresso]]></category>
		<category><![CDATA[Guter Kaffee]]></category>
		<category><![CDATA[italienische Lebensart]]></category>
		<category><![CDATA[Latte Macchiato]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de">multilingual-publishing</a><br />
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<p>Sechs Wochen war unser Kaffeeautomat defekt. Warum plötzlich doch ein Monteur kam und wie Eiskaffee uns aus der Kaffeekrise rettete, erfährst du in Backstory 10.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de">multilingual-publishing</a><br />
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				<div class="et_pb_text_inner"><h1><span>Backstory #10: Sechs Wochen Niente Caffè </span></h1>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p data-start="351" data-end="706">Es gibt Dinge, von denen man erst merkt, wie wichtig sie sind, wenn sie nicht mehr funktionieren. WLAN zum Beispiel. Die EC-Kartenzahlung. Oder eben der Automat für die Kaffeespezialitäten in einer Bäckerei. Denn Cappuccino, Latte Macchiato &amp; Co. sind nicht nur nett für die Kundschaft – sie tragen auch einen nicht ganz unerheblichen Teil zum Umsatz bei.</p>
<p data-start="708" data-end="736">Unserer funktionierte nicht.</p>
<p data-start="738" data-end="1077">Und damit wirklich niemand auf die Idee kam, es trotzdem zu versuchen, hing irgendwann ein Pappteller an der Maschine. Darauf stand: „Defekt“. Nicht schön, dafür aber in Schönschrift. Denn meine Kollegin Christina hat einfach eine schöne Handschrift. Man muss schließlich auch bei der Krisenkommunikation ein bisschen auf die Optik achten.</p>
<p data-start="1079" data-end="1156">Wobei – so ganz unmissverständlich war die Botschaft offenbar trotzdem nicht.</p>
<p data-start="1158" data-end="1189">„Geht der Kaffeeautomat nicht?“</p>
<p data-start="1191" data-end="1226">Ich schaute zum Pappteller. „Nein.“</p>
<p data-start="1228" data-end="1240">„Gar nicht?“</p>
<p data-start="1242" data-end="1258">Nein. Gar nicht.</p>
<p data-start="1260" data-end="1660">Das ist ein bisschen wie bei einem Fahrstuhl, an dem „Außer Betrieb“ steht. Man drückt trotzdem noch einmal auf den Knopf. Vielleicht hat sich die Sache inzwischen von selbst erledigt. Unser Kaffeeautomat erledigte sich leider nicht von selbst. Irgendwann war der Pappteller so selbstverständlich geworden, dass ich vermutlich irritiert gewesen wäre, wenn er plötzlich nicht mehr dort gehangen hätte.</p>
<p data-start="1662" data-end="1832">Nur unsere Kundschaft gab die Hoffnung nicht auf. Denn eine Bäckerei ohne Cappuccino ist für manche Menschen zwar theoretisch eine Bäckerei, praktisch aber eine Zumutung.</p>
<p data-start="1834" data-end="2211">Natürlich hatten wir Kaffee. Guten deutschen Filterkaffee sogar. Allerdings ohne Refill, wie man ihn aus amerikanischen Diners kennt. Wobei – unter uns gesagt – hätte man den unseren Kundinnen und Kunden in diesen sechs Wochen eigentlich anbieten können. Als kleine Entschädigung dafür, dass Cappuccino, Latte Macchiato &amp; Co. auf unbestimmte Zeit aus dem Verkehr gezogen waren.</p>
<p data-start="2213" data-end="2569">Filterkaffee hat schließlich jahrzehntelang ganze Generationen zuverlässig durch Geburtstage, Beerdigungen und Sonntagnachmittage gebracht. Nur wer eigentlich einen Latte Macchiato mit Karamell im Kopf hat, lässt sich damit trotzdem schwer trösten. Für ein bisschen Italien-Feeling im Hamburger Speckgürtel braucht es eben mehr als eine Kanne Filterkaffee.</p>
<p data-start="2571" data-end="2851">Wir erklärten also immer wieder, warum der Automat noch nicht repariert war. Die offizielle Auskunft lautete: Wir haben zwei Techniker. Einer ist im Urlaub und der andere völlig überlastet, weil offenbar auch in anderen Filialen die Kaffeeautomaten ihren Dienst eingestellt haben.</p>
<p data-start="2853" data-end="3079">Das klang einleuchtend. Ich stellte mir langsam vor, wie dieser eine arme Mann irgendwo zwischen Mölln und Hamburg mit einem Werkzeugkoffer von Filiale zu Filiale raste und überall verzweifelte Verkäuferinnen auf ihn warteten.</p>
<p data-start="3081" data-end="3149">Also warteten auch wir. Geduldig. Na ja. Zunehmend weniger geduldig.</p>
<p data-start="3151" data-end="3568">Zum Glück erlöste uns irgendwann der Eiskaffee. Das Marketing hatte extra große Aufsteller gestaltet und ihn perfekt in Szene gesetzt. Genau zur richtigen Zeit, könnte man sagen. Plötzlich hatten wir etwas, das wir den enttäuschten Cappuccino- und Latte-Macchiato-Fans mit einiger Überzeugung ans Herz legen konnten: abgekühlten Kaffee, eine Kugel Vanilleeis, Sahne obendrauf und auf Wunsch noch ein bisschen Flavour.</p>
<p data-start="3570" data-end="3666">Not macht erfinderisch – und ein hübscher Aufsteller, prominent platziert, hilft beim Verkaufen.</p>
<p data-start="3668" data-end="4102">Der defekte Kaffeeautomat weckte das Verkaufstalent in mir, und ich wurde in kurzer Zeit ziemlich gut darin, unserer Kundschaft den Eiskaffee schmackhaft zu machen. Und es funktionierte erstaunlich gut. Aus der Notlösung wurde langsam eine echte Alternative. Der Sommer tat sein Übriges: Bei 27 Grad lässt sich der Verlust eines Cappuccinos schließlich leichter verschmerzen, wenn einem jemand Vanilleeis und Sahne in Aussicht stellt.</p>
<p data-start="4104" data-end="4145">So vergingen die Wochen. Sechs insgesamt.</p>
<p data-start="4147" data-end="4349">Sechs Wochen sind eine erstaunlich lange Zeit für einen kaputten Kaffeeautomaten. Das fand irgendwann auch unsere Filialleiterin. Sie machte Druck, und Herr K., unser Bezirksleiter, ging der Sache nach.</p>
<p data-start="4351" data-end="4621">Dabei stellte sich heraus, dass unser Problem weder Urlaub noch Personalmangel noch eine mysteriöse Epidemie unter norddeutschen Kaffeevollautomaten war. Unser Problem war ein Häkchen. Oder ein Klick. Jedenfalls hatte jemand das Reparatur-Ticket geschlossen. Einfach so.</p>
<p data-start="4623" data-end="4691">Im System war unser Kaffeeautomat offenbar längst wieder in Betrieb.</p>
<p data-start="4693" data-end="4737">Nur unser Kaffeeautomat wusste nichts davon.</p>
<p data-start="4739" data-end="4893">Das Ticket wurde wieder geöffnet. Und dann stand Dietmar plötzlich im Laden. Einer unserer beiden Monteure, auf den wir sechs Wochen lang gewartet hatten.</p>
<p data-start="4895" data-end="5140">Nach sechs Wochen hatten wir uns längst damit abgefunden, dass die Reparatur eines Kaffeeautomaten offenbar ungefähr so komplex war wie der Bau der Hamburger Elbphilharmonie. Kaum war das Ticket wieder geöffnet, ging es dann erstaunlich schnell.</p>
<p data-start="5142" data-end="5229">Dietmar erledigte seinen Job. Der Pappteller verschwand. Die Maschine schnurrte wieder. Und wir sagten danke.</p>
<p data-start="5231" data-end="5387">Eigentlich hätte jetzt große Freude ausbrechen müssen. Tat sie auch. Nur hatten wir inzwischen ein neues Problem: Wir hatten die Leute an Eiskaffee gewöhnt.</p>
<p data-start="5389" data-end="5409">Janika zum Beispiel.</p>
<p data-start="5411" data-end="5582">Als sie wieder vor mir stand, konnte ich ihr endlich die frohe Botschaft überbringen: „Du kannst jetzt wieder einen Karamell-Latte-Macchiato haben. Oder deinen Eiskaffee.“</p>
<p data-start="5584" data-end="5669">Aber wie das so ist. Manchmal sollte man Menschen nicht zu viele Möglichkeiten geben.</p>
<p data-start="5671" data-end="5721">Janika schaute mich an. „Oje. Was nehm ich jetzt?“</p>
<p data-start="5723" data-end="5803">Sechs Wochen vorher hätte sie diese Frage überhaupt nicht gestellt. Jetzt schon.</p>
<p data-start="5805" data-end="6093">Italiener hätten wahrscheinlich Luftsprünge gemacht und nicht lange überlegt. Genau in solchen Momenten muss ich immer an meine sardische Gastmutter denken. Sie hatte Deutschland im Jahr 1999 besucht und anschließend ein ziemlich eindeutiges Urteil über unsere Nicht-Kaffeekultur gefällt:</p>
<p data-start="6095" data-end="6145">„In Germania, voi bevete brodo, non bevete caffè.“</p>
<p data-start="6147" data-end="6194">In Deutschland trinkt ihr Brühe, keinen Kaffee.</p>
<p data-start="6196" data-end="6409">Sie meinte damals unseren Filterkaffee. Außerdem wunderte sie sich darüber, dass es bei uns an jeder Ecke eine Apotheke gab, aber offenbar keinen Ort, an dem man schnell einen vernünftigen Espresso trinken konnte.</p>
<p data-start="6411" data-end="6601">Das ist natürlich schon lange her. Inzwischen hat sich hierzulande einiges getan in Sachen Kaffee. Trotzdem liegen zwischen italienischer und deutscher Kaffeekultur noch immer kleine Welten.</p>
<p data-start="6603" data-end="6908">In Italien bestellt man einen <em data-start="6633" data-end="6640">caffè</em> und bekommt einen Espresso. Basta. Und wer „Latte“ bestellt, bekommt möglicherweise genau das: Milch. Italienische Baristi sollen sich daraus gerne mal einen kleinen Spaß mit Touristen machen. Wer Latte bestellt, bekommt schließlich Latte. Was kann der Barista dafür?</p>
<p data-start="6910" data-end="7093">Bei uns dagegen kann eine Bestellung schon einmal klingen, als würde man sich ein Sofa konfigurieren. Groß, mittel oder klein? Mit Milch? Welche Milch? Flavour? Karamell oder Vanille?</p>
<p data-start="7095" data-end="7288">Meine sardische Gastmutter hätte vermutlich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Andererseits hätte ich gern gesehen, was passiert wäre, wenn ich ihr unseren Eiskaffee hingestellt hätte.</p>
<p data-start="7290" data-end="7493">Was mich zu einer völlig anderen, aber in diesem Zusammenhang natürlich wichtigen Frage bringt: Was bestellt sich eigentlich Papst Leo XIV., der nun ausgerechnet Amerikaner ist, wenn ihm nach Kaffee ist?</p>
<p data-start="7495" data-end="7515">Espresso? Americano?</p>
<p data-start="7517" data-end="7642">Oder war er in den USA Stammgast im Coffee Shop und lief dort mit einem Double-Caramel-Vanilla-Frappuccino in der Hand herum?</p>
<p data-start="7644" data-end="7775">Man weiß es nicht. Aber seit sechs Wochen Niente Caffè beschäftigen mich offenbar Fragen, über die ich vorher nie nachgedacht habe.</p>
<p data-start="7777" data-end="7902">Inzwischen hatte sich jedenfalls herumgesprochen, dass unser Automat wieder funktionierte. Eines Nachmittags kam Jana herein.</p>
<p data-start="7904" data-end="7963">„Ich hab schon gehört, dass der Kaffeeautomat wieder geht!“</p>
<p data-start="7965" data-end="8085">Natürlich hatte sie das. Die Frühschicht hatte Kristin bereits mit der Weitergabe dieser wichtigen Nachricht beauftragt.</p>
<p data-start="8087" data-end="8139">Andere bekommen Push-Nachrichten. Wir haben Kristin.</p>
<p data-start="8141" data-end="8182">So funktioniert das bei uns auf dem Land.</p>
<p data-start="8184" data-end="8376">Jana bekam also wieder ihren großen Latte. Das war wichtig. Denn ohne ihren Latte geht Jana nachmittags nicht auf die Weide. Aber das ist eine andere Backstory. Ich verlinke sie euch mal <strong><a href="https://multilingual-publishing.de/backstory-3-pony-vor-der-backerei/">hier</a></strong>.</p>
<p data-start="8378" data-end="8630">Unser Kaffeeautomat läuft jedenfalls wieder. Der Pappteller ist verschwunden, Dietmar konnte weiterziehen und die sechs Wochen Kaffeekrise sind Geschichte. Geblieben ist der Eiskaffee. Und Janikas neues Problem: Karamell-Latte-Macchiato oder Eiskaffee?</p>
<p data-start="8632" data-end="8819">Vielleicht ist das die eigentliche Erkenntnis aus sechs Wochen Niente Caffè: Manchmal braucht es nur ein versehentlich geschlossenes Reparatur-Ticket, um seine Gewohnheiten zu überdenken.</p>
<p data-start="8821" data-end="8847">Und eine Kugel Vanilleeis.</p>
<p data-start="8849" data-end="8881">Die hilft in allen Lebensphasen.</p>
<p data-start="8883" data-end="9047">Wobei mich das gerade auf eine Idee bringt. Eigentlich wäre es höchste Zeit für die nächste italienische Sommer-Kaffeespezialität bei uns in der Bäckerei: Affogato.</p>
<p data-start="9049" data-end="9155">Eine Kugel Vanilleeis, darüber ein frisch gebrühter Espresso. Berlin-Mitte-Vibes im Hamburger Speckgürtel.</p>
<p data-start="9157" data-end="9200">Der Kaffeeautomat läuft schließlich wieder.</p>
<p data-start="9202" data-end="9257" data-is-last-node="" data-is-only-node="">Ich müsste die Idee nur noch dem Marketing unterjubeln.</p></div>
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		<title>Türkisch lernen als Erwachsene: Warum mein Gehirn Knoten macht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Yvonne Frank]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Aug 2026 01:09:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sprachen lernen]]></category>
		<category><![CDATA[Persönliches]]></category>
		<category><![CDATA[Türkisch]]></category>
		<category><![CDATA[Agglutinierende Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Türkisch lernen]]></category>
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<p>Türkisch lernen als Erwachsene: Wie eine agglutinierende Sprache, ein Podcast über türkische Küche und Kosenamen mein Sprachgefühl verändern. </p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h1><span>Wie ich als Erwachsen<span style="color: #3c6580;">e Türkisch lerne und </span></span><span style="color: #3c6580;">warum mein Gehirn dabei manchmal Knoten macht</span></h1>
<p>Türkisch lernen stand nicht unbedingt auf meiner klassischen Lebens-To-do-Liste.</p>
<p>Ich habe schon einige Sprachen gelernt oder zumindest gestreift: Englisch, Italienisch, Französisch, Spanisch, Schwedisch ein bisschen dies, ein bisschen das. Ich liebe Sprachen. Ich liebe Wörter. Ich liebe es, wenn man plötzlich versteht, warum Menschen Dinge so sagen, wie sie sie sagen.</p>
<p>Aber Türkisch lernen?</p>
<p>Das ist für mich noch einmal eine ganz andere Nummer.</p>
<p>Nicht, weil Türkisch „schwer&#8220; ist. Dieses Wort finde ich bei Sprachen immer ein bisschen schwierig. Sprachen sind nicht schwer oder leicht. Sie sind anders gebaut. Und Türkisch ist für mein deutsches Sprachgefühl sehr anders gebaut.</p>
<h2><span style="color: #6bc1ad;">Wenn die Sprache anders denkt</span></h2>
<p>Mein Partner ist zweisprachig aufgewachsen. Er hat Türkisch und Deutsch gelernt. Für ihn gehören beide Sprachen zu seinem Leben. Für mich ist Türkisch dagegen ein neues sprachliches Gelände.</p>
<p>Und ich merke: Ich betrete da nicht einfach nur eine Sprache mit neuen Vokabeln. Ich betrete eine andere Logik.</p>
<p>Denn Türkisch ist eine <strong>agglutinierende Sprache</strong>.</p>
<p>Das ist eine dieser linguistischen Bezeichnungen, die ich irgendwann im Studium kennengelernt habe und die ich meinem Freund und Partner natürlich gleich begeistert beigebracht habe. In der Linguistik lieben wir solche Klassifizierungen. Und ich glaube, ihm hat sie auch gefallen.</p>
<p>Agglutinierend bedeutet vereinfacht gesagt: Wörter werden aus Bausteinen zusammengesetzt. An einen Wortstamm werden verschiedene Endungen gehängt, und jede dieser Endungen bringt eine zusätzliche Bedeutung mit.</p>
<p>Im Deutschen sagen wir viele Dinge mit mehreren Wörtern. Im Türkischen kann daraus ein längeres Wort werden.</p>
<p>Ein einfaches Beispiel:</p>
<p>Ich esse einen Apfel.</p>
<p>Auf Türkisch heißt das:</p>
<p>Ben bir elma yiyorum.</p>
<p>Dabei steckt in „yiyorum&#8220; schon ziemlich viel drin: „ye-&#8220; bedeutet essen, „-iyor&#8220; zeigt die Gegenwart an, und „-um&#8220; bedeutet ich.</p>
<p>Aus mehreren kleinen Bausteinen wird also ein einziges Wort:</p>
<p>ye + iyor + um = yiyorum</p>
<p>Und genau da merke ich: Türkisch funktioniert nicht einfach wie Deutsch mit anderen Vokabeln. Türkisch baut Bedeutung anders zusammen.</p>
<h2><span style="color: #6bc1ad;">Kein Finnisch. Kein Ungarisch. Kein Türkisch.</span></h2>
<p>Ich habe bisher noch nie eine agglutinierende Sprache gelernt. Kein Finnisch. Kein Ungarisch. Kein Türkisch.</p>
<p>Meine ungarische Freundin winkt immer nur ab, wenn ich sie frage, ob sie mir Ungarisch beibringen möchte.  Andere Deutsche hätten es vor mir schon versucht, sagt sie. Sie seien kläglich gescheitert.</p>
<p>Ich nehme das als liebevollen Warnhinweis aus erster Hand.</p>
<p>Dennoch hat sie mir einen Frage auf Ungarisch beigebracht, die ich einwandfrei auf Ungarisch formulieren kann. Sogar mit der richtigen Intonation.</p>
<p>Aber vielleicht ist Türkisch genau deshalb so spannend für mich: Es ist total neu für mein Sprachgefühl und mein Partner kann mir seine Muttersprache wirklich gut erklären.</p>
<p>Ich bin es gewohnt, dass ich mir Vokabeln anschaue, dazu ein bisschen Grammatik sortiere und dann versuche, daraus Sätze zu bauen. Aber im Türkischen hängt so viel Bedeutung direkt am Wort. Besitz, Richtung, Verneinung, Zeitform, Person – vieles wird über Endungen geregelt.</p>
<p>Das ist faszinierend.</p>
<p>Und manchmal auch ein bisschen demütigend.</p>
<p>Weil man nicht einfach ein deutsches Satzmuster nimmt und türkische Wörter hineinlegt. So funktioniert es nicht. Türkisch zwingt mich, anders zu sortieren. Anders zu denken. Anders hinzuhören.</p>
<h2><span style="color: #6bc1ad;">Sprachenlernen und Gehirnalterung: ein Geburtstagsartikel</span></h2>
<p>Und dann erschien ausgerechnet an meinem Geburtstag ein Artikel im Guardian über Sprachenlernen und Gehirnalterung.</p>
<p>Die Überschrift war sinngemäß: Wer eine weitere Sprache lernt oder mehrere Sprachen spricht, könnte sein Gehirn länger jung halten.</p>
<p>Im Artikel ging es um eine Studie, die bei einer europäischen Neurowissenschafts-Konferenz in Barcelona vorgestellt wurde. Demnach zeigten Menschen, die mehr als eine Sprache sprechen, im Schnitt Gehirnaktivitäten, die jünger wirkten als ihr tatsächliches Alter. Besonders spannend fand ich: Es ging nicht nur darum, ob jemand zweisprachig ist oder nicht. Die Forschenden beschrieben Mehrsprachigkeit eher als Abstufung. Also: Wie viele Sprachen spricht jemand? Wie gut? Seit wann? Und wie intensiv werden diese Sprachen genutzt?</p>
<p>Laut Guardian wirkten die Gehirne von Menschen, die zwei Sprachen sprechen, in der Studie im Schnitt etwa sechs Jahre jünger als die von Menschen, die nur eine Sprache sprechen. Bei drei oder vier Sprachen war der Abstand noch größer. Gleichzeitig ordneten die Forschenden vorsichtig ein, dass auch andere Faktoren eine Rolle spielen können: Lebensstil, Lesen, lebenslanges Lernen, soziale Kontakte oder andere geistig anregende Tätigkeiten.</p>
<p>Ich mag diese vorsichtige Einordnung. Denn natürlich ist Sprachenlernen kein Zauberspruch nach dem Motto: Lerne Türkisch und dein Gehirn wird jünger.</p>
<p>So funktioniert Wissenschaft nicht.</p>
<p>Aber der Gedanke gefällt mir trotzdem sehr.</p>
<p>Vielleicht, weil er so gut zu meinem eigenen Gefühl passt: Türkisch lernen bringt mein Gehirn tatsächlich in Bewegung. Nicht gemütlich. Eher wie ein kleiner innerer Sprachsport. Manchmal mit Muskelkater im Kopf.</p>
<h2><span style="color: #6bc1ad;">Warum ich trotzdem dranbleibe</span></h2>
<p>Natürlich könnte ich sagen: Mein Partner spricht doch Deutsch. Warum sollte ich Türkisch lernen?</p>
<p>Aber genau das ist für mich nicht der Punkt.</p>
<p>Ich möchte Türkisch nicht lernen, weil ich müsste. Ich möchte Türkisch lernen, weil Sprache Nähe schafft.</p>
<p>Wenn jemand zweisprachig aufgewachsen ist, dann steckt in beiden Sprachen ein Stück Identität. Bestimmte Wörter, Redewendungen, Witze, Familienmomente oder kleine Alltagssätze lassen sich nicht immer eins zu eins übersetzen.</p>
<p>Manche Dinge klingen in der einen Sprache einfach anders. Weicher. Direkter. Wärmer. Witziger. Manchmal auch dramatischer.</p>
<p>Und ich finde es schön, wenigstens ein bisschen Zugang dazu zu bekommen.</p>
<p>Nicht perfekt. Nicht fehlerfrei. Nicht mit dem Anspruch, irgendwann literarische Essays auf Türkisch zu schreiben. Sondern erst einmal ganz praktisch: verstehen, reagieren, mitsprechen, kleine Sätze sagen können.</p>
<p>Und ja: mich auch mal ordentlich verhaspeln.</p>
<h2><span style="color: #6bc1ad;">Türkisch lernen heißt für mich auch loslassen</span></h2>
<p>Beim Türkischlernen merke ich, wie sehr ich Kontrolle mag.</p>
<p>Ich möchte verstehen, warum etwas so ist. Ich möchte Muster erkennen. Ich möchte nicht einfach nur nachsprechen. Ich möchte das System begreifen.</p>
<p>Aber manchmal muss ich genau das loslassen.</p>
<p>Manchmal reicht es, einen Satz erst einmal zu hören. Ihn nachzusprechen. Ihn im Alltag wiederzuerkennen. Und erst später zu verstehen, welche Endung da eigentlich was macht.</p>
<p>Das fällt mir nicht immer leicht.</p>
<p>Aber vielleicht ist genau das der Reiz. Türkisch lernen ist für mich nicht nur Sprachtraining. Es ist auch ein kleines Denk-Training. Ein Perspektivwechsel. Eine Erinnerung daran, dass nicht jede Sprache die Welt in denselben Schubladen sortiert wie Deutsch.</p>
<h2 dir="ltr" class="mt-3 -mb-1 text-&#091;1.125rem&#093; font-bold" data-sourcepos="122:1-122:30;7345-7374"><span style="color: #6bc1ad;">Kleine Sätze, große Freude</span></h2>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="124:1-124:98;7376-7473">Was ich beim Lernen besonders mag: diese kleinen Momente, in denen plötzlich etwas hängen bleibt.</p>
<h3 class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="126:1-126:33;7475-7507">Ein Wort, das ich wiedererkenne.</h3>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="128:1-128:1125;7509-8633">Neulich habe ich die allererste Folge des Podcasts <strong><a class="underline underline underline-offset-2 decoration-1 decoration-current/40 hover:decoration-current focus:decoration-current" href="https://shop.kochdichturkisch.de/podcast/boeluem-00-orkide-orhan/" target="_blank" rel="noopener">„KochDichTürkisch&#8220;</a></strong> gehört. Darin erzählen die Eheleute Orhan und Orkide, Kinder türkischer Gastarbeiter, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, über ihre Kindheit und die türkische Küche ihrer Familien.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="128:1-128:1125;7509-8633">An einer Stelle erzählte Orhan, seine Oma väterlicherseits sei hamur-geprägt.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="128:1-128:1125;7509-8633">Und ich habe es verstanden.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="144:1-144:636;9034-9669">Nicht weil ich schon lange Türkisch lerne, sondern weil ich das Wort Hamur genau am Wochenende zuvor kennengelernt hatte, als wir mit der Anne meines Partners (seiner Mutter) Börek gemacht haben.</p>
<h3 dir="ltr" class="mt-2 -mb-1 text-base font-bold" data-sourcepos="146:1-146:32;9671-9702">Bugün gül böreği yapıyoruz.</h3>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="148:1-148:339;9704-10042">Heute machen wir also Rosenbörek. Für unseren Gül Böreği wird der Teig mit einer Füllung aus Spinat, Weißkäse und Dill bestrichen und zu einer länglichen Rolle gerollt und anschließend für sich selbst zu kleinen Rosen oder Schnecken gerollt. Aber Vorsicht mit dem Begriff Schnecke: In der türkischen Küche ist das schon wieder eine eigene Börek-Art.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="150:1-150:923;10044-10966">Auf dem Foodblog <strong><a class="underline underline underline-offset-2 decoration-1 decoration-current/40 hover:decoration-current focus:decoration-current" href="https://sonachgefuehl.de/" target="_blank" rel="noopener">So nach Gefühl</a></strong> habe ich ein entsprechendes <strong><a class="underline underline underline-offset-2 decoration-1 decoration-current/40 hover:decoration-current focus:decoration-current" href="https://sonachgefuehl.de/schneckenboerek-mit-spinat-ispanakli-kol-boeregi/" target="_blank" rel="noopener">Rezept</a></strong> für einen Schneckenbörek (auf Türkisch Ispanaklı Kol Böreği) gefunden und übrigens noch ganz viele andere Gerichte aus der türkischen und der Levante-Küche – verständlich geschrieben und sehr schön bebildert. Ispanaklı Kol Böreği wird wortwörtlich als „Arm-Börek&#8220; übersetzt (kol heißt Arm). Der entscheidende Unterschied zwischen Gül Böreği und Ispanaklı Kol Böreği liegt weniger in der Füllung als darin, wie der Teig geformt und zusammengesetzt wird. Ispanaklı Kol Böreği wird normalerweise als eine große gemeinsame Schnecke aus mehreren Teigrollen gebacken.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="150:1-150:923;10044-10966">Da wir später zum Picknick aufgebrochen sind, waren mehrere einzelne runde Gül Böreks für uns zum Essen unter freiem Himmel einfach praktischer.</p>
<h3 dir="ltr" class="mt-2 -mb-1 text-base font-bold" data-sourcepos="152:1-152:47;10968-11014">Und ganz nebenbei lernt man ein bisschen Wortbildung</h3>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="154:1-154:69;11016-11084">Was die Füllung unserer Gül Böreği anbelangt: Unsere Anne kommt aus der Westtürkei von der Ägäis: Dort findet man Gül Börek mit verschiedenen Füllungen, besonders <strong data-start="327" data-end="339">peynirli</strong> (mit Käse), <strong data-start="348" data-end="361">ıspanaklı</strong> (mit Spinat), <strong data-start="372" data-end="385">patatesli</strong> (mit Kartoffel) oder <strong data-start="403" data-end="414">kıymalı</strong> (mit Hackfleisch).</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="154:1-154:69;11016-11084">Bei Ispanaklı Gül Böreği beschreibt ıspanaklı lediglich die Füllung:</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="156:1-158:32;11086-11157">ıspanak = Spinat ıspanaklı = mit Spinat Gül böreği = die Börek-Art/Form</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="162:1-162:107;11285-11391">Bei Ispanaklı Gül Böreği beschreibt Gül, dass der Börek aus kleinen, zu Rosen geformten Portionen besteht.</p>
<h3 class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="164:1-164:317;11393-11709">Afiyet olsun!</h3>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="164:1-164:317;11393-11709">Ein Satz, der mir inzwischen richtig leicht von den Lippen geht – und im richtigen Moment gesagt wird. Zum Beispiel auch dann, wenn man jemandem erzählt, was man gegessen hat: Dann wünscht man im Nachhinein trotzdem guten Appetit, auch wenn das für unsere Ohren erst mal komisch klingt.</p>
<h3 class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="132:1-132:48;8953-9000">Eine Endung, die ich schon einmal gesehen habe.</h3>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="134:1-134:413;9002-9414">Bei mir war das die Endung -ım/-im, wie in tatlım, canım, hanım, güzelim oder aşkım – meine Süße, meine Schöne, mein Herz, mein Liebling. Hanım nennt mich auch mein Partner öfter. Es bedeutet eigentlich Frau des Hauses, im übertragenen Sinn also so etwas wie mein Zuhause. Sobald ich die Endung einmal erkannt hatte, ließ sie sich auf andere Wörter übertragen. Stamm und Endung, wie ein kleines Baukastensystem.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="136:1-136:213;9416-9628">Oder so kleine türkische Ausdrücke, die plötzlich nicht mehr fremd klingen, sondern mit denen man ganz natürlich den Tag beendet: İyi geceler (Gute Nacht). Tatlı rüyalar (Süße Träume). İyi uykular (Guten Schlaf).</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="138:1-138:68;9630-9697">Das sind keine großen Durchbrüche. Es sind eher kleine Lichtpunkte.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="140:1-140:47;9699-9745">Aber genau diese Lichtpunkte halten mich dran.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="142:1-142:219;9747-9965">Sprachenlernen besteht ja nicht nur aus Grammatik, Lektionen und Wiederholungen. Es besteht auch aus diesen kleinen Glücksmomenten: Ach, das habe ich verstanden. Ach, das kann ich sagen. Ach, das ergibt plötzlich Sinn.</p>
<h2 dir="ltr" class="mt-3 -mb-1 text-&#091;1.125rem&#093; font-bold" data-sourcepos="144:1-144:27;9967-9993"><span style="color: #6bc1ad;">Meine Babbel Experience</span></h2>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="146:1-146:43;9995-10037">Zum Lernen nutze ich unter anderem Babbel.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="148:1-148:212;10039-10250">Was ich daran mag: Die Lektionen sind überschaubar. Ich muss mich nicht für zwei Stunden an den Schreibtisch setzen, sondern kann zwischendurch lernen. Ein paar Minuten reichen oft schon, um wieder reinzukommen.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="150:1-150:239;10252-10490">Für mich funktioniert das gut, weil Türkisch mich gedanklich wirklich fordert. Ich brauche kleine Einheiten. Ich brauche Wiederholung. Und ich brauche das Gefühl, dass ich nicht gleich das komplette Sprachsystem auf einmal verstehen muss.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="152:1-152:177;10492-10668">Babbel hilft mir dabei, Türkisch Stück für Stück aufzubauen. Nicht perfekt. Aber regelmäßig. Und genau das ist beim Sprachenlernen oft wichtiger als große Motivation am Anfang.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="154:1-154:50;10670-10719">Denn Motivation ist schön. Gewohnheit ist besser.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="154:1-154:50;10670-10719">Hast du jetzt auch Lust bekommen, Türkisch oder eine andere Sprache zu lernen? Dann schau dir Babbel doch einmal an. Schon zehn Minuten am Tag reichen, um Schritt für Schritt Fortschritte zu machen. Probier&#8217;s einfach mal aus:</p>
<p class="p1"></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_code et_pb_code_0">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_code_inner">
<!-- START ADVERTISER: Babbel DE from awin.com -->

<a rel="sponsored noopener" href="https://www.awin1.com/cread.php?s=2327157&#038;v=14010&#038;q=355851&#038;r=2878101" target="_blank">
    <img decoding="async" src="https://www.awin1.com/cshow.php?s=2327157&#038;v=14010&#038;q=355851&#038;r=2878101" border="0">
</a>

<!-- END ADVERTISER: Babbel DE from awin.com -->
</div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_code et_pb_code_1">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_code_inner"><a rel="sponsored noopener" href="https://www.awin1.com/awclick.php?gid=355865&#038;mid=14010&#038;awinaffid=2878101&#038;linkid=2327189&#038;clickref=" target="_blank">Babbel.com - Einfach online Türkisch lernen</a></div>
			</div><div class="et_pb_module et_pb_text et_pb_text_9  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light">
				
				
				
				
				<div class="et_pb_text_inner"><p>&nbsp;</p>
<h2 dir="ltr" class="mt-3 -mb-1 text-&#091;1.125rem&#093; font-bold" data-sourcepos="156:1-156:22;10721-10742"><span style="color: #6bc1ad;">Türkisch lernen mit The Grooves</span></h2>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="158:1-158:140;10744-10883">Neben Babbel habe ich auch noch ein altes Sprachlernheft entdeckt: <strong><a href="https://link.amazon/B0392KyrK" target="_blank" rel="noopener">„Türkisch lernen mit The Grooves“</a> </strong>– inklusive Audiodateien zum Mithören.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="160:1-160:205;10885-11089">Das Konzept ist herrlich: Sprache trifft Musik. Kleine Sätze, Redewendungen, Wiederholungen, Rhythmus. Also nicht nur Grammatik anschauen und Vokabeln pauken, sondern Türkisch auch über das Ohr aufnehmen.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="162:1-162:226;11091-11316">Das gefällt mir, weil Türkisch für mich nicht nur auf dem Papier neu ist. Es klingt auch anders. Die Melodie, die Betonung, die vielen kleinen Endungen — all das muss ich erst einmal hören, bevor ich es wirklich greifen kann.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="164:1-164:159;11318-11476">Und vielleicht ist genau das beim Sprachenlernen manchmal unterschätzt: Man muss eine Sprache nicht nur verstehen. Man muss sich auch an ihren Klang gewöhnen.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="166:1-166:208;11478-11685">Bei Türkisch merke ich das besonders. Manche Wörter bleiben nicht hängen, weil ich sie einmal gelesen habe. Sie bleiben hängen, weil ich sie gehört habe. Mehrmals. Mit Rhythmus. Fast wie ein kleiner Ohrwurm.</p>
<p class="font-claude-response-body break-words whitespace-normal" dir="ltr" data-sourcepos="168:1-168:102;11687-11788">Und plötzlich ist da wieder so ein Moment: Ach, das kenne ich doch. Das habe ich schon einmal gehört.</p>
<h2 dir="ltr" class="mt-3 -mb-1 text-&#091;1.125rem&#093; font-bold" data-sourcepos="170:1-170:56;11790-11845">Babbel Lifetime: einmal zahlen, alle Sprachen lernen</h2>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><span>MOIN ❤️ Hier schreibt Yvonne. Ich verbinde Publishing, Sprachen und digitale Barrierefreiheit. In meinem Journal schreibe ich über gute Kommunikation, kluge Strukturen und die kleinen Beobachtungen dazwischen.</span></p></div>
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		<title>Backstory 9: Günter und eine Tasche voller Geschichten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Yvonne Frank]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Jul 2026 20:23:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Backstory]]></category>
		<category><![CDATA[diebackstoryserie]]></category>
		<category><![CDATA[backstory 9]]></category>
		<category><![CDATA[Earl Grey]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gabelstapler]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten aus der Landbäckerei]]></category>
		<category><![CDATA[Nostalgie]]></category>
		<category><![CDATA[Schnittei]]></category>
		<category><![CDATA[Tasche]]></category>
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<p>Günter trägt keine gewöhnliche Umhängetasche bei sich. Zwischen Nokia 3310, Meisterbrief und alten Fotos steckt ein ganzes Leben voller Geschichten.</p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h1>Günter</h1>
<p data-start="0" data-end="86">Sobald Günter die Tür betritt, weiß ich: Mein Nachmittag in der Bäckerei ist gerettet.</p>
<p data-start="88" data-end="301">Mit ihm wird es nie langweilig. Man lacht, lernt und landet früher oder später bei einem seiner Lieblingsthemen: technischen XXL-Phänomenen, ungewöhnlichen Konstruktionen und Geschichten aus seinem bewegten Leben.</p>
<p data-start="303" data-end="608">Vor zwei Wochen stand er plötzlich wieder auf unserer Terrasse. Ich schaute ihn an wie eine Fata Morgana. Zuletzt hatte ich ihn vor Ostern gesehen – und da ging es ihm nicht gut. Er sprach von Schmerzen und Atemnot und erwähnte ganz beiläufig einen Exit Bag, den man angeblich im Internet bestellen könne.</p>
<p data-start="610" data-end="635">Dann war er verschwunden.</p>
<p data-start="637" data-end="814">Wochenlang kein Günter. Kein Earl Grey. Keine Ratespiele. Keine Geschichten von Maschinen, Autos und Dingen, deren technische Daten außer ihm vermutlich niemand auswendig kennt.</p>
<p data-start="816" data-end="866">Und nun saß er wieder da, als wäre nichts gewesen.</p>
<p data-start="868" data-end="938">„Wie immer? Earl Grey und ein halbes belegtes Brötchen mit Schnittei?“</p>
<p data-start="940" data-end="989">Günter nickte und wühlte weiter in seiner Tasche.</p>
<p data-start="991" data-end="1191">Seine Bestellung kenne ich inzwischen genau: ein halbes Brötchen, darauf sieben Scheiben Schnittei und ein wenig Schnittlauch. Nicht sechs, nicht acht. Sieben. Bei Günter haben die Dinge ihre Ordnung.</p>
<p data-start="1193" data-end="1306">Heute hatte er ein paar Fotos dabei. Aber als Erstes zog er einen kleinen, verblichenen Schlüsselanhänger hervor.</p>
<p data-start="1308" data-end="1336">„Na, weißt du, was das ist?“</p>
<p data-start="1338" data-end="1354">Ich schmunzelte.</p>
<p data-start="1356" data-end="1387">„Ja. Das ist ein Gabelstapler.“</p>
<p data-start="1389" data-end="1537">„Genau!“, sagte Günter zufrieden. „Von meiner alten Firma. Dreißig Jahre im Kunden-Wartungsdienst – durch jedes Wetter und durch alle Bundesländer.“</p>
<p data-start="1539" data-end="1872">Ich nahm den Anhänger in die Hand. In der winzigen Hebesäule war eine durchsichtige Röhre eingelassen. Darin bewegte sich eine blassgrüne Flüssigkeit, sobald man den Anhänger kippte – ähnlich wie bei einer Wasserwaage. Sie lief langsam an der Säule entlang, als würde der kleine Stapler gerade etwas Unsichtbares in die Höhe stemmen.</p>
<p data-start="1874" data-end="1916">Natürlich folgte die obligatorische Frage:</p>
<p data-start="1918" data-end="1974">„Weißt du, was Gabelstapler auf Englisch heißt, Yvonne?“</p>
<p data-start="1976" data-end="2131">„Gerade nicht, Günter. Aber ich könnte meinen Telefonjoker Mark anrufen. Muttersprachler, British English. Manchmal kommt er sogar zur selben Zeit wie du.“</p>
<p data-start="2133" data-end="2156">Heute allerdings nicht.</p>
<p data-start="2158" data-end="2302">Ich machte den Earl Grey fertig, belegte das Brötchen und brachte alles auf die Terrasse. Günter nahm einen Schluck und schaute mich prüfend an.</p>
<p data-start="2304" data-end="2336">„Na, Yvonne. Weißt du es jetzt?“</p>
<p data-start="2338" data-end="2350">Ich grinste.</p>
<p data-start="2352" data-end="2375">„Forklift. Fork. Lift.“</p>
<p data-start="2377" data-end="2403">Günter nickte anerkennend.</p>
<p data-start="2405" data-end="2495">„Ist das nicht herrlich praktisch? Als würde man einfach mit einer Gabel Dinge hochheben.“</p>
<p data-start="2497" data-end="2571">Damit war der Englischtest bestanden und die Tasche noch lange nicht leer.</p>
<p data-start="2573" data-end="2811">Als Nächstes kamen sein grauer Führerschein von 1961 und sein Meisterbrief von 1975 zum Vorschein. Echtes Dokumentenpapier, sorgfältig aufbewahrt. Keine Kopien, keine Dateien auf dem Smartphone. Günter trägt die Originale lieber bei sich.</p>
<p data-start="2813" data-end="3118">Dann zeigte er mir das Foto eines dunkelroten VW-Bullis T3, mit dem er jahrelang zu seinen Kunden gefahren war. Sofort begann er zu erzählen: von langen Strecken, Reparaturen, die keinen Aufschub duldeten, und Maschinen, die ausgerechnet dann ausfielen, wenn weit und breit keine Werkstatt erreichbar war.</p>
<p data-start="3120" data-end="3240">Günters Tasche ist kein gewöhnlicher Aufbewahrungsort. Sie ist Archiv, Fotoalbum, Technikmuseum und Zeitkapsel zugleich.</p>
<p data-start="3242" data-end="3367">Plötzlich hielt er ein weiteres Foto in der Hand. Darauf war eine lächelnde Frau in einem Rock und einem Sweatshirt zu sehen.</p>
<p data-start="3369" data-end="3433">Er betrachtete es nur kurz und steckte es beinahe hastig zurück.</p>
<p data-start="3435" data-end="3472">„Und wer ist das?“, fragte ich leise.</p>
<p data-start="3474" data-end="3492">„Das ist Manuela.“</p>
<p data-start="3494" data-end="3514">Mehr sagte er nicht.</p>
<p data-start="3516" data-end="3721">Vielleicht eine frühere Liebe. Vielleicht jemand, der ihm einmal viel bedeutet hat. Ich fragte nicht weiter. Auch in einer Tasche voller Geschichten gibt es Erinnerungen, die ihrem Besitzer allein gehören.</p>
<p data-start="3723" data-end="3818">Dann zog Günter noch ein Bild hervor. Eine andere Frau, streng geflochtenes Haar, klarer Blick.</p>
<p data-start="3820" data-end="3863">„Die kenne ich doch. Wer ist das noch mal?“</p>
<p data-start="3865" data-end="3925">„Na, überleg mal, Yvonne!“, sagte Günter plötzlich hellwach.</p>
<p data-start="3927" data-end="4005">Er liebt Ratespiele und besonders dann, wenn er die Antwort kennt und ich nicht.</p>
<p data-start="4007" data-end="4031">Ich schüttelte den Kopf.</p>
<p data-start="4033" data-end="4070">„Das ist Julia Timoschenko. In jung.“</p>
<p data-start="4072" data-end="4083">Ich lachte.</p>
<p data-start="4085" data-end="4154">„Warum hast du denn ein Bild von Julia Timoschenko in deiner Tasche?“</p>
<p data-start="4156" data-end="4203">„Na, schau dir nur mal ihre Lippen an, Yvonne!“</p>
<p data-start="4205" data-end="4283">Ich nickte stumm und dachte: Ja, voll – und nicht aufgespritzt wie heutzutage.</p>
<p data-start="4285" data-end="4625">So saß Günter wieder auf unserer Terrasse: vor sich seinen Earl Grey und das halbe Brötchen mit sieben Scheiben Schnittei, neben sich seine Tasche voller Erinnerungen. Dazu sein Nokia 3310 classic mit echten Tasten und UKW-Radio. Ein Smartphone braucht er nicht. Was sollte das auch enthalten, was seine Tasche nicht längst zu bieten hätte?</p>
<p data-start="4285" data-end="4625">Günter war übrigens schon Teil meiner allerersten Backstory. Damals lernte ich von ihm ein Wort, das mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist: UKW-Drehfunkfeuer. Wer wissen möchte, wie es dazu kam, kann die Geschichte hier nachlesen: <strong><a href="https://multilingual-publishing.de/backstory-1-es-gibt-sie-die-sonne-in-der-spaetschicht/" target="_blank" rel="noopener">Es gibt sie. Die Sonne in der Spätschicht.</a></strong></p>
<p data-start="4627" data-end="4895">Bei Günter kann ein verblichener Schlüsselanhänger eine ganze Berufslaufbahn hervorholen. Ein altes Foto öffnet für einen Moment die Tür zu einer vergangenen Liebe. Und ein englisches Wort wird zum kleinen Wissenstest für die Bäckereifachverkäuferin seines Vertrauens.</p>
<p data-start="4897" data-end="4972">Ich weiß nicht, was Günter beim nächsten Mal aus seiner Tasche ziehen wird.</p>
<p data-start="4974" data-end="5029">Aber ich weiß, dass es dazu eine Geschichte geben wird.</p>
<p data-start="5031" data-end="5064">Eine, die man nicht googeln kann.</p>
<p data-start="5066" data-end="5082">Eine von vielen.</p>
<p data-start="5084" data-end="5100" data-is-last-node="" data-is-only-node="">Eine von Günter.</p>
<p data-start="5084" data-end="5100" data-is-last-node="" data-is-only-node=""></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>MOIN ❤️ Hier schreibt Yvonne. Ich verbinde Publishing, Sprachen und digitale Barrierefreiheit. In meinem Journal schreibe ich über gute Kommunikation, kluge Strukturen – und dazwischen gibt es die eine oder andere Backstory aus unserer kleinen, feinen Landbäckerei. Achja, und ich mag Franzbrötchen, die auch beim zweiten Biss nicht gleich auseinanderfallen. Hauptsache schön sabschig.</p></div>
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		<title>Backstory 8: Es muss einfach eine Rumkugel sein</title>
		<link>https://multilingual-publishing.de/backstory-8-rumkugeln/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Yvonne Frank]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Jul 2026 07:08:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Backstory]]></category>
		<category><![CDATA[diebackstoryserie]]></category>
		<category><![CDATA[backstory 8]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten aus der Landbäckerei]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheitserinnerungen]]></category>
		<category><![CDATA[Lieblingsgebäck]]></category>
		<category><![CDATA[Rumkugel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de">multilingual-publishing</a><br />
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<p>Andrea liebt Rumkugeln seit ihrer Kindheit. Eine Backstory über Erinnerungen, Schokostreusel, Lieblingsgebäck und warum manche Rituale ein Leben lang bleiben.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de">multilingual-publishing</a><br />
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				<div class="et_pb_text_inner"><h1>Eine Rumkugel. Oder ich gehe weiter.</h1>
<h2><span>Über die Rumkugel, die noch auf Andrea wartet.</span></h2>
<p class="isSelectedEnd"><span>Andreas Blick schweift durch die Auslage.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Weit und breit keine Rumkugel in Sicht.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Also geht sie wieder.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Denn: Rumkugeln müssen sein.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Andrea liebt Rumkugeln. So sehr, dass sie lieber an einer Bäckerei vorbeigeht, wenn es dort keine gibt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das Verrückte daran?</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Andrea war noch nie in meiner Bäckerei.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Obwohl wir befreundet sind. Obwohl wir regelmäßig telefonieren und uns viel erzählen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Warum?</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Weil sie Vollzeit als Kundenberaterin in einer Bank arbeitet, ständig unterwegs ist und mein kleiner Dorfbäcker einfach nicht auf ihren täglichen Wegen liegt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Letzten Sonntag telefonieren wir.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Mitten im Gespräch sagt sie plötzlich:</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Mensch, ich war noch nie bei dir in der Bäckerei. Ich komme demnächst mal vorbei. Habt ihr eigentlich Rumkugeln? Die liebe ich ja!“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ich muss lachen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Natürlich haben wir Rumkugeln.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Sorgfältig von Hand gemacht. Und nein – garantiert nicht aus zusammengefegten Kuchenresten, wie dieser hartnäckige Mythos manchmal behauptet.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Neugierig frage ich sie:</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Warum eigentlich ausgerechnet Rumkugeln?“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und dann erzählt sie.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Von ihrer Kindheit.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ihre Mutter kaufte früher immer Rumkugeln. Also griff auch Andrea ganz selbstverständlich danach.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Bis heute hat sich daran nichts geändert.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Ich liebe diese weiche, schokoladige Füllung und die knackigen Schokostreusel außen. </span><span style="font-size: 18px;">Aber es müssen die großen sein. Die kleinen mag ich überhaupt nicht.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und schön weich müssen sie sein. Sobald sie trocken sind, ist es nicht mehr dasselbe.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ich weiß, viele sagen immer: &#8218;Da sind doch Kuchenreste drin.&#8216;</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ja, und?</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das hat mich nie gestört.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Für mich sind Rumkugeln einfach eine kleine Geschmacksexplosion.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Dann erzählt sie noch etwas, das mich besonders berührt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Mittlerweile liebt auch ihre Tochter Rumkugeln.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ich lächle.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Manche Dinge werden offenbar weitergegeben.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Nicht nur Familienrezepte.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Sondern auch Vorlieben oder das Lieblingsgebäck.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und dann beschreibt Andrea ihren persönlichen Schlussmoment.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Wenn die Rumkugel längst aufgegessen ist, kippe ich mir die restlichen Schokostreusel aus dem Papierförmchen in den Mund. </span><span>Das gehört einfach dazu.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ich höre ihr zu und denke:</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Rumkugeln sind gar nicht nur Rumkugeln.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Sie sind Kindheit. </span><span>Sie sind Erinnerung.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Sie sind ein kleines Ritual, das einen Menschen Jahrzehnte begleiten kann.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Seit ich in der Bäckerei arbeite, begegnen mir solche Geschichten ständig.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ich dachte früher, wir verkaufen Brötchen, Brote und Kuchen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Heute glaube ich, wir verkaufen oft Erinnerungen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Jeder hat sein eigenes Lieblingsgebäck.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span><a href="https://multilingual-publishing.de/schulhof-nostalgie-schaumkuss-broetchen/" target="_blank" rel="noopener" title="Das Schaumkussbrötchen"><strong>Das</strong> <strong>Schaumkussbrötchen</strong></a><strong>.</strong> </span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span><strong><a href="https://multilingual-publishing.de/backstory-5-das-schweineohr-kindheit/">Das Schweineohr</a></strong>.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Oder eben die Rumkugel.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und plötzlich wird aus einem ganz normalen Verkaufsgespräch eine Reise in die Vergangenheit.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das erinnert mich erstaunlich oft an meinen eigentlichen Beruf.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Auch dort geht es selten nur um Dokumente, PDFs oder Barrierefreiheit.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Es geht um Menschen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Darum, was bei ihnen ankommt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Was verstanden wird.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Übrigens steckt hinter der Rumkugel tatsächlich ein Stück Bäckereigeschichte.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Früher wurden dafür häufig überschüssige Kuchen- oder Tortenreste verwendet. Nicht, weil sie schlecht waren, sondern weil sie sich so sinnvoll weiterverarbeiten ließen. Daraus entstand über Generationen ein Mythos vom „zusammengefegten Kuchen“. Tatsächlich war das eine Form nachhaltigen Backens, noch lange bevor das Wort Nachhaltigkeit modern wurde.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und heute habe ich zum ersten Mal selbst eine Rumkugel probiert.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und ich muss zugeben:</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Andrea hat nicht übertrieben.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Wenn sie demnächst endlich meine Bäckerei besucht, wartet schon eine auf sie.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Selbstverständlich die größte.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>In einem schönen Papierförmchen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Innen schön weich.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und außen mit ganz vielen Schokostreuseln.</span></p>
<p><span>Damit sie sich die letzten Streusel am Ende wieder ganz feierlich in den Mund kippen kann.</span></p>
<p><span><strong data-start="312" data-end="333">Kleine Randnotiz:</strong><br data-start="333" data-end="336" />Diesen Beitrag habe ich ursprünglich im Frühsommer 2025 geschrieben.</span></p>
<p data-start="705" data-end="837" class="PDq2pG_selectionAnchorContainer">Gestern war ich mit Andrea zum Frühschwimmen verabredet.</p>
<p data-start="705" data-end="837" class="PDq2pG_selectionAnchorContainer">Noch bevor wir über die Wassertemperatur gesprochen haben, fragt sie mich mit dieser typisch norddeutschen Intonation:<span aria-hidden="true" class="PDq2pG_selectionAnchor"></span></p>
<p data-start="859" data-end="889"><strong data-start="859" data-end="889">„Habt ihr eigentlich noch Rumkugeln?“</strong></p>
<p data-start="894" data-end="943">Ich würde sagen: Die Geschichte stimmt bis heute.</p>
<p><span></span></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>MOIN ❤️ Hier schreibt Yvonne. Ich verbinde Publishing, Sprachen und digitale Barrierefreiheit. In meinem Journal schreibe ich über gute Kommunikation, kluge Strukturen – und dazwischen gibt es die eine oder andere Backstory aus unserer kleinen, feinen Landbäckerei. Achja, und ich mag Franzbrötchen, die auch beim zweiten Biss nicht gleich auseinanderfallen. Hauptsache schön sabschig.</p></div>
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		<title>Backstory 7: Mett, Mett, Baby!</title>
		<link>https://multilingual-publishing.de/mett-liebe/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Yvonne Frank]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Jul 2026 16:13:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Backstory]]></category>
		<category><![CDATA[diebackstoryserie]]></category>
		<category><![CDATA[backstory 7]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten aus der Landbäckerei]]></category>
		<category><![CDATA[Hackepeter]]></category>
		<category><![CDATA[Maurermarmelade]]></category>
		<category><![CDATA[Mettbrötchen]]></category>
		<category><![CDATA[Mettliebe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de">multilingual-publishing</a><br />
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<a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de/mett-liebe/">Backstory 7: Mett, Mett, Baby!</a></p>
<p>Ein albanischer Barista beobachtet jeden Morgen fassungslos, wie unsere Kundschaft genüsslich in ihre Mettbrötchen beißt. Eine humorvolle Backstory über Frühstückskultur, Espresso und Mett-Liebe.</p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h1><span>Über die Mett-Liebe der Deutschen</span></h1>
<h2>Wenn Espresso auf Mettbrötchen trifft</h2>
<p>„Che schifo …“</p>
<p>Der junge Mann schüttelt den Kopf.</p>
<p>Er sitzt wie jeden Morgen auf der Terrasse unserer kleinen Landbäckerei. In der einen Hand hält er einen winzigen Espresso. In der anderen eine Zigarette. Er wirkt noch ein bisschen verschlafen.</p>
<p>Dann öffnet sich die Tür.</p>
<p>Ein Stammkunde kommt heraus.</p>
<p>In der Hand: ein halbes Brötchen. Dick mit Mett belegt. Obendrauf ein Berg roter Zwiebeln.</p>
<p>Der junge Mann schaut ihm hinterher, verzieht das Gesicht und sagt auf Italienisch:</p>
<p>„Come si può mangiare carne alla colazione?“ – Was auf Deutsch bedeutet: <em>Wie kann man nur Fleisch zum Frühstück essen?  </em>Eine Frage, die er sich jeden Morgen aufs Neue stellt.</p>
<p>Der junge Mann kommt ursprünglich aus Albanien. Er arbeitet als Barista in einem italienischen Restaurant ein paar Autominuten entfernt.</p>
<p>Deutsch spricht er kaum. Muss er auch nicht. Im Restaurant wird fast ausschließlich Italienisch gesprochen, und das beherrscht er perfekt.</p>
<p>Bevor seine Schicht beginnt, kommt er jeden Morgen zu uns.</p>
<p>Espresso. Schwarz. Stark. </p>
<p>Und dann beginnt das Schauspiel.</p>
<p>Denn unsere Stammkundschaft frühstückt norddeutsch: Zwei halbe Mettbrötchen.<br />Rote Zwiebeln. Großer Pott Kaffee. So  muss das!</p>
<p>Für viele von uns ist das nichts Besonderes.</p>
<p>Für ihn dagegen ist es jedes Mal ein kleiner Kulturschock.</p>
<p>Er beobachtet die Menschen, schüttelt den Kopf und lacht. Wir lachen mit. Nicht über ihn, sondern über die Erkenntnis, wie unterschiedlich Gewohnheiten sein können.</p>
<h2>Vorglühen mit Mett</h2>
<p>Ich muss allerdings zugeben: Mein eigener Mett-Schock liegt noch gar nicht so lange zurück.</p>
<p>Vor einigen Jahren waren wir bei Freunden in Nordrhein-Westfalen zu einem Spanferkelessen eingeladen. Ganz in der Nähe der niederländischen Grenze.</p>
<p>Das Spanferkel drehte sich bereits auf dem Grill. Bis es fertig sein würde, sollten allerdings noch einige Stunden vergehen.</p>
<p>Doch die Gastgeber hatten vorgesorgt.</p>
<p>Ein befreundetes Paar aus der Nähe von Düsseldorf war ebenfalls eingeladen. Im Gepäck: zwei Kilo frisches Mett, mehrere Tüten Brötchen und ein Netz roter Zwiebeln. Alles frisch vom Fleischer ihres Vertrauens.</p>
<p>Ich dachte zuerst, sie hätten das falsche Essen mitgebracht.</p>
<p>Aber das war ein Irrtum.</p>
<p>Das Mett war nur die Vorspeise.</p>
<p>Das Spanferkel war der Hauptgang.</p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Andernorts überbrückt man Wartezeiten mit Gesellschaftsspielen. Hier überbrückte man sie mit Mett.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>So etwas hatte ich bis dahin noch nie erlebt.</span></p>
<p><span>Spätestens in diesem Moment wurde mir klar: Nordrhein-Westfalen ist Mettland.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Dort ist Mett nicht einfach nur ein Brotbelag. Es ist Haltung, Grundversorgung und offenbar auch eine vollkommen akzeptable Vorspeise vor einem ganzen Spanferkel.</span></p>
<p><span>Und dann wäre da noch der Kreis Mettmann.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das reguläre Kennzeichen lautet dort </span><strong><span>ME</span></strong><span>. Wer zusätzlich die Buchstabenkombination </span><strong><span>TT</span></strong><span> wählt, fährt tatsächlich mit </span><strong><span>ME-TT</span></strong><span> durch die Gegend.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und wenn die Person dahinter keinen Audi TT fährt, ist das vielleicht kein Zufall.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Vielleicht ist es einfach ein stilles Bekenntnis: </span><span>zu echter Mett-Liebe.</span></p>
<p><span>Ob das wirklich so gemeint ist? Ich weiß es nicht. Aber jedes Mal, wenn ich so ein Kennzeichen sehe, muss ich schmunzeln.</span></p>
<h2>Espresso trifft Mettbrötchen</h2>
<p>Der junge Barista wird vermutlich nie verstehen, warum unsere Kundschaft morgens rohes Schweinefleisch auf ein Brötchen legt.</p>
<p>Und viele unserer Kunden werden wahrscheinlich nie nachvollziehen können, warum ein einzelner Espresso ein vollständiges Frühstück sein soll.</p>
<p>Müssen sie auch nicht.</p>
<p>Sie sitzen trotzdem jeden Morgen nebeneinander. Der eine mit Espresso.<br />Der andere mit Mett und einem Pott Kaffee.</p>
<p>Sie lachen miteinander, obwohl sie kaum dieselbe Sprache sprechen.</p>
<p>Und genau deshalb mag ich unsere kleine Bäckerei so sehr.</p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Wir verkaufen hier nicht nur Brötchen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Wir bringen Menschen zusammen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Übrigens hat durch den Fleischwolf gedrehtes Schweinefleisch in Deutschland je nach Region ganz unterschiedliche Namen. Im Norden und in Nordrhein-Westfalen heißt es meist Mett, anderswo Hackepeter oder Gehacktes. Und auf dem Bau wird es liebevoll Maurermarmelade genannt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Schon an diesen Bezeichnungen merkt man: Essen erzählt immer auch etwas über Menschen, ihre Herkunft und die Gegend, in der sie zu Hause sind.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Gerade solche sprachlichen Unterschiede sind bei uns an der Theke oft der Anfang eines Gesprächs. Und manchmal auch der Anfang einer ganz persönlichen Geschichte.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Dafür braucht es nicht viel.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Manchmal reicht schon ein halbes Mettbrötchen mit roten Zwiebeln.</span></p>
<p><span>P. S.: Schnittlauch geht übrigens auch. Aber darüber scheiden sich bei unseren Stammkunden mindestens genauso die Geister wie in Italien an einem Cappuccino am Nachmittag.</span></p>
<p><span>Dort gilt der nämlich beinahe als kulinarische Todsünde. Ein Cappucino ist in Italien eine ganze Mahlzeit. Mehr über die Unterschiede zwischen deutscher und italienischer Kaffeekultur erfährst du übrigens in meinem Beitrag über <strong><a href="https://multilingual-publishing.de/positionierung-in-bella-italia/" target="_blank" rel="noopener">Positionierung in bella Italia: Was italienischer Kaffee über klare Haltung verrät</a></strong>.</span></p>
<p><span></span></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>MOIN ❤️ Hier schreibt Yvonne. Ich verbinde Publishing, Sprachen und digitale Barrierefreiheit. In meinem Journal schreibe ich über gute Kommunikation, kluge Strukturen – und dazwischen gibt es die eine oder andere Backstory aus unserer kleinen, feinen Landbäckerei. Achja, und ich mag Franzbrötchen, die auch beim zweiten Biss nicht gleich auseinanderfallen. Hauptsache schön sabschig.</p></div>
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		<title>Backstory 6: Der Hanseat in Herzform</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Yvonne Frank]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Jun 2026 23:43:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Backstory]]></category>
		<category><![CDATA[diebackstoryserie]]></category>
		<category><![CDATA[backstory 6]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten aus der Landbäckerei]]></category>
		<category><![CDATA[Hanseat]]></category>
		<category><![CDATA[Hanseaten in Herzform]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de">multilingual-publishing</a><br />
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<a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de/backstory-6-der-hanseat-in-herzform/">Backstory 6: Der Hanseat in Herzform</a></p>
<p>Ein Hanseat in Herzform: früher nur zum Muttertag, heute regulär in der Auslage. Eine kleine Backstory über Kekse, Kundschaft und norddeutsche Gebäckgeschichte.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de">multilingual-publishing</a><br />
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				<div class="et_pb_text_inner"><h1><span>Der Hanseat in Herzform </span></h1>
<h2><span style="font-size: 34px;">Der Muttertagskeks, der bleiben durfte</span></h2>
<p class="isSelectedEnd"><span>Noch vor einem Jahr gab es ihn bei uns nur rund um den Muttertag: den Hanseaten in Herzform. Eigentlich ein ganz normaler Doppelkeks. Marmelade dazwischen. Rosa-weißer Zuckerguss obendrauf. Nur eben nicht rund.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Damals war er noch ein Saisonkeks. Ein Muttertagskeks. Ein kleines Herz aus Mürbeteig, Marmelade und Zuckerguss, das einmal im Jahr in der Auslage lag und sofort für Verwirrung sorgte. Denn sobald etwas herzförmig ist, bekommt es automatisch Bedeutung. Selbst wenn es eigentlich nur ein Keks ist.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Die Herzen sind für die Mütter“, sagt damals ein Kunde.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und ich antworte: „Ja, das sind unsere Muttertagsherzen. Ein ganz normaler Hanseat – ein Doppelkeks mit Marmelade und rosa-weißem Guss. Ein echter norddeutscher Klassiker. Aber unter uns: Herzen sind doch eigentlich für uns alle da.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Er greift trotzdem zum Mandelhörnchen. Ist ja auch eine gute Wahl.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ein paar Stunden später steht ein anderer Kunde ratlos vor der Auslage. Er weiß nicht so recht, was er will. Das passiert öfter. Manche Menschen kommen rein und wissen ganz genau, was sie möchten. Zwei Weltmeister. Drei Kürbiskernbrötchen. Ein halbes Dinkelkruste, aber bitte nicht zu dunkel.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Andere betreten eine Bäckerei wie ein Museum. Sie schauen. Sie überlegen. Sie verhandeln innerlich mit sich selbst. Dann sagt der Kunde plötzlich: „Ach, die sind ja süß. Ich nehme mal zwei mit.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ich frage: „Haben Sie zwei Mütter?“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Er lacht. „Nein. Aber ich habe eine Freundin mit zwei Kindern. Die kriegen die und schenken sie am Sonntag ihrer Mama.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Der Mann scheint nicht aus einer dysfunktionalen Familie zu stammen. Ganz im Gegenteil. Er denkt mit. Er fühlt mit. Er gibt weiter. Und manchmal reicht genau das ja schon. Ein Keks wandert über die Theke, und auf einmal hängt eine ganze kleine Familiengeschichte daran.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Dann gibt es noch die Kundin mit dem Natursauerteigbrot. Sie kommt extra dafür aus der Kreisstadt angereist, weil das Brot nicht nur gut schmeckt, sondern auch eine ganze Woche lang hält. Das sagt sie jedes Mal. Und sie sagt es nicht einfach so. Sie sagt es mit dieser Überzeugung von Menschen, die genau wissen, welches Brot ihr Leben ein kleines bisschen besser macht.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Sie sieht das Herz in der Auslage. Sie hält kurz inne. Sie kauft eins. Und ruft beim Rausgehen: „Das wird nicht so lange halten wie das Brot. Das esse ich gleich im Auto auf!“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und das ist der Punkt. Diese Frau hat’s kapiert. Sie gönnt sich einfach eins. Ohne Muttertag. Ohne die Frage, ob sie das jetzt darf. Sie kauft ein Brot, das eine Woche hält. Und einen Keks, der vermutlich nicht mal den Parkplatz überlebt. Ich finde, das ist eine sehr gesunde Form von Lebensplanung.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Denn von Natur aus ist dieser Keks nicht nur für Mütter. Er war es nie. Wir haben ihn dazu gemacht. Weil er in Herzform daherkam. Weil wir ihn mit Bedeutung aufgeladen haben. Weil rund um den Muttertag plötzlich alles ein bisschen rosa, weich und aufmerksam sein soll. Und weil auf der Glasur noch ein kleines Extra-Herz aus Zuckerguss saß.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Der Minimalist nennt das Verschwendung. Wir nannten ihn letztes Jahr noch Muttertagskeks.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Aber so ganz stimmt das inzwischen nicht mehr.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Denn unsere Hanseaten gibt es inzwischen regulär in Herzform. Sie sehen immer noch aus wie der klassische Hanseat: rosa-weißer Zuckerguss, Marmelade dazwischen, Mürbeteig oben und unten. Nur rund sind sie nicht mehr.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und ganz ehrlich? Vielleicht passt das sogar besser. Denn Herzen sind nicht nur für Muttertag da.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das sieht man auch an Jakob, dem Sohn meiner Freundin. Jakob liebt diesen Keks. Vielleicht auch ein kleines bisschen wegen seiner Form. Sobald er in den Laden kommt, stürmt er zur Theke und checkt, ob er in der Auslage liegt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Nicht, weil Muttertag ist, sondern einfach, weil da ein Keks liegt, den er mag. Ein Herz mit Marmelade. Außer Form, aber immer noch Hanseat. Ein kleines Stück Zuckergussglück hinter Glas.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und daran zeigt sich ziemlich gut: So ein Herz ist eben nicht nur für Mütter da.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Denn Liebe darf nicht nur verschenkt werden. Liebe darf einem selbst auch schmecken. Und manchmal sieht sie eben aus wie ein rosa-weißer Doppelkeks in Herzform. Mit Marmelade dazwischen. Norddeutsch. Süß. Und ein bisschen zu bedeutungsvoll für etwas, das eigentlich nur in einer Papiertüte liegt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Aber so ist das manchmal in der Bäckerei. Du verkaufst ein Brot, ein Mandelhörnchen, einen Hanseaten. Und plötzlich erzählt dir jemand nebenbei, für wen das alles ist. Für die Mutter. Für die Freundin. Für die Kinder der Freundin. Für später. Für gleich im Auto. Oder einfach für sich selbst.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und dann steht da ein ganz normales Gebäck in der Auslage. Aber an der Theke wird daraus eine Geschichte.</span></p>
<h2><span>Der echte Hanseat kommt aus Lübeck</span></h2>
<p class="isSelectedEnd"><span>Der <a href="https://welterbedeutschland.de/ein-echter-hanseat-kommt-aus-luebeck/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Hanseat</strong></a> ist ein echter norddeutscher Klassiker. Er soll vom Lübecker Bäcker und Konditor Heinrich Schabbel im ausgehenden 19. Jahrhundert erfunden worden sein.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Klassisch besteht er aus zwei runden Mürbeteigkeksen. Dazwischen liegt eine dünne Schicht Marmelade. Die obere Scheibe ist mit feiner Zuckerglasur überzogen, meistens zweifarbig: Weiß und Rosa.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Diese Optik ist kein Zufall. Sie erinnert an die <a href="https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/schleswig-holstein_magazin/Kiek-an-Hanseat-der-rotweisse-Keks-aus-Luebeck%2Cshmag122402.html" target="_blank" rel="noopener"><strong>Farben der Hanse</strong></a>. Es steckt also nicht nur Zucker im Hanseaten, sondern auch jede Menge Geschichte. Und ganz viel Lübeck, die „Königin der Hanse“.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Bei uns ist der Hanseat inzwischen nicht mehr rund. Er ist ein Herz geblieben.</span></p>
<p><span>Und Jakob findet das, glaube ich, völlig in Ordnung.</span></p>
<p>Hat  dir diese Geschichte gefallen? Dann hüpf mal rüber zur<strong> <a href="https://multilingual-publishing.de/backstory-5-das-schweineohr-kindheit/">Backstory 5</a>.</strong> Da erfährst du, warum Anja jede Woche ihre Ration Schweineohren bei uns kauft und warum Service manchmal besser wirkt als jedes Marketing.<span></span></p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>MOIN ❤️ Hier schreibt Yvonne. Ich verbinde Publishing, Sprachen und digitale Barrierefreiheit. In meinem Journal schreibe ich über gute Kommunikation, kluge Strukturen – und dazwischen gibt es die eine oder andere Backstory aus unserer kleinen, feinen Landbäckerei. Achja, und ich mag Franzbrötchen, die auch beim zweiten Biss nicht gleich auseinanderfallen. Hauptsache schön sabschig.</p></div>
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		<title>Backstory 5: Das Schweineohr. Kindheit zum Mitnehmen</title>
		<link>https://multilingual-publishing.de/backstory-5-das-schweineohr-kindheit/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Yvonne Frank]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Jun 2026 19:20:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Backstory]]></category>
		<category><![CDATA[diebackstoryserie]]></category>
		<category><![CDATA[anja]]></category>
		<category><![CDATA[backstory 5]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten aus der Landbäckerei]]></category>
		<category><![CDATA[schweineohr]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de">multilingual-publishing</a><br />
<img src="https://multilingual-publishing.de/wp-content/uploads/2026/06/Yvonne-Frank_backstory-5-Schweineohr-1.jpg" style="display: block; margin: 1em auto"><br />
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<p>Ein Schweineohr ist nur ein Schweineohr. Bis jemand erzählt, warum es ihn an die Ferien bei Oma und Opa erinnert. Eine Geschichte über Kindheit, Schokoladentunke und die Frage, warum Service manchmal mehr zählt als Marketing.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de">multilingual-publishing</a><br />
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				<div class="et_pb_text_inner" data-et-multi-view="{&quot;schema&quot;:{&quot;content&quot;:{&quot;desktop&quot;:&quot;&lt;h1&gt;&lt;span&gt;Das Schweineohr. Kindheit zum Mitnehmen.&lt;\/span&gt;&lt;\/h1&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Manchmal hat man etwas im Sortiment, das die Konkurrenz nicht hat. Und wenn dieses Etwas genau eine einzige Person gl\u00fccklich macht, dann ist das vielleicht ein klitzekleiner Triumph f\u00fcr das Schweineohr. Aber auf jeden Fall wieder eine erz\u00e4hlenswerte Geschichte aus unserer kleinen, feinen B\u00e4ckerei.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Es ist Mittwoch, 14:30 Uhr. Die Mittagsspitze ist vorbei, die Kaffeemaschine schnauft noch ein wenig vor sich hin, und die ersten Stammkunden f\u00fcr den Nachmittag trudeln ein. Da steht pl\u00f6tzlich Anja vor meiner Theke und zieht eine Flunsch. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;\u201eWas, ihr habt keine Schweineohren mehr? Wie soll ich denn den Rest der Woche \u00fcberstehen ohne meine Ration? Bekommt ihr denn noch welche? Dann schaue ich am Freitag noch mal rein.\u201c&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Anja kenne ich noch vom Reha-Sport. Sie stammt aus Castrop-Rauxel, und das h\u00f6rt man auch. F\u00fcr mich war Castrop-Rauxel fr\u00fcher vor allem ein Ort auf einem Autobahnschild. Einer dieser Namen, die man auf langen Fahrten durchs Ruhrgebiet liest und sich fragt, wie es dort wohl aussieht. Heute wei\u00df ich wenigstens, wie jemand aus Castrop-Rauxel klingt.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Mit den Bestellungen habe ich eigentlich nichts zu tun. Aber ich wei\u00df, wen ich fragen kann. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Herr K., unser Bezirksleiter, hat heute sein mobiles B\u00fcro bei uns im Laden aufgebaut. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Er sitzt zwischen Tablet, Laptop und einer beeindruckenden Anzahl von Excel-Tabellen. Ich frage ihn, ob wir herausfinden k\u00f6nnen, ob noch Schweineohren bestellt sind. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Er schaut ins Tablet. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;\u201eNein, bestellt sind keine. Aber ich kann noch welche f\u00fcr morgen ordern. Wie viele m\u00f6chten Sie denn?\u201c, fragt er Anja. Auch seine Herkunft l\u00e4sst sich nicht verleugnen. Seine Sprache ist leicht s\u00e4chsisch gef\u00e4rbt.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;\u201eF\u00fcnf St\u00fcck\u201c, sagt Anja. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Ein kurzer Anruf, und die Schweineohren sind bestellt. &lt;\/span&gt;&lt;span&gt;Herr K. widmet sich wieder seinen Tabellen. Ich bin selten so froh gewesen, dass er da war. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Als ich ihn vor Schichtbeginn im Laden sitzen sah, dachte ich noch: Wie lange bleibt der wohl? Kurz darauf hatte ich ihn scherzhaft gefragt, ob er eigentlich kein Zuhause hat. &lt;\/span&gt;&lt;span&gt;Er grinste nur. \u201eDoch. Eine feuchte Wohnung.\u201c Humor hat er.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Sp\u00e4ter erz\u00e4hlt mir Anja, warum ihr die Schweineohren \u00fcberhaupt so wichtig sind. Ihre Gro\u00dfeltern hatten eine B\u00e4ckerei in Essen. Als Kind verbrachte sie dort einen gro\u00dfen Teil ihrer Ferien. Weil ihre Eltern als Drogisten selbstst\u00e4ndig waren, landete Anja oft bei Oma und Opa in der B\u00e4ckerei, zwischen Br\u00f6tchen, Berlinern und jenen Schweineohren, die sie bis heute nicht vergessen hat.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;W\u00e4hrend andere Kinder vielleicht im Freibad waren oder den Sommer auf dem Campingplatz verbrachten, half Anja in der Backstube und auf dem Wochenmarkt mit. Und manchmal durfte sie Dinge tun, die f\u00fcr ein Kind sehr aufregend sind. Sie durfte die Schweineohren in Schokolade tunken. Und die Berliner mit Puderzucker best\u00e4uben. Bis heute leuchten ihre Augen, wenn sie davon erz\u00e4hlt.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Pl\u00f6tzlich verstehe ich: Es geht gar nicht nur um Schweineohren. Es geht um Ferien bei den Gro\u00dfeltern, um das Gef\u00fchl, dazugeh\u00f6ren zu d\u00fcrfen, um Schokolade an den Fingern und um Erinnerungen, die Jahrzehnte \u00fcberdauern.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;\u201eUnd unsere Variante?\u201c, frage ich sie. \u201eKommt die denn an deine Kindheitserinnerung ran?\u201c &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Anja schaut in die Auslage. \u201eFast\u201c, sagt sie und lacht. \u201eAber ein bisschen mehr Schokolade k\u00f6nnten sie noch vertragen.\u201c &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Das Urteil einer Expertin. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;\u201eSei froh, dass \u00fcberhaupt welche drauf ist\u201c, antworte ich. \u201eIn der Bretagne verkaufen sie die Palmiers, wie sie dort hei\u00dfen, ganz ohne Schokolade.\u201c &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Wir lachen.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Dann frage ich sie, wie sie eigentlich im Norden gelandet ist. Ihre Geschichte ist fast so spannend wie die der Schweineohren. Anja hat urspr\u00fcnglich Landwirtschaftlich-technische Assistentin gelernt und sp\u00e4ter in der Forstgenetik gearbeitet. Heute ist sie Sch\u00e4ferin mit eigenen Heidschnucken. Allein das w\u00e4re schon Stoff f\u00fcr eine eigene Backstory.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Doch jetzt kommt der Teil, den ich besonders mag. Zweimal pro Woche steht Anja auf dem Wochenmarkt. Und zwar nicht f\u00fcr uns, sondern f\u00fcr die andere B\u00e4ckerei im Ort. Ihr wisst schon. Die mit dem Podcast. Und dem Franz-Merch. Marketing k\u00f6nnen die. Wirklich. Wenn du diese Backstory noch nicht kennst, dann kannst du sie hier lesen: &lt;strong&gt;&lt;a href=\&quot;https:\/\/multilingual-publishing.de\/backstory-2-franzbroetchen\/\&quot;&gt;Das Franzbr\u00f6tchen, das erst noch gebacken werden musste&lt;\/a&gt;&lt;\/strong&gt;&lt;\/span&gt;&lt;span&gt;&lt;strong&gt;.&lt;\/strong&gt;&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Trotzdem steht Anja an einem Mittwochnachmittag bei uns im Laden und sorgt daf\u00fcr, dass f\u00fcnf Schweineohren nachbestellt werden. Nicht wegen einer Rabattaktion, eines Newsletters oder eines Podcasts, sondern wegen einer Erinnerung an gl\u00fcckliche Nachmittage in der B\u00e4ckerei ihrer Gro\u00dfeltern. Und vielleicht auch, weil Service manchmal wichtiger ist als Marketing.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Denn Marketing macht aufmerksam. Service sorgt daf\u00fcr, dass Menschen wiederkommen. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Manchmal sogar f\u00fcr ein Schweineohr.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;h2&gt;&lt;span&gt;Noch eine kleine Schweineohren-Kunde&lt;\/span&gt;&lt;\/h2&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Schweineohren oder Schweinsohren sind ein s\u00fc\u00dfes Kleingeb\u00e4ck aus Bl\u00e4tterteig in typischer Herzform. Auf Franz\u00f6sisch hei\u00dfen sie Palmiers oder C\u0153urs de France, auf Italienisch Prussiane oder Ventagli di pasta sfoglia und auf Schwyzerd\u00fctsch Prussiens.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Aber egal wie sie hei\u00dfen: Mit genug Schokolade schmecken sie meistens nach Kindheit.\u00a0&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p data-start=\&quot;370\&quot; data-end=\&quot;661\&quot; class=\&quot;PDq2pG_selectionAnchorContainer\&quot;&gt;Ich habe Anja \u00fcbrigens dieses Jahr vor meinem Urlaub auf dem Wochenmarkt besucht und bei ihr ein Brot und etwas S\u00fc\u00dfes gekauft. Das Brot war wirklich hervorragend. Man muss die Konkurrenz schlie\u00dflich auch loben k\u00f6nnen, wenn sie etwas gut macht. Und wer wei\u00df? Vielleicht schaue ich ja mal wieder vorbei.&lt;span aria-hidden=\&quot;true\&quot; class=\&quot;PDq2pG_selectionAnchor\&quot;&gt;&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p data-start=\&quot;669\&quot; data-end=\&quot;906\&quot;&gt;Eines habe ich an Anjas Stand allerdings schmerzlich vermisst: den guten alten Hanseaten. Diesem echten norddeutschen Klassiker widme ich mich in der &lt;a href=\&quot;https:\/\/multilingual-publishing.de\/backstory-6-der-hanseat-in-herzform\/\&quot; target=\&quot;_blank\&quot; rel=\&quot;noopener\&quot;&gt;Backstory 6&lt;\/a&gt;. H\u00fcpf doch gleich mal r\u00fcber und lies weiter!&lt;\/p&gt;&quot;,&quot;tablet&quot;:&quot;&lt;h1&gt;&lt;span&gt;Das Schweineohr. Kindheit zum Mitnehmen.&lt;\/span&gt;&lt;\/h1&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Manchmal hat man etwas im Sortiment, das die Konkurrenz nicht hat. Und wenn dieses Etwas genau eine einzige Person gl\u00fccklich macht, dann ist das vielleicht ein klitzekleiner Triumph f\u00fcr das Schweineohr. Aber auf jeden Fall wieder eine erz\u00e4hlenswerte Geschichte aus unserer kleinen, feinen B\u00e4ckerei.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Es ist Mittwoch, 14:30 Uhr. Die Mittagsspitze ist vorbei, die Kaffeemaschine schnauft noch ein wenig vor sich hin, und die ersten Stammkunden f\u00fcr den Nachmittag trudeln ein. Da steht pl\u00f6tzlich Anja vor meiner Theke und zieht eine Flunsch. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;\u201eWas, ihr habt keine Schweineohren mehr? Wie soll ich denn den Rest der Woche \u00fcberstehen ohne meine Ration? Bekommt ihr denn noch welche? Dann schaue ich am Freitag noch mal rein.\u201c&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Anja kenne ich noch vom Reha-Sport. 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Ich bin selten so froh gewesen, dass er da war. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Als ich ihn vor Schichtbeginn im Laden sitzen sah, dachte ich noch: Wie lange bleibt der wohl? Kurz darauf hatte ich ihn scherzhaft gefragt, ob er eigentlich kein Zuhause hat. &lt;\/span&gt;&lt;span&gt;Er grinste nur. \u201eDoch. Eine feuchte Wohnung.\u201c Humor hat er.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Sp\u00e4ter erz\u00e4hlt mir Anja, warum ihr die Schweineohren \u00fcberhaupt so wichtig sind. Ihre Gro\u00dfeltern hatten eine B\u00e4ckerei in Essen. Als Kind verbrachte sie dort einen gro\u00dfen Teil ihrer Ferien. Weil ihre Eltern als Drogisten selbstst\u00e4ndig waren, landete Anja oft bei Oma und Opa in der B\u00e4ckerei, zwischen Br\u00f6tchen, Berlinern und jenen Schweineohren, die sie bis heute nicht vergessen hat.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;W\u00e4hrend andere Kinder vielleicht im Freibad waren oder den Sommer auf dem Campingplatz verbrachten, half Anja in der Backstube und auf dem Wochenmarkt mit. Und manchmal durfte sie Dinge tun, die f\u00fcr ein Kind sehr aufregend sind. Sie durfte die Schweineohren in Schokolade tunken. Und die Berliner mit Puderzucker best\u00e4uben. Bis heute leuchten ihre Augen, wenn sie davon erz\u00e4hlt.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Pl\u00f6tzlich verstehe ich: Es geht gar nicht nur um Schweineohren. Es geht um Ferien bei den Gro\u00dfeltern, um das Gef\u00fchl, dazugeh\u00f6ren zu d\u00fcrfen, um Schokolade an den Fingern und um Erinnerungen, die Jahrzehnte \u00fcberdauern.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;\u201eUnd unsere Variante?\u201c, frage ich sie. \u201eKommt die denn an deine Kindheitserinnerung ran?\u201c &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Anja schaut in die Auslage. \u201eFast\u201c, sagt sie und lacht. \u201eAber ein bisschen mehr Schokolade k\u00f6nnten sie noch vertragen.\u201c &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Das Urteil einer Expertin. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;\u201eSei froh, dass \u00fcberhaupt welche drauf ist\u201c, antworte ich. \u201eIn der Bretagne verkaufen sie die Palmiers, wie sie dort hei\u00dfen, ganz ohne Schokolade.\u201c &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Wir lachen.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Dann frage ich sie, wie sie eigentlich im Norden gelandet ist. Ihre Geschichte ist fast so spannend wie die der Schweineohren. Anja hat urspr\u00fcnglich Landwirtschaftlich-technische Assistentin gelernt und sp\u00e4ter in der Forstgenetik gearbeitet. Heute ist sie Sch\u00e4ferin mit eigenen Heidschnucken. Allein das w\u00e4re schon Stoff f\u00fcr eine eigene Backstory.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Doch jetzt kommt der Teil, den ich besonders mag. Zweimal pro Woche steht Anja auf dem Wochenmarkt. Und zwar nicht f\u00fcr uns, sondern f\u00fcr die andere B\u00e4ckerei im Ort. Ihr wisst schon. Die mit dem Podcast. Und dem Franz-Merch. Marketing k\u00f6nnen die. Wirklich. Wenn du diese Backstory noch nicht kennst, dann kannst du sie hier lesen: &lt;strong&gt;&lt;a href=\&quot;https:\/\/multilingual-publishing.de\/backstory-2-franzbroetchen\/\&quot;&gt;Das Franzbr\u00f6tchen, das erst noch gebacken werden musste&lt;\/a&gt;&lt;\/strong&gt;&lt;\/span&gt;&lt;span&gt;&lt;strong&gt;.&lt;\/strong&gt;&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Trotzdem steht Anja an einem Mittwochnachmittag bei uns im Laden und sorgt daf\u00fcr, dass f\u00fcnf Schweineohren nachbestellt werden. Nicht wegen einer Rabattaktion, eines Newsletters oder eines Podcasts, sondern wegen einer Erinnerung an gl\u00fcckliche Nachmittage in der B\u00e4ckerei ihrer Gro\u00dfeltern. Und vielleicht auch, weil Service manchmal wichtiger ist als Marketing.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Denn Marketing macht aufmerksam. Service sorgt daf\u00fcr, dass Menschen wiederkommen. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Manchmal sogar f\u00fcr ein Schweineohr.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;h2&gt;&lt;span&gt;Noch eine kleine Schweineohren-Kunde&lt;\/span&gt;&lt;\/h2&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Schweineohren oder Schweinsohren sind ein s\u00fc\u00dfes Kleingeb\u00e4ck aus Bl\u00e4tterteig in typischer Herzform. Auf Franz\u00f6sisch hei\u00dfen sie Palmiers oder C\u0153urs de France, auf Italienisch Prussiane oder Ventagli di pasta sfoglia und auf Schwyzerd\u00fctsch Prussiens.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Aber egal wie sie hei\u00dfen: Mit genug Schokolade schmecken sie meistens nach Kindheit. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Ich habe Anja \u00fcbrigens dieses Jahr vor meinem Urlaub auf dem Wochenmarkt besucht. An ihrem Stand. Dort habe ich ein Brot und ein s\u00fc\u00dfes Teilchen gekauft. Das Brot war wirklich hervorragend. Man muss die Konkurrenz schlie\u00dflich auch loben k\u00f6nnen, wenn sie etwas gut macht. Und wer wei\u00df? Vielleicht komme ich ja wieder.&lt;\/p&gt;&quot;}},&quot;slug&quot;:&quot;et_pb_text&quot;}" data-et-multi-view-load-tablet-hidden="true"><h1><span>Das Schweineohr. Kindheit zum Mitnehmen.</span></h1>
<p class="isSelectedEnd"><span>Manchmal hat man etwas im Sortiment, das die Konkurrenz nicht hat. Und wenn dieses Etwas genau eine einzige Person glücklich macht, dann ist das vielleicht ein klitzekleiner Triumph für das Schweineohr. Aber auf jeden Fall wieder eine erzählenswerte Geschichte aus unserer kleinen, feinen Bäckerei.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Es ist Mittwoch, 14:30 Uhr. Die Mittagsspitze ist vorbei, die Kaffeemaschine schnauft noch ein wenig vor sich hin, und die ersten Stammkunden für den Nachmittag trudeln ein. Da steht plötzlich Anja vor meiner Theke und zieht eine Flunsch. </span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Was, ihr habt keine Schweineohren mehr? Wie soll ich denn den Rest der Woche überstehen ohne meine Ration? Bekommt ihr denn noch welche? Dann schaue ich am Freitag noch mal rein.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Anja kenne ich noch vom Reha-Sport. Sie stammt aus Castrop-Rauxel, und das hört man auch. Für mich war Castrop-Rauxel früher vor allem ein Ort auf einem Autobahnschild. Einer dieser Namen, die man auf langen Fahrten durchs Ruhrgebiet liest und sich fragt, wie es dort wohl aussieht. Heute weiß ich wenigstens, wie jemand aus Castrop-Rauxel klingt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Mit den Bestellungen habe ich eigentlich nichts zu tun. Aber ich weiß, wen ich fragen kann. </span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Herr K., unser Bezirksleiter, hat heute sein mobiles Büro bei uns im Laden aufgebaut. </span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Er sitzt zwischen Tablet, Laptop und einer beeindruckenden Anzahl von Excel-Tabellen. Ich frage ihn, ob wir herausfinden können, ob noch Schweineohren bestellt sind. </span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Er schaut ins Tablet. </span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Nein, bestellt sind keine. Aber ich kann noch welche für morgen ordern. Wie viele möchten Sie denn?“, fragt er Anja. Auch seine Herkunft lässt sich nicht verleugnen. Seine Sprache ist leicht sächsisch gefärbt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Fünf Stück“, sagt Anja. </span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ein kurzer Anruf, und die Schweineohren sind bestellt. </span><span>Herr K. widmet sich wieder seinen Tabellen. Ich bin selten so froh gewesen, dass er da war. </span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Als ich ihn vor Schichtbeginn im Laden sitzen sah, dachte ich noch: Wie lange bleibt der wohl? Kurz darauf hatte ich ihn scherzhaft gefragt, ob er eigentlich kein Zuhause hat. </span><span>Er grinste nur. „Doch. Eine feuchte Wohnung.“ Humor hat er.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Später erzählt mir Anja, warum ihr die Schweineohren überhaupt so wichtig sind. Ihre Großeltern hatten eine Bäckerei in Essen. Als Kind verbrachte sie dort einen großen Teil ihrer Ferien. Weil ihre Eltern als Drogisten selbstständig waren, landete Anja oft bei Oma und Opa in der Bäckerei, zwischen Brötchen, Berlinern und jenen Schweineohren, die sie bis heute nicht vergessen hat.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Während andere Kinder vielleicht im Freibad waren oder den Sommer auf dem Campingplatz verbrachten, half Anja in der Backstube und auf dem Wochenmarkt mit. Und manchmal durfte sie Dinge tun, die für ein Kind sehr aufregend sind. Sie durfte die Schweineohren in Schokolade tunken. Und die Berliner mit Puderzucker bestäuben. Bis heute leuchten ihre Augen, wenn sie davon erzählt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Plötzlich verstehe ich: Es geht gar nicht nur um Schweineohren. Es geht um Ferien bei den Großeltern, um das Gefühl, dazugehören zu dürfen, um Schokolade an den Fingern und um Erinnerungen, die Jahrzehnte überdauern.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Und unsere Variante?“, frage ich sie. „Kommt die denn an deine Kindheitserinnerung ran?“ </span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Anja schaut in die Auslage. „Fast“, sagt sie und lacht. „Aber ein bisschen mehr Schokolade könnten sie noch vertragen.“ </span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das Urteil einer Expertin. </span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Sei froh, dass überhaupt welche drauf ist“, antworte ich. „In der Bretagne verkaufen sie die Palmiers, wie sie dort heißen, ganz ohne Schokolade.“ </span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Wir lachen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Dann frage ich sie, wie sie eigentlich im Norden gelandet ist. Ihre Geschichte ist fast so spannend wie die der Schweineohren. Anja hat ursprünglich Landwirtschaftlich-technische Assistentin gelernt und später in der Forstgenetik gearbeitet. Heute ist sie Schäferin mit eigenen Heidschnucken. Allein das wäre schon Stoff für eine eigene Backstory.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Doch jetzt kommt der Teil, den ich besonders mag. Zweimal pro Woche steht Anja auf dem Wochenmarkt. Und zwar nicht für uns, sondern für die andere Bäckerei im Ort. Ihr wisst schon. Die mit dem Podcast. Und dem Franz-Merch. Marketing können die. Wirklich. Wenn du diese Backstory noch nicht kennst, dann kannst du sie hier lesen: <strong><a href="https://multilingual-publishing.de/backstory-2-franzbroetchen/">Das Franzbrötchen, das erst noch gebacken werden musste</a></strong></span><span><strong>.</strong></span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Trotzdem steht Anja an einem Mittwochnachmittag bei uns im Laden und sorgt dafür, dass fünf Schweineohren nachbestellt werden. Nicht wegen einer Rabattaktion, eines Newsletters oder eines Podcasts, sondern wegen einer Erinnerung an glückliche Nachmittage in der Bäckerei ihrer Großeltern. Und vielleicht auch, weil Service manchmal wichtiger ist als Marketing.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Denn Marketing macht aufmerksam. Service sorgt dafür, dass Menschen wiederkommen. </span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Manchmal sogar für ein Schweineohr.</span></p>
<h2><span>Noch eine kleine Schweineohren-Kunde</span></h2>
<p class="isSelectedEnd"><span>Schweineohren oder Schweinsohren sind ein süßes Kleingebäck aus Blätterteig in typischer Herzform. Auf Französisch heißen sie Palmiers oder Cœurs de France, auf Italienisch Prussiane oder Ventagli di pasta sfoglia und auf Schwyzerdütsch Prussiens.</span></p>
<p><span>Aber egal wie sie heißen: Mit genug Schokolade schmecken sie meistens nach Kindheit. </span></p>
<p data-start="370" data-end="661" class="PDq2pG_selectionAnchorContainer">Ich habe Anja übrigens dieses Jahr vor meinem Urlaub auf dem Wochenmarkt besucht und bei ihr ein Brot und etwas Süßes gekauft. Das Brot war wirklich hervorragend. Man muss die Konkurrenz schließlich auch loben können, wenn sie etwas gut macht. Und wer weiß? Vielleicht schaue ich ja mal wieder vorbei.<span aria-hidden="true" class="PDq2pG_selectionAnchor"></span></p>
<p data-start="669" data-end="906">Eines habe ich an Anjas Stand allerdings schmerzlich vermisst: den guten alten Hanseaten. Diesem echten norddeutschen Klassiker widme ich mich in der <a href="https://multilingual-publishing.de/backstory-6-der-hanseat-in-herzform/" target="_blank" rel="noopener">Backstory 6</a>. Hüpf doch gleich mal rüber und lies weiter!</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>MOIN ❤️ Hier schreibt Yvonne. Ich verbinde Publishing, Sprachen und digitale Barrierefreiheit. In meinem Journal schreibe ich über gute Kommunikation, kluge Strukturen – und dazwischen gibt es die eine oder andere Backstory aus unserer kleinen, feinen Landbäckerei.</p></div>
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		<title>Backstory 4: Don’t drop the N-Word</title>
		<link>https://multilingual-publishing.de/schulhof-nostalgie-schaumkuss-broetchen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Yvonne Frank]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jun 2026 19:47:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Backstory]]></category>
		<category><![CDATA[diebackstoryserie]]></category>
		<category><![CDATA[backstory 4]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten aus der Landbäckerei]]></category>
		<category><![CDATA[schaumkuss]]></category>
		<category><![CDATA[schaumkuss brötchen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de">multilingual-publishing</a><br />
<img src="https://multilingual-publishing.de/wp-content/uploads/2026/05/Yvonne-Frank_backstory-4-dont-drop-the-n-word.jpg" style="display: block; margin: 1em auto"><br />
<a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de/schulhof-nostalgie-schaumkuss-broetchen/">Backstory 4: Don’t drop the N-Word</a></p>
<p>Ein Brötchen mit Schaumkuss weckt Kindheitserinnerungen und plötzlich steht ein altes Wort mit an der Theke. Eine kleine Szene aus der Bäckerei über Sprache, Generationen und die Freiheit, Dinge heute anders zu nennen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de">multilingual-publishing</a><br />
<img src="https://multilingual-publishing.de/wp-content/uploads/2026/05/Yvonne-Frank_backstory-4-dont-drop-the-n-word.jpg" style="display: block; margin: 1em auto"><br />
<a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de/schulhof-nostalgie-schaumkuss-broetchen/">Backstory 4: Don’t drop the N-Word</a></p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h1><span>Don’t drop the N-Word </span></h1>
<h2><span>Ein Schaumkuss-Brötchen und Sprachwandel</span></h2>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ein Brötchen. Ein Schaumkuss. Einmal kräftig zudrücken und reinbeißen. Für viele ist das der Geschmack von Pausenhof, klebrigen Fingern und Kindheit.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Für andere ist es ein Wort, das hängen bleibt. Nicht fluffig, knusprig und klebrig süß, nicht nostalgisch, nicht harmlos. Sondern verletzend.</span></p>
<p class="isSelectedEnd">Und manchmal reicht genau so ein Brötchen in der Auslage, damit es zwischen den Generationen kurz kracht, nicht laut und nicht böse, aber spürbar genug, dass man es direkt vor der Bäckertheke merkt.</p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Es ist Donnerstagnachmittag, 13:30 Uhr.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Die Mittagswelle ist gerade durch. Die belegten Brötchen sind weniger geworden, der Kaffeeautomat gurgelt noch vor sich hin, und draußen hängt dieser typische Wochentagsnachmittag in der Luft: ein bisschen müde, ein bisschen eilig, ein bisschen „eigentlich müsste ich noch einkaufen“.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Da geht die Tür auf.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Eine Mutter kommt mit ihrem Kind in die Bäckerei. Das Kind ist vielleicht sechs oder sieben Jahre alt, also genau in diesem Alter, in dem man noch mit dem ganzen Gesicht staunen kann. Es läuft direkt zur Glasvitrine, stellt sich auf die Zehenspitzen und drückt sich fast die Nase platt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Vor ihm liegen Laugenstangen, Amerikaner, Streuselschnecken, Franzbrötchen, ein paar Mandelhörnchen. Und mittendrin: ein Brötchen, aus dem ein Schaumkuss herausragt wie ein kleiner Schokoladenvulkan kurz vor dem Ausbruch.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das Kind reißt die Augen auf.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Oooh Mama, was ist DAS? Das will ich!“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Die Mutter beugt sich herunter. Ihr Blick fällt auf das Brötchen. Und dann passiert dieser eine kleine Moment, den man hinter der Theke sehr genau erkennt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Sie weiß, was sie sagen will.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das Wort liegt schon auf ihrer Zunge. Es ist quasi vorne an der Kante. Bereit zum Sprung. Ein Wort aus ihrer Kindheit. Ein Wort, das früher auf Schulhöfen, bei Bäckern, auf Kindergeburtstagen und in Freibadkiosken ganz selbstverständlich benutzt wurde.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Sie holt Luft.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Ach guck mal… das ist ein—“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Pause.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Nicht lang. Aber lang genug.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Man sieht förmlich, wie es in ihrem Kopf arbeitet. Früher hieß das doch so. Aber darf man das noch sagen? Sagt man das noch? Wie heißt das jetzt? Was sagt man, ohne dass gleich jemand guckt?</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und noch bevor sie sich sortieren kann, kommt das Kind ihr zuvor.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Es rollt mit den Augen. So wie Kinder mit den Augen rollen, wenn Erwachsene wieder kurz davor sind, sich gesellschaftlich komplett ins Aus zu manövrieren.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Mama, das sagt man heute nicht mehr!“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Stille.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Drei Menschen in der Schlange drehen sich gleichzeitig ein kleines bisschen um. Nicht auffällig natürlich. Wir sind ja im Norden. Hier wird nicht gestarrt, hier wird nur sehr präzise aus dem Augenwinkel beobachtet.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Einer hustet. Eine ältere Dame schaut plötzlich sehr interessiert auf die Mehrkornbrötchen. Und ich stehe hinter der Theke, hebe innerlich eine Augenbraue und denke: Ja. Da ist sie wieder. Die kleine Schaumkuss-Debatte des Alltags.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Die Mutter wird rot.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Ich wollte doch nur… also früher hieß das doch noch…“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und genau da liegt der ganze Knoten.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Denn ja, früher hieß vieles anders. Früher hat man vieles gesagt, ohne groß darüber nachzudenken. Manche Worte waren Teil des Alltags, Teil der Kindheit, Teil von Erinnerungen. Aber nur weil ein Wort früher normal war, war es nicht automatisch gut.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das ist vielleicht der unangenehmste Teil an Nostalgie: Sie fühlt sich warm an, aber sie hat nicht immer recht.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ich lächle die Mutter an.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Das ist unser Klatschbrötchen“, sage ich. „Manche nennen es auch Matschbrötchen.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das Kind nickt zufrieden, als hätte es gerade einen wichtigen Punkt in einer internationalen Verhandlung geklärt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Dann nehme ich ein Klatschbrötchen.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Sehr gut. Fall erledigt. Weltfrieden vorerst wiederhergestellt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und trotzdem bleibt diese Szene bei mir hängen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Denn hinter der Theke sieht man viele kleine Dinge, die größer sind, als sie auf den ersten Blick wirken. Menschen kaufen Brötchen, Kaffee, Kuchen, belegte Schrippen. Aber sie bringen immer auch etwas mit: Gewohnheiten, Erinnerungen, Unsicherheiten, Sätze von früher.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Manche bestellen „wie immer“, obwohl sie seit drei Wochen etwas anderes nehmen wollen, um den lieben Hausfrieden nicht zu gefährden</span><span>. Manche sagen „Moin“ und meinen damit alles von „Guten Tag“ bis „Ich hatte eine anstrengende Woche“. Und manche stehen vor einem Brötchen mit Schaumkuss und merken plötzlich, dass Sprache sich verändert hat, während sie selbst nur kurz Brötchen holen wollten.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ich bin in der DDR aufgewachsen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Für uns war schon ein einzelner Schokokuss etwas Besonderes. Ein kleines Fest. Ein Brötchen drumherum? Das wäre fast übertrieben gewesen. Wenn es einen Schokokuss gab, dann aß man ihn. Möglichst schnell. Möglichst ohne großes Drama. Und wenn mehrere Kinder in der Nähe waren, vielleicht auch ein bisschen heimlich, um keinen Unfrieden zu stiften.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Im Osten klebte man sich eher eine Schlagersüßtafel zwischen zwei Brötchenhälften. Das war praktisch, süß und sättigend. Ich kenne das nur vom Hörensagen. Ein Schokokuss hatte nicht diesen selbstverständlichen Pausenhofstatus, den er für viele im Westen hatte.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Vielleicht sehe ich deswegen in diesem Klatschbrötchen nicht nur ein Stück Kindheit. Ich sehe auch ein kleines Stück Freiheit.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Die Freiheit, Dinge neu zu nennen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Die Freiheit, schöne Erinnerungen zu behalten, ohne verletzende Worte mitzuschleppen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Die Freiheit, zu sagen: Ja, das war früher so. Und nein, wir müssen es nicht genauso weitergeben.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ich glaube, genau darum geht es oft. Nicht darum, jemandem die Kindheit wegzunehmen. Nicht darum, alles zu verbieten, was früher einmal normal war. Sondern darum, hinzuhören. Zu verstehen, dass ein Wort für die eine Person harmlos klingen kann, während es für eine andere nicht harmlos ist.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und ganz ehrlich: Wenn ein Brötchen daran scheitert, dass es einen neuen Namen bekommt, dann war es vielleicht nie besonders stabil gebaut.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Unseres hält das aus.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Es heißt Klatschbrötchen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und der Name passt hervorragend. Denn bei uns wird der Schaumkuss nicht einfach dekorativ zwischen zwei Brötchenhälften gelegt und dann nobel überreicht. Nein. Der eigentliche Zauber passiert erst beim Klatschen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Man nimmt das Brötchen. Man klappt es zusammen. Der Schaum verteilt sich. Die Schokolade knackt. Es wird ein bisschen chaotisch. Ein bisschen klebrig. Ein bisschen herrlich.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Kurz gesagt: Es sieht danach nicht mehr unbedingt elegant aus.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Aber es schmeckt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und vielleicht ist das die schönste Lösung für diesen kleinen Kulturclash an der Theke: Wir diskutieren nicht ewig über das alte Wort. Wir nehmen ein neues. Wir klatschen das Brötchen zusammen. Und dann essen wir es.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Natürlich frage ich vorher.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Immer.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Soll ich für Sie klatschen oder möchten Sie selbst klatschen?“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Diese Frage ist inzwischen einer meiner liebsten Sätze hinter der Theke.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Manche lachen sofort. Manche gucken kurz irritiert. Manche sagen: „Ach, machen Sie mal, Sie können das bestimmt besser.“ Und Kinder wollen natürlich fast immer selbst klatschen. Verständlich. Wann darf man schon mal offiziell Essen plattdrücken?</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Dann steht da ein Kind vor der Theke, nimmt dieses Brötchen entgegen, beißt hinein und hat Schaum an der Nase. Die Mutter lacht. Die Schlange entspannt sich. Der ältere Herr, der eben noch sehr interessiert auf die Mehrkornbrötchen geguckt hat, bestellt plötzlich auch eins.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Aber bitte schon geklatscht.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>So einfach kann es manchmal sein.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ein Brötchen. Ein Schaumkuss. Ein neues Wort. Ein kleines Lächeln.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und irgendwo dazwischen passiert etwas, das größer ist als ein Gebäckstück. Sprache bewegt sich. Menschen bewegen sich mit. Nicht immer elegant. Nicht immer ohne Stolpern. Aber manchmal reicht schon ein Kind, das sagt: „Mama, das sagt man heute nicht mehr.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und eine Bäckerei, die antwortet:</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Stimmt. Bei uns heißt das Klatschbrötchen.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Während draußen die Welt manchmal hitzig diskutiert, machen wir hinter der Theke weiter, was wir am besten können: Brötchen einpacken, Kaffee ausschenken, zuhören, lächeln und ab und zu ein kleines Stück Frieden zusammenklatschen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das Leben kann so einfach sein.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Zumindest für einen Moment.</span></p>
<p><span>Und manchmal reicht dafür ein Brötchen mit Schaumkuss.</span></p>
<p><span>Hat dir diese Geschichte gefallen? In der nächsten Backstory geht es um ein ganz besonderes Gebäck: Das Schweineohr weckt gerade bei den älteren Generationen starke Kindheitserinnerungen. Außerdem ist es in Bäckereien selten geworden. Nachzulesen in <a href="https://multilingual-publishing.de/backstory-5-das-schweineohr-kindheit/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Backstory 5: Das Schweineohr. Kindheit zum Mitnehmen</strong></a>.<strong style="font-size: 18px;"></strong></span></p></div>
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				<span class="et_pb_image_wrap has-box-shadow-overlay"><div class="box-shadow-overlay"></div><img decoding="async" width="1254" height="1254" src="https://multilingual-publishing.de/wp-content/uploads/2026/05/Yvonne-Frank-Autorenbox-Tuerkis.jpg" alt="" title="Yvonne-Frank-Autorenbox-Tuerkis" srcset="https://multilingual-publishing.de/wp-content/uploads/2026/05/Yvonne-Frank-Autorenbox-Tuerkis.jpg 1254w, https://multilingual-publishing.de/wp-content/uploads/2026/05/Yvonne-Frank-Autorenbox-Tuerkis-980x980.jpg 980w, https://multilingual-publishing.de/wp-content/uploads/2026/05/Yvonne-Frank-Autorenbox-Tuerkis-480x480.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) 1254px, 100vw" class="wp-image-231416" /></span>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>MOIN ❤️ Hier schreibt Yvonne. Ich verbinde Publishing, Sprachen und digitale Barrierefreiheit. In meinem Journal schreibe ich über gute Kommunikation, kluge Strukturen – und dazwischen gibt es die eine oder andere Backstory aus unserer kleinen, feinen Landbäckerei.</p></div>
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