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		<title>Backstory 9: Günter und eine Tasche voller Geschichten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Yvonne Frank]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Jul 2026 20:23:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Backstory]]></category>
		<category><![CDATA[diebackstoryserie]]></category>
		<category><![CDATA[backstory 9]]></category>
		<category><![CDATA[Earl Grey]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gabelstapler]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten aus der Landbäckerei]]></category>
		<category><![CDATA[Nostalgie]]></category>
		<category><![CDATA[Schnittei]]></category>
		<category><![CDATA[Tasche]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de">multilingual-publishing</a><br />
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<p>Günter trägt keine gewöhnliche Umhängetasche bei sich. Zwischen Nokia 3310, Meisterbrief und alten Fotos steckt ein ganzes Leben voller Geschichten.</p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h1>Günter</h1>
<p data-start="0" data-end="86">Sobald Günter die Tür betritt, weiß ich: Mein Nachmittag in der Bäckerei ist gerettet.</p>
<p data-start="88" data-end="301">Mit ihm wird es nie langweilig. Man lacht, lernt und landet früher oder später bei einem seiner Lieblingsthemen: technischen XXL-Phänomenen, ungewöhnlichen Konstruktionen und Geschichten aus seinem bewegten Leben.</p>
<p data-start="303" data-end="608">Vor zwei Wochen stand er plötzlich wieder auf unserer Terrasse. Ich schaute ihn an wie eine Fata Morgana. Zuletzt hatte ich ihn vor Ostern gesehen – und da ging es ihm nicht gut. Er sprach von Schmerzen und Atemnot und erwähnte ganz beiläufig einen Exit Bag, den man angeblich im Internet bestellen könne.</p>
<p data-start="610" data-end="635">Dann war er verschwunden.</p>
<p data-start="637" data-end="814">Wochenlang kein Günter. Kein Earl Grey. Keine Ratespiele. Keine Geschichten von Maschinen, Autos und Dingen, deren technische Daten außer ihm vermutlich niemand auswendig kennt.</p>
<p data-start="816" data-end="866">Und nun saß er wieder da, als wäre nichts gewesen.</p>
<p data-start="868" data-end="938">„Wie immer? Earl Grey und ein halbes belegtes Brötchen mit Schnittei?“</p>
<p data-start="940" data-end="989">Günter nickte und wühlte weiter in seiner Tasche.</p>
<p data-start="991" data-end="1191">Seine Bestellung kenne ich inzwischen genau: ein halbes Brötchen, darauf sieben Scheiben Schnittei und ein wenig Schnittlauch. Nicht sechs, nicht acht. Sieben. Bei Günter haben die Dinge ihre Ordnung.</p>
<p data-start="1193" data-end="1306">Heute hatte er ein paar Fotos dabei. Aber als Erstes zog er einen kleinen, verblichenen Schlüsselanhänger hervor.</p>
<p data-start="1308" data-end="1336">„Na, weißt du, was das ist?“</p>
<p data-start="1338" data-end="1354">Ich schmunzelte.</p>
<p data-start="1356" data-end="1387">„Ja. Das ist ein Gabelstapler.“</p>
<p data-start="1389" data-end="1537">„Genau!“, sagte Günter zufrieden. „Von meiner alten Firma. Dreißig Jahre im Kunden-Wartungsdienst – durch jedes Wetter und durch alle Bundesländer.“</p>
<p data-start="1539" data-end="1872">Ich nahm den Anhänger in die Hand. In der winzigen Hebesäule war eine durchsichtige Röhre eingelassen. Darin bewegte sich eine blassgrüne Flüssigkeit, sobald man den Anhänger kippte – ähnlich wie bei einer Wasserwaage. Sie lief langsam an der Säule entlang, als würde der kleine Stapler gerade etwas Unsichtbares in die Höhe stemmen.</p>
<p data-start="1874" data-end="1916">Natürlich folgte die obligatorische Frage:</p>
<p data-start="1918" data-end="1974">„Weißt du, was Gabelstapler auf Englisch heißt, Yvonne?“</p>
<p data-start="1976" data-end="2131">„Gerade nicht, Günter. Aber ich könnte meinen Telefonjoker Mark anrufen. Muttersprachler, British English. Manchmal kommt er sogar zur selben Zeit wie du.“</p>
<p data-start="2133" data-end="2156">Heute allerdings nicht.</p>
<p data-start="2158" data-end="2302">Ich machte den Earl Grey fertig, belegte das Brötchen und brachte alles auf die Terrasse. Günter nahm einen Schluck und schaute mich prüfend an.</p>
<p data-start="2304" data-end="2336">„Na, Yvonne. Weißt du es jetzt?“</p>
<p data-start="2338" data-end="2350">Ich grinste.</p>
<p data-start="2352" data-end="2375">„Forklift. Fork. Lift.“</p>
<p data-start="2377" data-end="2403">Günter nickte anerkennend.</p>
<p data-start="2405" data-end="2495">„Ist das nicht herrlich praktisch? Als würde man einfach mit einer Gabel Dinge hochheben.“</p>
<p data-start="2497" data-end="2571">Damit war der Englischtest bestanden und die Tasche noch lange nicht leer.</p>
<p data-start="2573" data-end="2811">Als Nächstes kamen sein grauer Führerschein von 1961 und sein Meisterbrief von 1975 zum Vorschein. Echtes Dokumentenpapier, sorgfältig aufbewahrt. Keine Kopien, keine Dateien auf dem Smartphone. Günter trägt die Originale lieber bei sich.</p>
<p data-start="2813" data-end="3118">Dann zeigte er mir das Foto eines dunkelroten VW-Bullis T3, mit dem er jahrelang zu seinen Kunden gefahren war. Sofort begann er zu erzählen: von langen Strecken, Reparaturen, die keinen Aufschub duldeten, und Maschinen, die ausgerechnet dann ausfielen, wenn weit und breit keine Werkstatt erreichbar war.</p>
<p data-start="3120" data-end="3240">Günters Tasche ist kein gewöhnlicher Aufbewahrungsort. Sie ist Archiv, Fotoalbum, Technikmuseum und Zeitkapsel zugleich.</p>
<p data-start="3242" data-end="3367">Plötzlich hielt er ein weiteres Foto in der Hand. Darauf war eine lächelnde Frau in einem Rock und einem Sweatshirt zu sehen.</p>
<p data-start="3369" data-end="3433">Er betrachtete es nur kurz und steckte es beinahe hastig zurück.</p>
<p data-start="3435" data-end="3472">„Und wer ist das?“, fragte ich leise.</p>
<p data-start="3474" data-end="3492">„Das ist Manuela.“</p>
<p data-start="3494" data-end="3514">Mehr sagte er nicht.</p>
<p data-start="3516" data-end="3721">Vielleicht eine frühere Liebe. Vielleicht jemand, der ihm einmal viel bedeutet hat. Ich fragte nicht weiter. Auch in einer Tasche voller Geschichten gibt es Erinnerungen, die ihrem Besitzer allein gehören.</p>
<p data-start="3723" data-end="3818">Dann zog Günter noch ein Bild hervor. Eine andere Frau, streng geflochtenes Haar, klarer Blick.</p>
<p data-start="3820" data-end="3863">„Die kenne ich doch. Wer ist das noch mal?“</p>
<p data-start="3865" data-end="3925">„Na, überleg mal, Yvonne!“, sagte Günter plötzlich hellwach.</p>
<p data-start="3927" data-end="4005">Er liebt Ratespiele und besonders dann, wenn er die Antwort kennt und ich nicht.</p>
<p data-start="4007" data-end="4031">Ich schüttelte den Kopf.</p>
<p data-start="4033" data-end="4070">„Das ist Julia Timoschenko. In jung.“</p>
<p data-start="4072" data-end="4083">Ich lachte.</p>
<p data-start="4085" data-end="4154">„Warum hast du denn ein Bild von Julia Timoschenko in deiner Tasche?“</p>
<p data-start="4156" data-end="4203">„Na, schau dir nur mal ihre Lippen an, Yvonne!“</p>
<p data-start="4205" data-end="4283">Ich nickte stumm und dachte: Ja, voll – und nicht aufgespritzt wie heutzutage.</p>
<p data-start="4285" data-end="4625">So saß Günter wieder auf unserer Terrasse: vor sich seinen Earl Grey und das halbe Brötchen mit sieben Scheiben Schnittei, neben sich seine Tasche voller Erinnerungen. Dazu sein Nokia 3310 classic mit echten Tasten und UKW-Radio. Ein Smartphone braucht er nicht. Was sollte das auch enthalten, was seine Tasche nicht längst zu bieten hätte?</p>
<p data-start="4285" data-end="4625">Günter war übrigens schon Teil meiner allerersten Backstory. Damals lernte ich von ihm ein Wort, das mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist: UKW-Drehfunkfeuer. Wer wissen möchte, wie es dazu kam, kann die Geschichte hier nachlesen: <strong><a href="https://multilingual-publishing.de/backstory-1-es-gibt-sie-die-sonne-in-der-spaetschicht/" target="_blank" rel="noopener">Es gibt sie. Die Sonne in der Spätschicht.</a></strong></p>
<p data-start="4627" data-end="4895">Bei Günter kann ein verblichener Schlüsselanhänger eine ganze Berufslaufbahn hervorholen. Ein altes Foto öffnet für einen Moment die Tür zu einer vergangenen Liebe. Und ein englisches Wort wird zum kleinen Wissenstest für die Bäckereifachverkäuferin seines Vertrauens.</p>
<p data-start="4897" data-end="4972">Ich weiß nicht, was Günter beim nächsten Mal aus seiner Tasche ziehen wird.</p>
<p data-start="4974" data-end="5029">Aber ich weiß, dass es dazu eine Geschichte geben wird.</p>
<p data-start="5031" data-end="5064">Eine, die man nicht googeln kann.</p>
<p data-start="5066" data-end="5082">Eine von vielen.</p>
<p data-start="5084" data-end="5100" data-is-last-node="" data-is-only-node="">Eine von Günter.</p>
<p data-start="5084" data-end="5100" data-is-last-node="" data-is-only-node=""></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>MOIN ❤️ Hier schreibt Yvonne. Ich verbinde Publishing, Sprachen und digitale Barrierefreiheit. In meinem Journal schreibe ich über gute Kommunikation, kluge Strukturen – und dazwischen gibt es die eine oder andere Backstory aus unserer kleinen, feinen Landbäckerei. Achja, und ich mag Franzbrötchen, die auch beim zweiten Biss nicht gleich auseinanderfallen. Hauptsache schön sabschig.</p></div>
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		<title>Backstory 8: Es muss einfach eine Rumkugel sein</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Yvonne Frank]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Jul 2026 07:08:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Backstory]]></category>
		<category><![CDATA[diebackstoryserie]]></category>
		<category><![CDATA[backstory 8]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten aus der Landbäckerei]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheitserinnerungen]]></category>
		<category><![CDATA[Lieblingsgebäck]]></category>
		<category><![CDATA[Rumkugel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de">multilingual-publishing</a><br />
<img src="https://multilingual-publishing.de/wp-content/uploads/2026/07/Yvonne-Frank_backstory-8-rumkugeln-gehen-immer.jpg" style="display: block; margin: 1em auto"><br />
<a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de/backstory-8-rumkugeln/">Backstory 8: Es muss einfach eine Rumkugel sein</a></p>
<p>Andrea liebt Rumkugeln seit ihrer Kindheit. Eine Backstory über Erinnerungen, Schokostreusel, Lieblingsgebäck und warum manche Rituale ein Leben lang bleiben.</p>
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<a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de/backstory-8-rumkugeln/">Backstory 8: Es muss einfach eine Rumkugel sein</a></p>

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				<div class="et_pb_text_inner"><h1>Eine Rumkugel. Oder ich gehe weiter.</h1>
<h2><span>Über die Rumkugel, die noch auf Andrea wartet.</span></h2>
<p class="isSelectedEnd"><span>Andreas Blick schweift durch die Auslage.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Weit und breit keine Rumkugel in Sicht.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Also geht sie wieder.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Denn: Rumkugeln müssen sein.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Andrea liebt Rumkugeln. So sehr, dass sie lieber an einer Bäckerei vorbeigeht, wenn es dort keine gibt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das Verrückte daran?</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Andrea war noch nie in meiner Bäckerei.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Obwohl wir befreundet sind. Obwohl wir regelmäßig telefonieren und uns viel erzählen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Warum?</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Weil sie Vollzeit als Kundenberaterin in einer Bank arbeitet, ständig unterwegs ist und mein kleiner Dorfbäcker einfach nicht auf ihren täglichen Wegen liegt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Letzten Sonntag telefonieren wir.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Mitten im Gespräch sagt sie plötzlich:</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Mensch, ich war noch nie bei dir in der Bäckerei. Ich komme demnächst mal vorbei. Habt ihr eigentlich Rumkugeln? Die liebe ich ja!“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ich muss lachen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Natürlich haben wir Rumkugeln.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Sorgfältig von Hand gemacht. Und nein – garantiert nicht aus zusammengefegten Kuchenresten, wie dieser hartnäckige Mythos manchmal behauptet.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Neugierig frage ich sie:</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Warum eigentlich ausgerechnet Rumkugeln?“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und dann erzählt sie.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Von ihrer Kindheit.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ihre Mutter kaufte früher immer Rumkugeln. Also griff auch Andrea ganz selbstverständlich danach.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Bis heute hat sich daran nichts geändert.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Ich liebe diese weiche, schokoladige Füllung und die knackigen Schokostreusel außen. </span><span style="font-size: 18px;">Aber es müssen die großen sein. Die kleinen mag ich überhaupt nicht.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und schön weich müssen sie sein. Sobald sie trocken sind, ist es nicht mehr dasselbe.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ich weiß, viele sagen immer: &#8218;Da sind doch Kuchenreste drin.&#8216;</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ja, und?</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das hat mich nie gestört.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Für mich sind Rumkugeln einfach eine kleine Geschmacksexplosion.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Dann erzählt sie noch etwas, das mich besonders berührt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Mittlerweile liebt auch ihre Tochter Rumkugeln.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ich lächle.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Manche Dinge werden offenbar weitergegeben.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Nicht nur Familienrezepte.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Sondern auch Vorlieben oder das Lieblingsgebäck.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und dann beschreibt Andrea ihren persönlichen Schlussmoment.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Wenn die Rumkugel längst aufgegessen ist, kippe ich mir die restlichen Schokostreusel aus dem Papierförmchen in den Mund. </span><span>Das gehört einfach dazu.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ich höre ihr zu und denke:</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Rumkugeln sind gar nicht nur Rumkugeln.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Sie sind Kindheit. </span><span>Sie sind Erinnerung.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Sie sind ein kleines Ritual, das einen Menschen Jahrzehnte begleiten kann.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Seit ich in der Bäckerei arbeite, begegnen mir solche Geschichten ständig.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ich dachte früher, wir verkaufen Brötchen, Brote und Kuchen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Heute glaube ich, wir verkaufen oft Erinnerungen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Jeder hat sein eigenes Lieblingsgebäck.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span><a href="https://multilingual-publishing.de/schulhof-nostalgie-schaumkuss-broetchen/" target="_blank" rel="noopener" title="Das Schaumkussbrötchen"><strong>Das</strong> <strong>Schaumkussbrötchen</strong></a><strong>.</strong> </span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span><strong><a href="https://multilingual-publishing.de/backstory-5-das-schweineohr-kindheit/">Das Schweineohr</a></strong>.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Oder eben die Rumkugel.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und plötzlich wird aus einem ganz normalen Verkaufsgespräch eine Reise in die Vergangenheit.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das erinnert mich erstaunlich oft an meinen eigentlichen Beruf.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Auch dort geht es selten nur um Dokumente, PDFs oder Barrierefreiheit.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Es geht um Menschen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Darum, was bei ihnen ankommt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Was verstanden wird.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Übrigens steckt hinter der Rumkugel tatsächlich ein Stück Bäckereigeschichte.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Früher wurden dafür häufig überschüssige Kuchen- oder Tortenreste verwendet. Nicht, weil sie schlecht waren, sondern weil sie sich so sinnvoll weiterverarbeiten ließen. Daraus entstand über Generationen ein Mythos vom „zusammengefegten Kuchen“. Tatsächlich war das eine Form nachhaltigen Backens, noch lange bevor das Wort Nachhaltigkeit modern wurde.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und heute habe ich zum ersten Mal selbst eine Rumkugel probiert.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und ich muss zugeben:</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Andrea hat nicht übertrieben.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Wenn sie demnächst endlich meine Bäckerei besucht, wartet schon eine auf sie.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Selbstverständlich die größte.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>In einem schönen Papierförmchen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Innen schön weich.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und außen mit ganz vielen Schokostreuseln.</span></p>
<p><span>Damit sie sich die letzten Streusel am Ende wieder ganz feierlich in den Mund kippen kann.</span></p>
<p><span><strong data-start="312" data-end="333">Kleine Randnotiz:</strong><br data-start="333" data-end="336" />Diesen Beitrag habe ich ursprünglich im Frühsommer 2025 geschrieben.</span></p>
<p data-start="705" data-end="837" class="PDq2pG_selectionAnchorContainer">Gestern war ich mit Andrea zum Frühschwimmen verabredet.</p>
<p data-start="705" data-end="837" class="PDq2pG_selectionAnchorContainer">Noch bevor wir über die Wassertemperatur gesprochen haben, fragt sie mich mit dieser typisch norddeutschen Intonation:<span aria-hidden="true" class="PDq2pG_selectionAnchor"></span></p>
<p data-start="859" data-end="889"><strong data-start="859" data-end="889">„Habt ihr eigentlich noch Rumkugeln?“</strong></p>
<p data-start="894" data-end="943">Ich würde sagen: Die Geschichte stimmt bis heute.</p>
<p><span></span></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>MOIN ❤️ Hier schreibt Yvonne. Ich verbinde Publishing, Sprachen und digitale Barrierefreiheit. In meinem Journal schreibe ich über gute Kommunikation, kluge Strukturen – und dazwischen gibt es die eine oder andere Backstory aus unserer kleinen, feinen Landbäckerei. Achja, und ich mag Franzbrötchen, die auch beim zweiten Biss nicht gleich auseinanderfallen. Hauptsache schön sabschig.</p></div>
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		<title>Backstory 7: Mett, Mett, Baby!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Yvonne Frank]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Jul 2026 16:13:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Backstory]]></category>
		<category><![CDATA[diebackstoryserie]]></category>
		<category><![CDATA[backstory 7]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten aus der Landbäckerei]]></category>
		<category><![CDATA[Hackepeter]]></category>
		<category><![CDATA[Maurermarmelade]]></category>
		<category><![CDATA[Mettbrötchen]]></category>
		<category><![CDATA[Mettliebe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de">multilingual-publishing</a><br />
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<p>Ein albanischer Barista beobachtet jeden Morgen fassungslos, wie unsere Kundschaft genüsslich in ihre Mettbrötchen beißt. Eine humorvolle Backstory über Frühstückskultur, Espresso und Mett-Liebe.</p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h1><span>Über die Mett-Liebe der Deutschen</span></h1>
<h2>Wenn Espresso auf Mettbrötchen trifft</h2>
<p>„Che schifo …“</p>
<p>Der junge Mann schüttelt den Kopf.</p>
<p>Er sitzt wie jeden Morgen auf der Terrasse unserer kleinen Landbäckerei. In der einen Hand hält er einen winzigen Espresso. In der anderen eine Zigarette. Er wirkt noch ein bisschen verschlafen.</p>
<p>Dann öffnet sich die Tür.</p>
<p>Ein Stammkunde kommt heraus.</p>
<p>In der Hand: ein halbes Brötchen. Dick mit Mett belegt. Obendrauf ein Berg roter Zwiebeln.</p>
<p>Der junge Mann schaut ihm hinterher, verzieht das Gesicht und sagt auf Italienisch:</p>
<p>„Come si può mangiare carne alla colazione?“ – Was auf Deutsch bedeutet: <em>Wie kann man nur Fleisch zum Frühstück essen?  </em>Eine Frage, die er sich jeden Morgen aufs Neue stellt.</p>
<p>Der junge Mann kommt ursprünglich aus Albanien. Er arbeitet als Barista in einem italienischen Restaurant ein paar Autominuten entfernt.</p>
<p>Deutsch spricht er kaum. Muss er auch nicht. Im Restaurant wird fast ausschließlich Italienisch gesprochen, und das beherrscht er perfekt.</p>
<p>Bevor seine Schicht beginnt, kommt er jeden Morgen zu uns.</p>
<p>Espresso. Schwarz. Stark. </p>
<p>Und dann beginnt das Schauspiel.</p>
<p>Denn unsere Stammkundschaft frühstückt norddeutsch: Zwei halbe Mettbrötchen.<br />Rote Zwiebeln. Großer Pott Kaffee. So  muss das!</p>
<p>Für viele von uns ist das nichts Besonderes.</p>
<p>Für ihn dagegen ist es jedes Mal ein kleiner Kulturschock.</p>
<p>Er beobachtet die Menschen, schüttelt den Kopf und lacht. Wir lachen mit. Nicht über ihn, sondern über die Erkenntnis, wie unterschiedlich Gewohnheiten sein können.</p>
<h2>Vorglühen mit Mett</h2>
<p>Ich muss allerdings zugeben: Mein eigener Mett-Schock liegt noch gar nicht so lange zurück.</p>
<p>Vor einigen Jahren waren wir bei Freunden in Nordrhein-Westfalen zu einem Spanferkelessen eingeladen. Ganz in der Nähe der niederländischen Grenze.</p>
<p>Das Spanferkel drehte sich bereits auf dem Grill. Bis es fertig sein würde, sollten allerdings noch einige Stunden vergehen.</p>
<p>Doch die Gastgeber hatten vorgesorgt.</p>
<p>Ein befreundetes Paar aus der Nähe von Düsseldorf war ebenfalls eingeladen. Im Gepäck: zwei Kilo frisches Mett, mehrere Tüten Brötchen und ein Netz roter Zwiebeln. Alles frisch vom Fleischer ihres Vertrauens.</p>
<p>Ich dachte zuerst, sie hätten das falsche Essen mitgebracht.</p>
<p>Aber das war ein Irrtum.</p>
<p>Das Mett war nur die Vorspeise.</p>
<p>Das Spanferkel war der Hauptgang.</p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Andernorts überbrückt man Wartezeiten mit Gesellschaftsspielen. Hier überbrückte man sie mit Mett.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>So etwas hatte ich bis dahin noch nie erlebt.</span></p>
<p><span>Spätestens in diesem Moment wurde mir klar: Nordrhein-Westfalen ist Mettland.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Dort ist Mett nicht einfach nur ein Brotbelag. Es ist Haltung, Grundversorgung und offenbar auch eine vollkommen akzeptable Vorspeise vor einem ganzen Spanferkel.</span></p>
<p><span>Und dann wäre da noch der Kreis Mettmann.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das reguläre Kennzeichen lautet dort </span><strong><span>ME</span></strong><span>. Wer zusätzlich die Buchstabenkombination </span><strong><span>TT</span></strong><span> wählt, fährt tatsächlich mit </span><strong><span>ME-TT</span></strong><span> durch die Gegend.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und wenn die Person dahinter keinen Audi TT fährt, ist das vielleicht kein Zufall.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Vielleicht ist es einfach ein stilles Bekenntnis: </span><span>zu echter Mett-Liebe.</span></p>
<p><span>Ob das wirklich so gemeint ist? Ich weiß es nicht. Aber jedes Mal, wenn ich so ein Kennzeichen sehe, muss ich schmunzeln.</span></p>
<h2>Espresso trifft Mettbrötchen</h2>
<p>Der junge Barista wird vermutlich nie verstehen, warum unsere Kundschaft morgens rohes Schweinefleisch auf ein Brötchen legt.</p>
<p>Und viele unserer Kunden werden wahrscheinlich nie nachvollziehen können, warum ein einzelner Espresso ein vollständiges Frühstück sein soll.</p>
<p>Müssen sie auch nicht.</p>
<p>Sie sitzen trotzdem jeden Morgen nebeneinander. Der eine mit Espresso.<br />Der andere mit Mett und einem Pott Kaffee.</p>
<p>Sie lachen miteinander, obwohl sie kaum dieselbe Sprache sprechen.</p>
<p>Und genau deshalb mag ich unsere kleine Bäckerei so sehr.</p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Wir verkaufen hier nicht nur Brötchen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Wir bringen Menschen zusammen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Übrigens hat durch den Fleischwolf gedrehtes Schweinefleisch in Deutschland je nach Region ganz unterschiedliche Namen. Im Norden und in Nordrhein-Westfalen heißt es meist Mett, anderswo Hackepeter oder Gehacktes. Und auf dem Bau wird es liebevoll Maurermarmelade genannt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Schon an diesen Bezeichnungen merkt man: Essen erzählt immer auch etwas über Menschen, ihre Herkunft und die Gegend, in der sie zu Hause sind.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Gerade solche sprachlichen Unterschiede sind bei uns an der Theke oft der Anfang eines Gesprächs. Und manchmal auch der Anfang einer ganz persönlichen Geschichte.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Dafür braucht es nicht viel.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Manchmal reicht schon ein halbes Mettbrötchen mit roten Zwiebeln.</span></p>
<p><span>P. S.: Schnittlauch geht übrigens auch. Aber darüber scheiden sich bei unseren Stammkunden mindestens genauso die Geister wie in Italien an einem Cappuccino am Nachmittag.</span></p>
<p><span>Dort gilt der nämlich beinahe als kulinarische Todsünde. Ein Cappucino ist in Italien eine ganze Mahlzeit. Mehr über die Unterschiede zwischen deutscher und italienischer Kaffeekultur erfährst du übrigens in meinem Beitrag über <strong><a href="https://multilingual-publishing.de/positionierung-in-bella-italia/" target="_blank" rel="noopener">Positionierung in bella Italia: Was italienischer Kaffee über klare Haltung verrät</a></strong>.</span></p>
<p><span></span></p></div>
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		<title>Backstory 6: Der Hanseat in Herzform</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Yvonne Frank]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Jun 2026 23:43:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Backstory]]></category>
		<category><![CDATA[diebackstoryserie]]></category>
		<category><![CDATA[backstory 6]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten aus der Landbäckerei]]></category>
		<category><![CDATA[Hanseat]]></category>
		<category><![CDATA[Hanseaten in Herzform]]></category>
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<a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de/backstory-6-der-hanseat-in-herzform/">Backstory 6: Der Hanseat in Herzform</a></p>
<p>Ein Hanseat in Herzform: früher nur zum Muttertag, heute regulär in der Auslage. Eine kleine Backstory über Kekse, Kundschaft und norddeutsche Gebäckgeschichte.</p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h1><span>Der Hanseat in Herzform </span></h1>
<h2><span style="font-size: 34px;">Der Muttertagskeks, der bleiben durfte</span></h2>
<p class="isSelectedEnd"><span>Noch vor einem Jahr gab es ihn bei uns nur rund um den Muttertag: den Hanseaten in Herzform. Eigentlich ein ganz normaler Doppelkeks. Marmelade dazwischen. Rosa-weißer Zuckerguss obendrauf. Nur eben nicht rund.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Damals war er noch ein Saisonkeks. Ein Muttertagskeks. Ein kleines Herz aus Mürbeteig, Marmelade und Zuckerguss, das einmal im Jahr in der Auslage lag und sofort für Verwirrung sorgte. Denn sobald etwas herzförmig ist, bekommt es automatisch Bedeutung. Selbst wenn es eigentlich nur ein Keks ist.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Die Herzen sind für die Mütter“, sagt damals ein Kunde.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und ich antworte: „Ja, das sind unsere Muttertagsherzen. Ein ganz normaler Hanseat – ein Doppelkeks mit Marmelade und rosa-weißem Guss. Ein echter norddeutscher Klassiker. Aber unter uns: Herzen sind doch eigentlich für uns alle da.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Er greift trotzdem zum Mandelhörnchen. Ist ja auch eine gute Wahl.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ein paar Stunden später steht ein anderer Kunde ratlos vor der Auslage. Er weiß nicht so recht, was er will. Das passiert öfter. Manche Menschen kommen rein und wissen ganz genau, was sie möchten. Zwei Weltmeister. Drei Kürbiskernbrötchen. Ein halbes Dinkelkruste, aber bitte nicht zu dunkel.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Andere betreten eine Bäckerei wie ein Museum. Sie schauen. Sie überlegen. Sie verhandeln innerlich mit sich selbst. Dann sagt der Kunde plötzlich: „Ach, die sind ja süß. Ich nehme mal zwei mit.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ich frage: „Haben Sie zwei Mütter?“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Er lacht. „Nein. Aber ich habe eine Freundin mit zwei Kindern. Die kriegen die und schenken sie am Sonntag ihrer Mama.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Der Mann scheint nicht aus einer dysfunktionalen Familie zu stammen. Ganz im Gegenteil. Er denkt mit. Er fühlt mit. Er gibt weiter. Und manchmal reicht genau das ja schon. Ein Keks wandert über die Theke, und auf einmal hängt eine ganze kleine Familiengeschichte daran.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Dann gibt es noch die Kundin mit dem Natursauerteigbrot. Sie kommt extra dafür aus der Kreisstadt angereist, weil das Brot nicht nur gut schmeckt, sondern auch eine ganze Woche lang hält. Das sagt sie jedes Mal. Und sie sagt es nicht einfach so. Sie sagt es mit dieser Überzeugung von Menschen, die genau wissen, welches Brot ihr Leben ein kleines bisschen besser macht.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Sie sieht das Herz in der Auslage. Sie hält kurz inne. Sie kauft eins. Und ruft beim Rausgehen: „Das wird nicht so lange halten wie das Brot. Das esse ich gleich im Auto auf!“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und das ist der Punkt. Diese Frau hat’s kapiert. Sie gönnt sich einfach eins. Ohne Muttertag. Ohne die Frage, ob sie das jetzt darf. Sie kauft ein Brot, das eine Woche hält. Und einen Keks, der vermutlich nicht mal den Parkplatz überlebt. Ich finde, das ist eine sehr gesunde Form von Lebensplanung.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Denn von Natur aus ist dieser Keks nicht nur für Mütter. Er war es nie. Wir haben ihn dazu gemacht. Weil er in Herzform daherkam. Weil wir ihn mit Bedeutung aufgeladen haben. Weil rund um den Muttertag plötzlich alles ein bisschen rosa, weich und aufmerksam sein soll. Und weil auf der Glasur noch ein kleines Extra-Herz aus Zuckerguss saß.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Der Minimalist nennt das Verschwendung. Wir nannten ihn letztes Jahr noch Muttertagskeks.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Aber so ganz stimmt das inzwischen nicht mehr.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Denn unsere Hanseaten gibt es inzwischen regulär in Herzform. Sie sehen immer noch aus wie der klassische Hanseat: rosa-weißer Zuckerguss, Marmelade dazwischen, Mürbeteig oben und unten. Nur rund sind sie nicht mehr.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und ganz ehrlich? Vielleicht passt das sogar besser. Denn Herzen sind nicht nur für Muttertag da.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das sieht man auch an Jakob, dem Sohn meiner Freundin. Jakob liebt diesen Keks. Vielleicht auch ein kleines bisschen wegen seiner Form. Sobald er in den Laden kommt, stürmt er zur Theke und checkt, ob er in der Auslage liegt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Nicht, weil Muttertag ist, sondern einfach, weil da ein Keks liegt, den er mag. Ein Herz mit Marmelade. Außer Form, aber immer noch Hanseat. Ein kleines Stück Zuckergussglück hinter Glas.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und daran zeigt sich ziemlich gut: So ein Herz ist eben nicht nur für Mütter da.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Denn Liebe darf nicht nur verschenkt werden. Liebe darf einem selbst auch schmecken. Und manchmal sieht sie eben aus wie ein rosa-weißer Doppelkeks in Herzform. Mit Marmelade dazwischen. Norddeutsch. Süß. Und ein bisschen zu bedeutungsvoll für etwas, das eigentlich nur in einer Papiertüte liegt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Aber so ist das manchmal in der Bäckerei. Du verkaufst ein Brot, ein Mandelhörnchen, einen Hanseaten. Und plötzlich erzählt dir jemand nebenbei, für wen das alles ist. Für die Mutter. Für die Freundin. Für die Kinder der Freundin. Für später. Für gleich im Auto. Oder einfach für sich selbst.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und dann steht da ein ganz normales Gebäck in der Auslage. Aber an der Theke wird daraus eine Geschichte.</span></p>
<h2><span>Der echte Hanseat kommt aus Lübeck</span></h2>
<p class="isSelectedEnd"><span>Der <a href="https://welterbedeutschland.de/ein-echter-hanseat-kommt-aus-luebeck/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Hanseat</strong></a> ist ein echter norddeutscher Klassiker. Er soll vom Lübecker Bäcker und Konditor Heinrich Schabbel im ausgehenden 19. Jahrhundert erfunden worden sein.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Klassisch besteht er aus zwei runden Mürbeteigkeksen. Dazwischen liegt eine dünne Schicht Marmelade. Die obere Scheibe ist mit feiner Zuckerglasur überzogen, meistens zweifarbig: Weiß und Rosa.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Diese Optik ist kein Zufall. Sie erinnert an die <a href="https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/schleswig-holstein_magazin/Kiek-an-Hanseat-der-rotweisse-Keks-aus-Luebeck%2Cshmag122402.html" target="_blank" rel="noopener"><strong>Farben der Hanse</strong></a>. Es steckt also nicht nur Zucker im Hanseaten, sondern auch jede Menge Geschichte. Und ganz viel Lübeck, die „Königin der Hanse“.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Bei uns ist der Hanseat inzwischen nicht mehr rund. Er ist ein Herz geblieben.</span></p>
<p><span>Und Jakob findet das, glaube ich, völlig in Ordnung.</span></p>
<p>Hat  dir diese Geschichte gefallen? Dann hüpf mal rüber zur<strong> <a href="https://multilingual-publishing.de/backstory-5-das-schweineohr-kindheit/">Backstory 5</a>.</strong> Da erfährst du, warum Anja jede Woche ihre Ration Schweineohren bei uns kauft und warum Service manchmal besser wirkt als jedes Marketing.<span></span></p>
<p><span></span></p></div>
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		<title>Backstory 5: Das Schweineohr. Kindheit zum Mitnehmen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Yvonne Frank]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Jun 2026 19:20:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Backstory]]></category>
		<category><![CDATA[diebackstoryserie]]></category>
		<category><![CDATA[anja]]></category>
		<category><![CDATA[backstory 5]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten aus der Landbäckerei]]></category>
		<category><![CDATA[schweineohr]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de">multilingual-publishing</a><br />
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<a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de/backstory-5-das-schweineohr-kindheit/">Backstory 5: Das Schweineohr. Kindheit zum Mitnehmen</a></p>
<p>Ein Schweineohr ist nur ein Schweineohr. Bis jemand erzählt, warum es ihn an die Ferien bei Oma und Opa erinnert. Eine Geschichte über Kindheit, Schokoladentunke und die Frage, warum Service manchmal mehr zählt als Marketing.</p>
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<a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de/backstory-5-das-schweineohr-kindheit/">Backstory 5: Das Schweineohr. Kindheit zum Mitnehmen</a></p>
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Da steht pl\u00f6tzlich Anja vor meiner Theke und zieht eine Flunsch. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;\u201eWas, ihr habt keine Schweineohren mehr? Wie soll ich denn den Rest der Woche \u00fcberstehen ohne meine Ration? Bekommt ihr denn noch welche? Dann schaue ich am Freitag noch mal rein.\u201c&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Anja kenne ich noch vom Reha-Sport. Sie stammt aus Castrop-Rauxel, und das h\u00f6rt man auch. F\u00fcr mich war Castrop-Rauxel fr\u00fcher vor allem ein Ort auf einem Autobahnschild. Einer dieser Namen, die man auf langen Fahrten durchs Ruhrgebiet liest und sich fragt, wie es dort wohl aussieht. Heute wei\u00df ich wenigstens, wie jemand aus Castrop-Rauxel klingt.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Mit den Bestellungen habe ich eigentlich nichts zu tun. Aber ich wei\u00df, wen ich fragen kann. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Herr K., unser Bezirksleiter, hat heute sein mobiles B\u00fcro bei uns im Laden aufgebaut. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Er sitzt zwischen Tablet, Laptop und einer beeindruckenden Anzahl von Excel-Tabellen. Ich frage ihn, ob wir herausfinden k\u00f6nnen, ob noch Schweineohren bestellt sind. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Er schaut ins Tablet. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;\u201eNein, bestellt sind keine. Aber ich kann noch welche f\u00fcr morgen ordern. Wie viele m\u00f6chten Sie denn?\u201c, fragt er Anja. Auch seine Herkunft l\u00e4sst sich nicht verleugnen. Seine Sprache ist leicht s\u00e4chsisch gef\u00e4rbt.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;\u201eF\u00fcnf St\u00fcck\u201c, sagt Anja. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Ein kurzer Anruf, und die Schweineohren sind bestellt. &lt;\/span&gt;&lt;span&gt;Herr K. widmet sich wieder seinen Tabellen. Ich bin selten so froh gewesen, dass er da war. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Als ich ihn vor Schichtbeginn im Laden sitzen sah, dachte ich noch: Wie lange bleibt der wohl? Kurz darauf hatte ich ihn scherzhaft gefragt, ob er eigentlich kein Zuhause hat. &lt;\/span&gt;&lt;span&gt;Er grinste nur. \u201eDoch. Eine feuchte Wohnung.\u201c Humor hat er.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Sp\u00e4ter erz\u00e4hlt mir Anja, warum ihr die Schweineohren \u00fcberhaupt so wichtig sind. Ihre Gro\u00dfeltern hatten eine B\u00e4ckerei in Essen. Als Kind verbrachte sie dort einen gro\u00dfen Teil ihrer Ferien. Weil ihre Eltern als Drogisten selbstst\u00e4ndig waren, landete Anja oft bei Oma und Opa in der B\u00e4ckerei, zwischen Br\u00f6tchen, Berlinern und jenen Schweineohren, die sie bis heute nicht vergessen hat.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;W\u00e4hrend andere Kinder vielleicht im Freibad waren oder den Sommer auf dem Campingplatz verbrachten, half Anja in der Backstube und auf dem Wochenmarkt mit. Und manchmal durfte sie Dinge tun, die f\u00fcr ein Kind sehr aufregend sind. Sie durfte die Schweineohren in Schokolade tunken. Und die Berliner mit Puderzucker best\u00e4uben. Bis heute leuchten ihre Augen, wenn sie davon erz\u00e4hlt.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Pl\u00f6tzlich verstehe ich: Es geht gar nicht nur um Schweineohren. Es geht um Ferien bei den Gro\u00dfeltern, um das Gef\u00fchl, dazugeh\u00f6ren zu d\u00fcrfen, um Schokolade an den Fingern und um Erinnerungen, die Jahrzehnte \u00fcberdauern.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;\u201eUnd unsere Variante?\u201c, frage ich sie. \u201eKommt die denn an deine Kindheitserinnerung ran?\u201c &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Anja schaut in die Auslage. \u201eFast\u201c, sagt sie und lacht. \u201eAber ein bisschen mehr Schokolade k\u00f6nnten sie noch vertragen.\u201c &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Das Urteil einer Expertin. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;\u201eSei froh, dass \u00fcberhaupt welche drauf ist\u201c, antworte ich. \u201eIn der Bretagne verkaufen sie die Palmiers, wie sie dort hei\u00dfen, ganz ohne Schokolade.\u201c &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Wir lachen.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Dann frage ich sie, wie sie eigentlich im Norden gelandet ist. Ihre Geschichte ist fast so spannend wie die der Schweineohren. Anja hat urspr\u00fcnglich Landwirtschaftlich-technische Assistentin gelernt und sp\u00e4ter in der Forstgenetik gearbeitet. Heute ist sie Sch\u00e4ferin mit eigenen Heidschnucken. Allein das w\u00e4re schon Stoff f\u00fcr eine eigene Backstory.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Doch jetzt kommt der Teil, den ich besonders mag. Zweimal pro Woche steht Anja auf dem Wochenmarkt. Und zwar nicht f\u00fcr uns, sondern f\u00fcr die andere B\u00e4ckerei im Ort. Ihr wisst schon. Die mit dem Podcast. Und dem Franz-Merch. Marketing k\u00f6nnen die. Wirklich. Wenn du diese Backstory noch nicht kennst, dann kannst du sie hier lesen: &lt;strong&gt;&lt;a href=\&quot;https:\/\/multilingual-publishing.de\/backstory-2-franzbroetchen\/\&quot;&gt;Das Franzbr\u00f6tchen, das erst noch gebacken werden musste&lt;\/a&gt;&lt;\/strong&gt;&lt;\/span&gt;&lt;span&gt;&lt;strong&gt;.&lt;\/strong&gt;&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Trotzdem steht Anja an einem Mittwochnachmittag bei uns im Laden und sorgt daf\u00fcr, dass f\u00fcnf Schweineohren nachbestellt werden. Nicht wegen einer Rabattaktion, eines Newsletters oder eines Podcasts, sondern wegen einer Erinnerung an gl\u00fcckliche Nachmittage in der B\u00e4ckerei ihrer Gro\u00dfeltern. Und vielleicht auch, weil Service manchmal wichtiger ist als Marketing.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Denn Marketing macht aufmerksam. Service sorgt daf\u00fcr, dass Menschen wiederkommen. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Manchmal sogar f\u00fcr ein Schweineohr.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;h2&gt;&lt;span&gt;Noch eine kleine Schweineohren-Kunde&lt;\/span&gt;&lt;\/h2&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Schweineohren oder Schweinsohren sind ein s\u00fc\u00dfes Kleingeb\u00e4ck aus Bl\u00e4tterteig in typischer Herzform. Auf Franz\u00f6sisch hei\u00dfen sie Palmiers oder C\u0153urs de France, auf Italienisch Prussiane oder Ventagli di pasta sfoglia und auf Schwyzerd\u00fctsch Prussiens.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Aber egal wie sie hei\u00dfen: Mit genug Schokolade schmecken sie meistens nach Kindheit.\u00a0&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Ich habe Anja \u00fcbrigens dieses Jahr vor meinem Urlaub auf dem Wochenmarkt besucht. An ihrem Stand. Dort habe ich ein Brot und ein s\u00fc\u00dfes Teilchen gekauft. Das Brot war wirklich hervorragend. Man muss die Konkurrenz schlie\u00dflich auch loben k\u00f6nnen, wenn sie etwas gut macht. Und wer wei\u00df? Vielleicht komme ich ja wieder.&lt;\/p&gt;&quot;,&quot;tablet&quot;:&quot;&lt;h1&gt;&lt;span&gt;Das Schweineohr. Kindheit zum Mitnehmen.&lt;\/span&gt;&lt;\/h1&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Manchmal hat man etwas im Sortiment, das die Konkurrenz nicht hat. Und wenn dieses Etwas genau eine einzige Person gl\u00fccklich macht, dann ist das vielleicht ein klitzekleiner Triumph f\u00fcr das Schweineohr. Aber auf jeden Fall wieder eine erz\u00e4hlenswerte Geschichte aus unserer kleinen, feinen B\u00e4ckerei.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Es ist Mittwoch, 14:30 Uhr. Die Mittagsspitze ist vorbei, die Kaffeemaschine schnauft noch ein wenig vor sich hin, und die ersten Stammkunden f\u00fcr den Nachmittag trudeln ein. Da steht pl\u00f6tzlich Anja vor meiner Theke und zieht eine Flunsch. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;\u201eWas, ihr habt keine Schweineohren mehr? Wie soll ich denn den Rest der Woche \u00fcberstehen ohne meine Ration? Bekommt ihr denn noch welche? Dann schaue ich am Freitag noch mal rein.\u201c&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Anja kenne ich noch vom Reha-Sport. Sie stammt aus Castrop-Rauxel, und das h\u00f6rt man auch. F\u00fcr mich war Castrop-Rauxel fr\u00fcher vor allem ein Ort auf einem Autobahnschild. Einer dieser Namen, die man auf langen Fahrten durchs Ruhrgebiet liest und sich fragt, wie es dort wohl aussieht. Heute wei\u00df ich wenigstens, wie jemand aus Castrop-Rauxel klingt.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Mit den Bestellungen habe ich eigentlich nichts zu tun. Aber ich wei\u00df, wen ich fragen kann. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Herr K., unser Bezirksleiter, hat heute sein mobiles B\u00fcro bei uns im Laden aufgebaut. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Er sitzt zwischen Tablet, Laptop und einer beeindruckenden Anzahl von Excel-Tabellen. Ich frage ihn, ob wir herausfinden k\u00f6nnen, ob noch Schweineohren bestellt sind. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Er schaut ins Tablet. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;\u201eNein, bestellt sind keine. Aber ich kann noch welche f\u00fcr morgen ordern. Wie viele m\u00f6chten Sie denn?\u201c, fragt er Anja. Auch seine Herkunft l\u00e4sst sich nicht verleugnen. Seine Sprache ist leicht s\u00e4chsisch gef\u00e4rbt.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;\u201eF\u00fcnf St\u00fcck\u201c, sagt Anja. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Ein kurzer Anruf, und die Schweineohren sind bestellt. &lt;\/span&gt;&lt;span&gt;Herr K. widmet sich wieder seinen Tabellen. Ich bin selten so froh gewesen, dass er da war. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Als ich ihn vor Schichtbeginn im Laden sitzen sah, dachte ich noch: Wie lange bleibt der wohl? Kurz darauf hatte ich ihn scherzhaft gefragt, ob er eigentlich kein Zuhause hat. &lt;\/span&gt;&lt;span&gt;Er grinste nur. \u201eDoch. Eine feuchte Wohnung.\u201c Humor hat er.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Sp\u00e4ter erz\u00e4hlt mir Anja, warum ihr die Schweineohren \u00fcberhaupt so wichtig sind. Ihre Gro\u00dfeltern hatten eine B\u00e4ckerei in Essen. Als Kind verbrachte sie dort einen gro\u00dfen Teil ihrer Ferien. Weil ihre Eltern als Drogisten selbstst\u00e4ndig waren, landete Anja oft bei Oma und Opa in der B\u00e4ckerei, zwischen Br\u00f6tchen, Berlinern und jenen Schweineohren, die sie bis heute nicht vergessen hat.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;W\u00e4hrend andere Kinder vielleicht im Freibad waren oder den Sommer auf dem Campingplatz verbrachten, half Anja in der Backstube und auf dem Wochenmarkt mit. Und manchmal durfte sie Dinge tun, die f\u00fcr ein Kind sehr aufregend sind. Sie durfte die Schweineohren in Schokolade tunken. Und die Berliner mit Puderzucker best\u00e4uben. Bis heute leuchten ihre Augen, wenn sie davon erz\u00e4hlt.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Pl\u00f6tzlich verstehe ich: Es geht gar nicht nur um Schweineohren. Es geht um Ferien bei den Gro\u00dfeltern, um das Gef\u00fchl, dazugeh\u00f6ren zu d\u00fcrfen, um Schokolade an den Fingern und um Erinnerungen, die Jahrzehnte \u00fcberdauern.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;\u201eUnd unsere Variante?\u201c, frage ich sie. \u201eKommt die denn an deine Kindheitserinnerung ran?\u201c &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Anja schaut in die Auslage. \u201eFast\u201c, sagt sie und lacht. \u201eAber ein bisschen mehr Schokolade k\u00f6nnten sie noch vertragen.\u201c &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Das Urteil einer Expertin. &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;\u201eSei froh, dass \u00fcberhaupt welche drauf ist\u201c, antworte ich. \u201eIn der Bretagne verkaufen sie die Palmiers, wie sie dort hei\u00dfen, ganz ohne Schokolade.\u201c &lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Wir lachen.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Dann frage ich sie, wie sie eigentlich im Norden gelandet ist. Ihre Geschichte ist fast so spannend wie die der Schweineohren. Anja hat urspr\u00fcnglich Landwirtschaftlich-technische Assistentin gelernt und sp\u00e4ter in der Forstgenetik gearbeitet. Heute ist sie Sch\u00e4ferin mit eigenen Heidschnucken. Allein das w\u00e4re schon Stoff f\u00fcr eine eigene Backstory.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Doch jetzt kommt der Teil, den ich besonders mag. Zweimal pro Woche steht Anja auf dem Wochenmarkt. Und zwar nicht f\u00fcr uns, sondern f\u00fcr die andere B\u00e4ckerei im Ort. Ihr wisst schon. Die mit dem Podcast. Und dem Franz-Merch. Marketing k\u00f6nnen die. Wirklich. Wenn du diese Backstory noch nicht kennst, dann kannst du sie hier lesen: &lt;strong&gt;&lt;a href=\&quot;https:\/\/multilingual-publishing.de\/backstory-2-franzbroetchen\/\&quot;&gt;Das Franzbr\u00f6tchen, das erst noch gebacken werden musste&lt;\/a&gt;&lt;\/strong&gt;&lt;\/span&gt;&lt;span&gt;&lt;strong&gt;.&lt;\/strong&gt;&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Trotzdem steht Anja an einem Mittwochnachmittag bei uns im Laden und sorgt daf\u00fcr, dass f\u00fcnf Schweineohren nachbestellt werden. Nicht wegen einer Rabattaktion, eines Newsletters oder eines Podcasts, sondern wegen einer Erinnerung an gl\u00fcckliche Nachmittage in der B\u00e4ckerei ihrer Gro\u00dfeltern. Und vielleicht auch, weil Service manchmal wichtiger ist als Marketing.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Denn Marketing macht aufmerksam. 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Das Brot war wirklich hervorragend. Man muss die Konkurrenz schlie\u00dflich auch loben k\u00f6nnen, wenn sie etwas gut macht. Und wer wei\u00df? Vielleicht komme ich ja wieder.&lt;\/p&gt;&quot;}},&quot;slug&quot;:&quot;et_pb_text&quot;}" data-et-multi-view-load-tablet-hidden="true"><h1><span>Das Schweineohr. Kindheit zum Mitnehmen.</span></h1>
<p class="isSelectedEnd"><span>Manchmal hat man etwas im Sortiment, das die Konkurrenz nicht hat. Und wenn dieses Etwas genau eine einzige Person glücklich macht, dann ist das vielleicht ein klitzekleiner Triumph für das Schweineohr. Aber auf jeden Fall wieder eine erzählenswerte Geschichte aus unserer kleinen, feinen Bäckerei.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Es ist Mittwoch, 14:30 Uhr. Die Mittagsspitze ist vorbei, die Kaffeemaschine schnauft noch ein wenig vor sich hin, und die ersten Stammkunden für den Nachmittag trudeln ein. Da steht plötzlich Anja vor meiner Theke und zieht eine Flunsch. </span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Was, ihr habt keine Schweineohren mehr? Wie soll ich denn den Rest der Woche überstehen ohne meine Ration? Bekommt ihr denn noch welche? Dann schaue ich am Freitag noch mal rein.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Anja kenne ich noch vom Reha-Sport. Sie stammt aus Castrop-Rauxel, und das hört man auch. Für mich war Castrop-Rauxel früher vor allem ein Ort auf einem Autobahnschild. Einer dieser Namen, die man auf langen Fahrten durchs Ruhrgebiet liest und sich fragt, wie es dort wohl aussieht. Heute weiß ich wenigstens, wie jemand aus Castrop-Rauxel klingt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Mit den Bestellungen habe ich eigentlich nichts zu tun. Aber ich weiß, wen ich fragen kann. </span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Herr K., unser Bezirksleiter, hat heute sein mobiles Büro bei uns im Laden aufgebaut. </span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Er sitzt zwischen Tablet, Laptop und einer beeindruckenden Anzahl von Excel-Tabellen. Ich frage ihn, ob wir herausfinden können, ob noch Schweineohren bestellt sind. </span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Er schaut ins Tablet. </span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Nein, bestellt sind keine. Aber ich kann noch welche für morgen ordern. Wie viele möchten Sie denn?“, fragt er Anja. Auch seine Herkunft lässt sich nicht verleugnen. Seine Sprache ist leicht sächsisch gefärbt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Fünf Stück“, sagt Anja. </span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ein kurzer Anruf, und die Schweineohren sind bestellt. </span><span>Herr K. widmet sich wieder seinen Tabellen. Ich bin selten so froh gewesen, dass er da war. </span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Als ich ihn vor Schichtbeginn im Laden sitzen sah, dachte ich noch: Wie lange bleibt der wohl? Kurz darauf hatte ich ihn scherzhaft gefragt, ob er eigentlich kein Zuhause hat. </span><span>Er grinste nur. „Doch. Eine feuchte Wohnung.“ Humor hat er.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Später erzählt mir Anja, warum ihr die Schweineohren überhaupt so wichtig sind. Ihre Großeltern hatten eine Bäckerei in Essen. Als Kind verbrachte sie dort einen großen Teil ihrer Ferien. Weil ihre Eltern als Drogisten selbstständig waren, landete Anja oft bei Oma und Opa in der Bäckerei, zwischen Brötchen, Berlinern und jenen Schweineohren, die sie bis heute nicht vergessen hat.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Während andere Kinder vielleicht im Freibad waren oder den Sommer auf dem Campingplatz verbrachten, half Anja in der Backstube und auf dem Wochenmarkt mit. Und manchmal durfte sie Dinge tun, die für ein Kind sehr aufregend sind. Sie durfte die Schweineohren in Schokolade tunken. Und die Berliner mit Puderzucker bestäuben. Bis heute leuchten ihre Augen, wenn sie davon erzählt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Plötzlich verstehe ich: Es geht gar nicht nur um Schweineohren. Es geht um Ferien bei den Großeltern, um das Gefühl, dazugehören zu dürfen, um Schokolade an den Fingern und um Erinnerungen, die Jahrzehnte überdauern.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Und unsere Variante?“, frage ich sie. „Kommt die denn an deine Kindheitserinnerung ran?“ </span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Anja schaut in die Auslage. „Fast“, sagt sie und lacht. „Aber ein bisschen mehr Schokolade könnten sie noch vertragen.“ </span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das Urteil einer Expertin. </span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Sei froh, dass überhaupt welche drauf ist“, antworte ich. „In der Bretagne verkaufen sie die Palmiers, wie sie dort heißen, ganz ohne Schokolade.“ </span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Wir lachen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Dann frage ich sie, wie sie eigentlich im Norden gelandet ist. Ihre Geschichte ist fast so spannend wie die der Schweineohren. Anja hat ursprünglich Landwirtschaftlich-technische Assistentin gelernt und später in der Forstgenetik gearbeitet. Heute ist sie Schäferin mit eigenen Heidschnucken. Allein das wäre schon Stoff für eine eigene Backstory.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Doch jetzt kommt der Teil, den ich besonders mag. Zweimal pro Woche steht Anja auf dem Wochenmarkt. Und zwar nicht für uns, sondern für die andere Bäckerei im Ort. Ihr wisst schon. Die mit dem Podcast. Und dem Franz-Merch. Marketing können die. Wirklich. Wenn du diese Backstory noch nicht kennst, dann kannst du sie hier lesen: <strong><a href="https://multilingual-publishing.de/backstory-2-franzbroetchen/">Das Franzbrötchen, das erst noch gebacken werden musste</a></strong></span><span><strong>.</strong></span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Trotzdem steht Anja an einem Mittwochnachmittag bei uns im Laden und sorgt dafür, dass fünf Schweineohren nachbestellt werden. Nicht wegen einer Rabattaktion, eines Newsletters oder eines Podcasts, sondern wegen einer Erinnerung an glückliche Nachmittage in der Bäckerei ihrer Großeltern. Und vielleicht auch, weil Service manchmal wichtiger ist als Marketing.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Denn Marketing macht aufmerksam. Service sorgt dafür, dass Menschen wiederkommen. </span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Manchmal sogar für ein Schweineohr.</span></p>
<h2><span>Noch eine kleine Schweineohren-Kunde</span></h2>
<p class="isSelectedEnd"><span>Schweineohren oder Schweinsohren sind ein süßes Kleingebäck aus Blätterteig in typischer Herzform. Auf Französisch heißen sie Palmiers oder Cœurs de France, auf Italienisch Prussiane oder Ventagli di pasta sfoglia und auf Schwyzerdütsch Prussiens.</span></p>
<p><span>Aber egal wie sie heißen: Mit genug Schokolade schmecken sie meistens nach Kindheit. </span></p>
<p>Ich habe Anja übrigens dieses Jahr vor meinem Urlaub auf dem Wochenmarkt besucht. An ihrem Stand. Dort habe ich ein Brot und ein süßes Teilchen gekauft. Das Brot war wirklich hervorragend. Man muss die Konkurrenz schließlich auch loben können, wenn sie etwas gut macht. Und wer weiß? Vielleicht komme ich ja wieder.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>MOIN ❤️ Hier schreibt Yvonne. Ich verbinde Publishing, Sprachen und digitale Barrierefreiheit. In meinem Journal schreibe ich über gute Kommunikation, kluge Strukturen – und dazwischen gibt es die eine oder andere Backstory aus unserer kleinen, feinen Landbäckerei.</p></div>
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		<title>Backstory 4: Don’t drop the N-Word</title>
		<link>https://multilingual-publishing.de/schulhof-nostalgie-schaumkuss-broetchen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Yvonne Frank]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jun 2026 19:47:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Backstory]]></category>
		<category><![CDATA[diebackstoryserie]]></category>
		<category><![CDATA[backstory 4]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten aus der Landbäckerei]]></category>
		<category><![CDATA[schaumkuss]]></category>
		<category><![CDATA[schaumkuss brötchen]]></category>
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<a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de/schulhof-nostalgie-schaumkuss-broetchen/">Backstory 4: Don’t drop the N-Word</a></p>
<p>Ein Brötchen mit Schaumkuss weckt Kindheitserinnerungen und plötzlich steht ein altes Wort mit an der Theke. Eine kleine Szene aus der Bäckerei über Sprache, Generationen und die Freiheit, Dinge heute anders zu nennen.</p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h1><span>Don’t drop the N-Word </span></h1>
<h2><span>Ein Schaumkuss-Brötchen und Sprachwandel</span></h2>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ein Brötchen. Ein Schaumkuss. Einmal kräftig zudrücken und reinbeißen. Für viele ist das der Geschmack von Pausenhof, klebrigen Fingern und Kindheit.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Für andere ist es ein Wort, das hängen bleibt. Nicht fluffig, knusprig und klebrig süß, nicht nostalgisch, nicht harmlos. Sondern verletzend.</span></p>
<p class="isSelectedEnd">Und manchmal reicht genau so ein Brötchen in der Auslage, damit es zwischen den Generationen kurz kracht, nicht laut und nicht böse, aber spürbar genug, dass man es direkt vor der Bäckertheke merkt.</p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Es ist Donnerstagnachmittag, 13:30 Uhr.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Die Mittagswelle ist gerade durch. Die belegten Brötchen sind weniger geworden, der Kaffeeautomat gurgelt noch vor sich hin, und draußen hängt dieser typische Wochentagsnachmittag in der Luft: ein bisschen müde, ein bisschen eilig, ein bisschen „eigentlich müsste ich noch einkaufen“.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Da geht die Tür auf.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Eine Mutter kommt mit ihrem Kind in die Bäckerei. Das Kind ist vielleicht sechs oder sieben Jahre alt, also genau in diesem Alter, in dem man noch mit dem ganzen Gesicht staunen kann. Es läuft direkt zur Glasvitrine, stellt sich auf die Zehenspitzen und drückt sich fast die Nase platt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Vor ihm liegen Laugenstangen, Amerikaner, Streuselschnecken, Franzbrötchen, ein paar Mandelhörnchen. Und mittendrin: ein Brötchen, aus dem ein Schaumkuss herausragt wie ein kleiner Schokoladenvulkan kurz vor dem Ausbruch.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das Kind reißt die Augen auf.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Oooh Mama, was ist DAS? Das will ich!“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Die Mutter beugt sich herunter. Ihr Blick fällt auf das Brötchen. Und dann passiert dieser eine kleine Moment, den man hinter der Theke sehr genau erkennt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Sie weiß, was sie sagen will.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das Wort liegt schon auf ihrer Zunge. Es ist quasi vorne an der Kante. Bereit zum Sprung. Ein Wort aus ihrer Kindheit. Ein Wort, das früher auf Schulhöfen, bei Bäckern, auf Kindergeburtstagen und in Freibadkiosken ganz selbstverständlich benutzt wurde.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Sie holt Luft.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Ach guck mal… das ist ein—“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Pause.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Nicht lang. Aber lang genug.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Man sieht förmlich, wie es in ihrem Kopf arbeitet. Früher hieß das doch so. Aber darf man das noch sagen? Sagt man das noch? Wie heißt das jetzt? Was sagt man, ohne dass gleich jemand guckt?</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und noch bevor sie sich sortieren kann, kommt das Kind ihr zuvor.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Es rollt mit den Augen. So wie Kinder mit den Augen rollen, wenn Erwachsene wieder kurz davor sind, sich gesellschaftlich komplett ins Aus zu manövrieren.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Mama, das sagt man heute nicht mehr!“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Stille.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Drei Menschen in der Schlange drehen sich gleichzeitig ein kleines bisschen um. Nicht auffällig natürlich. Wir sind ja im Norden. Hier wird nicht gestarrt, hier wird nur sehr präzise aus dem Augenwinkel beobachtet.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Einer hustet. Eine ältere Dame schaut plötzlich sehr interessiert auf die Mehrkornbrötchen. Und ich stehe hinter der Theke, hebe innerlich eine Augenbraue und denke: Ja. Da ist sie wieder. Die kleine Schaumkuss-Debatte des Alltags.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Die Mutter wird rot.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Ich wollte doch nur… also früher hieß das doch noch…“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und genau da liegt der ganze Knoten.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Denn ja, früher hieß vieles anders. Früher hat man vieles gesagt, ohne groß darüber nachzudenken. Manche Worte waren Teil des Alltags, Teil der Kindheit, Teil von Erinnerungen. Aber nur weil ein Wort früher normal war, war es nicht automatisch gut.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das ist vielleicht der unangenehmste Teil an Nostalgie: Sie fühlt sich warm an, aber sie hat nicht immer recht.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ich lächle die Mutter an.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Das ist unser Klatschbrötchen“, sage ich. „Manche nennen es auch Matschbrötchen.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das Kind nickt zufrieden, als hätte es gerade einen wichtigen Punkt in einer internationalen Verhandlung geklärt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Dann nehme ich ein Klatschbrötchen.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Sehr gut. Fall erledigt. Weltfrieden vorerst wiederhergestellt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und trotzdem bleibt diese Szene bei mir hängen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Denn hinter der Theke sieht man viele kleine Dinge, die größer sind, als sie auf den ersten Blick wirken. Menschen kaufen Brötchen, Kaffee, Kuchen, belegte Schrippen. Aber sie bringen immer auch etwas mit: Gewohnheiten, Erinnerungen, Unsicherheiten, Sätze von früher.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Manche bestellen „wie immer“, obwohl sie seit drei Wochen etwas anderes nehmen wollen, um den lieben Hausfrieden nicht zu gefährden</span><span>. Manche sagen „Moin“ und meinen damit alles von „Guten Tag“ bis „Ich hatte eine anstrengende Woche“. Und manche stehen vor einem Brötchen mit Schaumkuss und merken plötzlich, dass Sprache sich verändert hat, während sie selbst nur kurz Brötchen holen wollten.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ich bin in der DDR aufgewachsen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Für uns war schon ein einzelner Schokokuss etwas Besonderes. Ein kleines Fest. Ein Brötchen drumherum? Das wäre fast übertrieben gewesen. Wenn es einen Schokokuss gab, dann aß man ihn. Möglichst schnell. Möglichst ohne großes Drama. Und wenn mehrere Kinder in der Nähe waren, vielleicht auch ein bisschen heimlich, um keinen Unfrieden zu stiften.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Im Osten klebte man sich eher eine Schlagersüßtafel zwischen zwei Brötchenhälften. Das war praktisch, süß und sättigend. Ich kenne das nur vom Hörensagen. Ein Schokokuss hatte nicht diesen selbstverständlichen Pausenhofstatus, den er für viele im Westen hatte.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Vielleicht sehe ich deswegen in diesem Klatschbrötchen nicht nur ein Stück Kindheit. Ich sehe auch ein kleines Stück Freiheit.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Die Freiheit, Dinge neu zu nennen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Die Freiheit, schöne Erinnerungen zu behalten, ohne verletzende Worte mitzuschleppen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Die Freiheit, zu sagen: Ja, das war früher so. Und nein, wir müssen es nicht genauso weitergeben.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ich glaube, genau darum geht es oft. Nicht darum, jemandem die Kindheit wegzunehmen. Nicht darum, alles zu verbieten, was früher einmal normal war. Sondern darum, hinzuhören. Zu verstehen, dass ein Wort für die eine Person harmlos klingen kann, während es für eine andere nicht harmlos ist.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und ganz ehrlich: Wenn ein Brötchen daran scheitert, dass es einen neuen Namen bekommt, dann war es vielleicht nie besonders stabil gebaut.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Unseres hält das aus.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Es heißt Klatschbrötchen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und der Name passt hervorragend. Denn bei uns wird der Schaumkuss nicht einfach dekorativ zwischen zwei Brötchenhälften gelegt und dann nobel überreicht. Nein. Der eigentliche Zauber passiert erst beim Klatschen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Man nimmt das Brötchen. Man klappt es zusammen. Der Schaum verteilt sich. Die Schokolade knackt. Es wird ein bisschen chaotisch. Ein bisschen klebrig. Ein bisschen herrlich.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Kurz gesagt: Es sieht danach nicht mehr unbedingt elegant aus.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Aber es schmeckt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und vielleicht ist das die schönste Lösung für diesen kleinen Kulturclash an der Theke: Wir diskutieren nicht ewig über das alte Wort. Wir nehmen ein neues. Wir klatschen das Brötchen zusammen. Und dann essen wir es.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Natürlich frage ich vorher.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Immer.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Soll ich für Sie klatschen oder möchten Sie selbst klatschen?“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Diese Frage ist inzwischen einer meiner liebsten Sätze hinter der Theke.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Manche lachen sofort. Manche gucken kurz irritiert. Manche sagen: „Ach, machen Sie mal, Sie können das bestimmt besser.“ Und Kinder wollen natürlich fast immer selbst klatschen. Verständlich. Wann darf man schon mal offiziell Essen plattdrücken?</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Dann steht da ein Kind vor der Theke, nimmt dieses Brötchen entgegen, beißt hinein und hat Schaum an der Nase. Die Mutter lacht. Die Schlange entspannt sich. Der ältere Herr, der eben noch sehr interessiert auf die Mehrkornbrötchen geguckt hat, bestellt plötzlich auch eins.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Aber bitte schon geklatscht.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>So einfach kann es manchmal sein.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ein Brötchen. Ein Schaumkuss. Ein neues Wort. Ein kleines Lächeln.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und irgendwo dazwischen passiert etwas, das größer ist als ein Gebäckstück. Sprache bewegt sich. Menschen bewegen sich mit. Nicht immer elegant. Nicht immer ohne Stolpern. Aber manchmal reicht schon ein Kind, das sagt: „Mama, das sagt man heute nicht mehr.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und eine Bäckerei, die antwortet:</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Stimmt. Bei uns heißt das Klatschbrötchen.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Während draußen die Welt manchmal hitzig diskutiert, machen wir hinter der Theke weiter, was wir am besten können: Brötchen einpacken, Kaffee ausschenken, zuhören, lächeln und ab und zu ein kleines Stück Frieden zusammenklatschen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das Leben kann so einfach sein.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Zumindest für einen Moment.</span></p>
<p><span>Und manchmal reicht dafür ein Brötchen mit Schaumkuss.</span></p>
<p><span>Hat dir diese Geschichte gefallen? In der nächsten Backstory geht es um ein ganz besonderes Gebäck: Das Schweineohr weckt gerade bei den älteren Generationen starke Kindheitserinnerungen. Außerdem ist es in Bäckereien selten geworden. Nachzulesen in <a href="https://multilingual-publishing.de/backstory-5-das-schweineohr-kindheit/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Backstory 5: Das Schweineohr. Kindheit zum Mitnehmen</strong></a>.<strong style="font-size: 18px;"></strong></span></p></div>
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		<title>Backstory 3: Da steht ein Pony vor der Bäckerei.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Yvonne Frank]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 May 2026 19:50:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Backstory]]></category>
		<category><![CDATA[diebackstoryserie]]></category>
		<category><![CDATA[Backstory 3]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten aus der Landbäckerei]]></category>
		<category><![CDATA[Jana]]></category>
		<category><![CDATA[Kristin]]></category>
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		<category><![CDATA[Shetlandponys]]></category>
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<p>Wenn Kundinnen nicht mit Hund, sondern mit Shetlandpony Brötchen kaufen kommen: Backstory #3 erzählt von Jana, Zwergi und einem tierischen Besuch vor der Bäckerei.</p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h1 data-pm-slice="1 1 &#091;&#093;"><span>Da steht ein Pony vor der Bäckerei</span></h1>
<p data-pm-slice="1 1 &#091;&#093;"><span>Wenn Kunden ihr Haustier mitbringen, um Brötchen zu kaufen – und es kein Hund ist </span><span>… dann ist das kein gewöhnlicher Bäckereibesuch, sondern eine tierisch gute Geschichte aus unserer Bäckerei.</span></p>
<p><span>Es war ein Freitag im August.</span></p>
<p><span>Einer dieser Sommertage, an denen die Luft schon am Nachmittag nach warmem Asphalt, Staub, Sonnencreme und Feierabend riecht. Im Laden war es ruhig genug, um kurz durchzuatmen – aber nicht ruhig genug, um damit zu rechnen, dass gleich ein Shetlandpony vor der Bäckerei steht.</span></p>
<p><span>Aber genau so kam es.</span></p>
<p><span>An diesem Freitag kam Jana.</span></p>
<p><span>Und dieses Mal kam sie nicht allein – wie sonst – nach ihrer Arbeit in einem Waldkindergarten. Sie erzählte mir auch nichts vom Pferd – wie so oft, wenn wir uns sehen.</span></p>
<p><span>Nein.</span></p>
<p><span>Sie brachte Kristin mit, eine Freundin.</span></p>
<p><span>Und Zwergi.</span></p>
<p><span>Ihr schwarzes Shetlandpony.</span></p>
<p><span>Denn wer braucht schon ein Auto, wenn man auch stilvoll auf vier Hufen Brötchen holen kann?</span></p>
<p><span>Ganz so war es natürlich nicht.</span></p>
<p><span>Jana kenne ich schon eine ganze Weile.</span></p>
<p><span>Jana ist so ein Mensch, bei dem man nie genau weiß, ob sie gleich nur einen Kaffee bestellt oder nebenbei noch drei Termine, zwei Reitstunden und eine Wetterlage im Kopf sortiert. Sie kommt nicht einfach in die Bäckerei. Sie ist plötzlich da. Meistens mit guter Laune, manchmal mit Pferdehaaren an der Kleidung und fast immer auf dem Sprung zur Koppel.</span></p>
<p><span>Sie ist Erlebnispädagogin und Reitlehrerin – und eine echte Ureinwohnerin unseres Dorfes. Aufgewachsen hinterm Schüberg, zwischen Feldern, Wäldern und dem Duft frischer Brötchen. Natürlich aus unserer Bäckerei.</span></p>
<p><span>Nachmittags ist Jana meistens auf der Koppel – bei ihren Islandpferden, ihren Litrikir hestar.</span></p>
<p><span>Litrikir hestar ist Isländisch und bedeutet „bunte Pferde“. Ein Begriff, der perfekt zu Janas bunter Herde passt.</span></p>
<p><span>Denn Janas Leben ist – im wahrsten Sinne des Wortes – ein Ponyhof.</span></p>
<p><span>Ein bunter Ponyhof.</span></p>
<h2><span>Andere machen Marketing. Bei uns steht ein Pony vor der Tür.</span></h2>
<p><span>Jana war übrigens eine der Ersten, die ich kennenlernte, als ich neu im Laden war.</span></p>
<p><span>Sie war hocherfreut, dass wir nach drei langen Jahren endlich wieder nachmittags geöffnet hatten – nach einer Zeit, in der sie auf eine andere Bäckerei ausweichen musste.</span></p>
<p><span>Ihr wisst schon: die mit dem Podcast, dem Franz-Merch und dem Umweg auf dem Weg zur Pferdekoppel – mehr dazu erzähle ich in <strong><a href="https://multilingual-publishing.de/backstory-2-franzbroetchen/">Backstory #2 über das Franzbrötchen, das erst noch gebacken werden musste</a></strong>.</span></p>
<p><span>Das waren harte Jahre für Jana.</span></p>
<p><span>Aber seit unser Laden wieder nachmittags geöffnet ist, schaut sie regelmäßig vorbei. Und nicht nur das: Sie schickt auch die Eltern der Kinder, die bei ihr Reitunterricht nehmen, zu uns in die Bäckerei.</span></p>
<p><span>Dafür lieben wir sie noch ein bisschen mehr.</span></p>
<p><span>Andere brauchen Kampagnen, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Bei uns reicht manchmal ein schwarzes Shetlandpony vor der Tür. Kein Redaktionsplan. Kein Radiospot. Kein Claim. Nur Zwergi, vor der Bäckerei, als wäre das völlig normal.</span></p>
<p><span>Und vielleicht ist genau das der Punkt.</span></p>
<p><span>Manche Geschichten entstehen nicht, weil man sie plant. Sie stehen plötzlich vor der Tür. Mit Mähne.</span></p>
<h2><span>Jana, Kristin und Zwergi kaufen ein</span></h2>
<p><span>Weil ich meine Stammkunden kenne, weiß ich sofort, womit ich Jana glücklich machen kann:</span></p>
<p><span>Mit einem großen Latte Macchiato zum Mitnehmen – und, ganz wichtig, einem Extraschuss kalter Milch.</span></p>
<p><span>Das ist kein Detail. Das ist Stammkundenwissen.</span></p>
<p><span>Denn in einer Bäckerei geht es irgendwann nicht mehr nur darum, was jemand bestellt. Es geht darum, dass man weiß, wie jemand seinen Kaffee trinkt, welches Brötchen immer geht und wann ein „wie immer?“ völlig ausreicht.</span></p>
<p><span>Doch diesmal war auch Kristin dabei.</span></p>
<p><span>Und Zwergi.</span></p>
<p><span>Es war heiß. Also griffen die beiden im Vorbeigehen in den Kühlschrank: Eine Bio-Limo für Jana und ein isotonisches Getränk für Kristin – in einer Farbe, die perfekt zu ihren lackierten Fingernägeln passte.</span></p>
<p><span>Und die sind wirklich schön.</span></p>
<p><span>Natürlich blieb es nicht bei den Getränken.</span></p>
<p><span>Ein paar belegte Brötchen wanderten noch in die Tüten. Und natürlich ein, zwei Franzbrötchen.</span></p>
<p><span>Man muss ja schließlich bis zum Abend durchhalten.</span></p>
<p><span>Auf der Weide. Mit Kindern auf Pferden. Bei Sommerhitze. Und mit Zwergi im Schlepptau.</span></p>
<p><span>Draußen wartete Zwergi währenddessen erstaunlich geduldig. Ein schwarzes Shetlandpony vor der Bäckerei. Nicht davor geparkt – das klingt zu technisch. Eher: abgestellt wie ein sehr kleines, sehr selbstbewusstes Verkehrsmittel.</span></p>
<p><span>Wer vorbeikam, musste gucken.</span></p>
<p><span>Natürlich musste man gucken.</span></p>
<p><span>Wann steht schon mal ein Pony vor der Bäckerei?</span></p>
<p><span>Kinder schauen anders, wenn ein Pony im Spiel ist. Erwachsene übrigens auch. Nur versuchen Erwachsene meistens so zu tun, als würden sie ganz normal vorbeigehen, während sie innerlich längst denken:</span></p>
<p><span>Ist das gerade wirklich ein Pony?</span></p>
<p><span>Ja.</span></p>
<p><span>War es.</span></p>
<h2><span>Die Sache mit dem Bargeld</span></h2>
<p><span>Als es ans Bezahlen ging, passierte das, was bei Jana immer passiert:</span></p>
<p><span>Ganz lässig zog sie einen dicken Packen Geldscheine aus der Hosentasche.</span></p>
<p><span>Man könnte fast meinen, sie hätte ein lukratives Zweitbusiness als Geldeintreiberin auf dem Kiez.</span></p>
<p><span>Aber nein – Jana gibt Reitunterricht. Und viele Eltern zahlen die Reitstunden eben noch ganz klassisch: bar auf die Hand.</span></p>
<p><span>Kristin und ich können uns jedes Mal ein Grinsen nicht verkneifen. Besonders, wenn Jana dann an manchen Tagen auch noch mit dem dicken Auto ihres Mannes vorfährt.</span></p>
<p><span>Dann ist das Bild komplett.</span></p>
<p><span>Einmal hatte ich einen Kunden im Laden, der mir einen großen Geldschein hinhielt, den ich nicht wechseln konnte. In genau diesem Moment betrat Jana die Bäckerei.</span></p>
<p><span>Ich rief ihr zu:</span></p>
<p><span>„Kannst du mal eben 100 Euro wechseln?“</span></p>
<p><span>Und natürlich konnte Jana.</span></p>
<p><span>Jana kann immer wechseln.</span></p>
<p><span>Zumindest fühlt es sich so an.</span></p>
<p><span>Vielleicht ist sie keine Geldeintreiberin. Aber als mobile Wechselstube wäre sie absolut glaubwürdig.</span></p>
<h2><span>Und Zwergi?</span></h2>
<p><span>Zwergi wartete währenddessen weiter draußen.</span></p>
<p><span>Geduldig.</span></p>
<p><span>Gelassen.</span></p>
<p><span>Ein bisschen so, als hätte er schon viele Dinge gesehen und als würde ihn eine Bäckerei nun wirklich nicht aus der Ruhe bringen.</span></p>
<p><span>Vielleicht war er sogar der professionellste von uns allen.</span></p>
<p><span>Während drinnen Getränke, belegte Brötchen, Franzbrötchen und Geldscheine über die Theke gingen, stand draußen dieses kleine schwarze Pony und machte aus einem ganz normalen Freitagnachmittag eine Geschichte.</span></p>
<p><span>Keine große Inszenierung. Kein Event. Kein „tierischer Aktionstag“ mit Plakat und Anmeldung.</span></p>
<p><span>Nur Jana. Kristin. Zwergi. Und eine Bäckerei, die für ein paar Minuten aussah wie die Kulisse eines sehr norddeutschen Kinderbuchs.</span></p>
<p><span>Und dann kam der Abschied.</span></p>
<p><span>Jana und Kristin machten sich wieder auf den Weg. Die Getränke waren verstaut, das Proviant für später auch, die Franzbrötchen sowieso. Zwergi war bereit.</span></p>
<p><span>Naja.</span></p>
<p><span>Fast.</span></p>
<p><span>Denn Zwergi hinterließ uns zum Schluss noch ein ganz besonderes Abschiedsgeschenk vor der Bäckerei.</span></p>
<p><span>Kein Witz.</span></p>
<p><span>Einen kleinen Haufen.</span></p>
<p><span>Man kann jetzt sagen: Das gehört dazu.</span></p>
<p><span>Man kann auch sagen: Wer mit Pony einkaufen geht, bringt eben nicht nur Gesprächsstoff mit.</span></p>
<p><span>Und so endete dieser Bäckereibesuch nicht mit einem klassischen „Schönen Tag noch“, sondern mit einem Haufen vor der Tür und einer Geschichte, die seitdem immer wieder erzählt werden kann.</span></p>
<p><span>So ist das bei uns:</span></p>
<p><span>Manche kommen mit Hund. Manche mit Kind. Jana kam mit Zwergi.</span></p>
<p><span>Und Zwergi hinterließ nicht nur Eindruck.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Hat dir diese Geschichte gefallen? Dann lies direkt weiter. </span><span style="font-size: 18px;">In <a href="https://multilingual-publishing.de/dont-drop-the-n-word-klatschbroetchen/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Backstory 4 <strong style="font-size: 18px;"></strong></strong></a><strong><a href="https://multilingual-publishing.de/dont-drop-the-n-word-klatschbroetchen/" target="_blank" rel="noopener"><strong style="font-size: 18px;">Don&#8217;t drop the N-Word!</strong> </a><span></span></strong>geht es um Schulhoferinnerungen, ein Schaumkuss-Brötchen und ein altes Wort, das heute nicht mehr an die Theke gehört: </span></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><span>MOIN ❤️ Hier schreibt Yvonne. Ich verbinde Publishing, Sprachen und digitale Barrierefreiheit. In meinem Journal schreibe ich über gute Kommunikation, kluge Strukturen und die kleinen Beobachtungen dazwischen. </span><span>Ich mag meine Arbeit in der Bäckerei, Kundinnen mit Geschichten und Tiere, die vor der Tür warten, als wäre das alles völlig normal. </span><span style="font-size: 16px;">Hauptsache, alle haben Spaß.</span></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner">&copy; 2026 | Yvonne Frank</div>
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		<title>Backstory 2: Das Franzbrötchen, das erst noch gebacken werden musste</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Yvonne Frank]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 May 2026 18:58:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Backstory]]></category>
		<category><![CDATA[diebackstoryserie]]></category>
		<category><![CDATA[backstory 2]]></category>
		<category><![CDATA[Franzbroetchen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten aus der Landbäckerei]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de">multilingual-publishing</a><br />
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<a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de/backstory-2-franzbroetchen/">Backstory 2: Das Franzbrötchen, das erst noch gebacken werden musste</a></p>
<p>Ein kaputtes Türschloss, eine ausgesperrte Frühschicht, ein hilfsbereiter Stammkunde und am Ende gibt es doch noch pünktlich Franzbrötchen. Eine echte Geschichte aus unserer Bäckerei.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de">multilingual-publishing</a><br />
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<a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de/backstory-2-franzbroetchen/">Backstory 2: Das Franzbrötchen, das erst noch gebacken werden musste</a></p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Wenn Einbrecher das Türschloss demolieren, die Frühschicht ausgesperrt bleibt, ein Stammkunde die Situation rettet und es am Ende doch noch pünktlich Franzbrötchen gibt, dann ist das: eine Geschichte aus unserer Bäckerei.</p>
<p><span>Bei uns im Ort gibt es zwei Bäckereien. Die eine ist laut. Die andere backt.</span></p>
<p><span>Die eine macht einfach alles im Marketing, was geht: Podcast, Merch mit lustigen Franz-Sprüchen, Radiospots, in denen die besten Franzbrötchen der Stadt beworben werden. Natürlich kommen die aus genau dieser Bäckerei.</span></p>
<p><span>Ich glaube fast, wenn du dort ein Franzbrötchen kaufst, bekommst du automatisch auch einen Jingle zum Download dazu. Und der Jingle ist im Preis selbstverständlich inbegriffen.</span></p>
<p><span>Das ist schon clever. Wirklich. Ich kann das als Selbstständige sogar bewundern. Da hat jemand verstanden, wie Sichtbarkeit funktioniert: Wiedererkennbarkeit, Humor, Produktstolz, eine klare Botschaft und ein Gebäck, das als Marke funktioniert.</span></p>
<p><span>Franzbrötchen sind dafür natürlich dankbar. Sie haben diesen kleinen Kultstatus. Man kann sie fotografieren, man kann Sprüche darüber machen, man kann daraus Merch bauen. Ein Franzbrötchen ist nicht einfach nur ein Teilchen. Es ist ein norddeutsches Statement mit Zimt.</span></p>
<p><span>Aber manchmal frage ich mich auch: Was bleibt eigentlich übrig, wenn man den ganzen Jingle, die Sprüche und die Kampagne wegnimmt?</span></p>
<p><span>Bei uns bleibt dann: der Ofen.</span></p>
<p><span>Und der muss morgens laufen.</span></p>
<p><span>Ich arbeite in der anderen Bäckerei.</span></p>
<p><span>In der, die drei Jahre lang nachmittags geschlossen hatte – aus Personalmangel. So lange, dass viele gar nicht mitbekommen haben, dass wir seit über einem Jahr wieder bis 18 Uhr geöffnet haben.</span></p>
<p><span>Hier gibt es keinen großen Werbeapparat. Hier wird gebacken. Und manchmal passieren dabei Geschichten, die sich kein Marketingteam besser ausdenken könnte.</span></p>
<h2><span>Der Montagmorgen, an dem nichts ging</span></h2>
<p><span>An einem Montagmorgen stand unsere Frühschicht um 4:58 Uhr vor der verschlossenen Tür.</span></p>
<p><span>Und nichts ging.</span></p>
<p><span>In der Nacht hatte jemand versucht, bei uns einzubrechen. Das Türschloss war kaputt. Der Schlüssel passte nicht mehr. Die Polizei kam zwar – aber Türen öffnen dürfen sie nicht.</span></p>
<p><span>Unsere Frühschicht stand also draußen.</span></p>
<p><span>Bereit zum Backen. Aber leider ausgesperrt.</span></p>
<p><span>Und dann kam ein Stammkunde.</span></p>
<p><span>Jemand, der helfen konnte, weil er das passende Werkzeug zu Hause hatte. Zum Glück. Denn was danach passierte, war das Wichtigste:</span></p>
<p><span>Es wurde gebacken.</span></p>
<h2><span>Ohne Franz geht hier keiner zur Arbeit</span></h2>
<p><span>Brötchen in allen möglichen Varianten, duftende Croissants – und natürlich Franzbrötchen.</span></p>
<p><span>Für viele hier im Norden ist ein Franzbrötchen mehr als Frühstück. Eher Grundversorgung.</span></p>
<p><span>Unsere Bäckerei hat keinen Podcast, keinen Werbespot und wir verkaufen auch keinen Franz-Merch.</span></p>
<p><span>Keine Jutebeutel mit „Friede, Freude, Franz“-Sprüchen. Keine Franz-Tennissocken. Keine Hoodies. Und auch keine Strampler.</span></p>
<p><span>Andere machen im Radio Werbung für ihre Franzbrötchen.</span></p>
<p><span>Wir backen einfach welche. Und zwar richtig gute.</span></p>
<p><span>Das ist vielleicht weniger laut. Es ist auch nicht besonders skalierbar, wie man im Marketing sagen würde. Keine Funnel-Strategie, kein Leadmagnet, kein Franzbrötchen-Newsletter mit fünfteiliger Willkommenssequenz.</span></p>
<p><span>Aber es ist echt.</span></p>
<p><span>Und vielleicht ist genau das der Punkt: Nicht jede gute Geschichte entsteht, weil jemand sie geplant hat. Manche entstehen, weil morgens um fünf das Schloss kaputt ist, die Frühschicht draußen steht und ein Stammkunde zufällig das richtige Werkzeug zu Hause hat.</span></p>
<p><span>Unsere Franzbrötchen haben Seele, Zimt und sind ein bisschen sabschig. Das Wort verstehen Leute im Raum Hamburg sofort. Und alle anderen spätestens nach dem ersten Biss: weich, zimtig, klebrig, saftig – genau richtig.</span></p>
<p><span>So muss das.</span></p>
<p><span>Denn ohne Franz geht bei uns im echten Norden keiner zur Arbeit. Manchmal auch mit Streuseln oder Schokolade, aber am liebsten ganz klassisch.</span></p>
<p><span>Vielleicht sollten wir doch mal einen Podcast starten:</span></p>
<p><strong><span>„True Crime in der Backstube“</span></strong></p>
<p><strong>Folge 1: Das Franzbrötchen, das erst noch gebacken werden musste.</strong></p>
<h2><span>Und was hat dieser Franz damit zu tun? Oder war er es überhaupt?</span></h2>
<p><span>War Franz der Mann, der morgens in der Backstube stand und dachte: „Heute mache ich mal etwas mit Zimt, Butter und maximaler Klebrigkeit“?</span></p>
<p><span>Wahrscheinlich nicht.</span></p>
<p><span>Zumindest nicht so einfach.</span></p>
<p><span>Die Herkunft des Franzbrötchens ist nämlich nicht eindeutig belegt. Eine Geschichte führt in die Hamburger Franzosenzeit Anfang des 19. Jahrhunderts. Damals sollen Hamburger Bäcker Brot nach französischer Art gebacken haben: Franzbrot oder Franschbroot. Daraus könnte später das Franzbrötchen geworden sein.</span></p>
<p><span>Eine andere Spur führt nach Altona. Dort gab es einen „Franzschen“ beziehungsweise französischen Bäcker, der mit der Entstehung des Franzbrötchens in Verbindung gebracht wird.</span></p>
<p><span>Sicher ist also nur: Es war wahrscheinlich weniger ein einzelner Franz mit genialer Zimt-Idee – und mehr eine sehr norddeutsche Mischung aus französischem Einfluss, Hamburger Backstuben, Butter, Zucker und der Fähigkeit, aus allem etwas Eigenes zu machen.</span></p>
<p><span>Und ganz ehrlich: Das passt doch.</span></p>
<p><span>Aus einem französisch inspirierten Brot wird in Hamburg ein zimtiges, sabschiges Franzbrötchen.</span></p>
<p><span>Mehr norddeutsch kann kulturelle Aneignung von Gebäck kaum werden.</span></p>
<p><span>Und deshalb wird es auch emotional, sobald Norddeutsche südlich der Elbe wohnen müssen.</span></p>
<p><span>In Süddeutschland gibt es Laugengebäck an jeder Ecke. Brezeln, Laugenstangen, Laugenzöpfe und wahrscheinlich auch Laugen-USB-Sticks, wenn man lange genug sucht.</span></p>
<p><span>Aber frag mal jemanden aus dem Norden, der in Bayern oder Baden-Württemberg im Exil lebt, nach Franzbrötchen.</span></p>
<p><span>Dann kommt dieser Blick.</span></p>
<p><span>Dieser Blick, der sagt: „Hier gibt es alles. Berge, Seen, schöne Altstädte. Aber kein ordentliches Franzbrötchen.“</span></p>
<p><span>Und wenn du dann noch nach Hanseaten fragst, wird es ganz traurig.</span></p>
<p><span>Hanseaten sind ja auch so ein norddeutsches Gebäck, das man erst vermisst, wenn es plötzlich nicht mehr selbstverständlich in der Auslage liegt. Zwei Mürbeteigscheiben, Marmelade dazwischen, rot-weiße Glasur oben drauf. Einfach. Schön. Norddeutsch. Und erstaunlich schwer zu bekommen, sobald man zu weit nach Süden fährt.</span></p>
<p><span>Vielleicht ist das der Grund, warum Franzbrötchen so beliebt sind: Sie schmecken nicht nur nach Zimt und Zucker. Sie schmecken nach Zuhause. Nach Bäckertüte. Nach Schultagen. Nach Bahnhof morgens um halb acht. Nach „Ich nehme noch schnell eins mit“.</span></p>
<p><span>Und manchmal eben auch nach einem Montagmorgen, an dem sie fast nicht rechtzeitig in den Ofen gekommen wären. </span></p>
<p><span>Hat dir die Geschichte gefallen? Hier geht&#8217;s zur nächsten tierisch guten Geschichte: <a href="https://multilingual-publishing.de/backstory-3-pony-vor-der-backerei/" title="Backstory #3: Da steht ein Pony vor der Bäckerei"><strong>Backstory 3: Da steht ein Pony vor der Bäckerei</strong></a>.</span></p>
<p><span></span></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>MOIN ❤️ Hier schreibt Yvonne. Ich verbinde Publishing, Sprachen und digitale Barrierefreiheit. In meinem Journal schreibe ich über gute Kommunikation, kluge Strukturen – und dazwischen gibt es die eine oder andere Backstory aus unserer kleinen, feinen Landbäckerei. Achja, und ich mag Franzbrötchen, die auch beim zweiten Biss nicht gleich auseinanderfallen. Hauptsache schön sabschig.</p></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Backstory 1: Es gibt sie. Die Sonne in der Spätschicht.</title>
		<link>https://multilingual-publishing.de/backstory-1-es-gibt-sie-die-sonne-in-der-spaetschicht/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Yvonne Frank]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 May 2026 12:44:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Backstory]]></category>
		<category><![CDATA[diebackstoryserie]]></category>
		<category><![CDATA[backstory 1]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten aus der Landbäckerei]]></category>
		<category><![CDATA[guenther]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de">multilingual-publishing</a><br />
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<a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de/backstory-1-es-gibt-sie-die-sonne-in-der-spaetschicht/">Backstory 1: Es gibt sie. Die Sonne in der Spätschicht.</a></p>
<p>Manchmal fühlt sich ein Neuanfang zuerst wie ein Rückschritt an. Bis man merkt, dass man dabei nicht zurückgeht, sondern näher bei sich selbst ankommt.</p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de/backstory-1-es-gibt-sie-die-sonne-in-der-spaetschicht/">Backstory 1: Es gibt sie. Die Sonne in der Spätschicht.</a> first appeared on <a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de">multilingual-publishing</a> and is written by <a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de/author/yvonnefrank/">Yvonne Frank</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de">multilingual-publishing</a><br />
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				<div class="et_pb_text_inner" data-et-multi-view="{&quot;schema&quot;:{&quot;content&quot;:{&quot;desktop&quot;:&quot;&lt;h1 data-start=\&quot;61\&quot; data-end=\&quot;528\&quot;&gt;Es gibt sie. Die Sonne in der Sp\u00e4tschicht.&lt;\/h1&gt;\n&lt;p data-start=\&quot;61\&quot; data-end=\&quot;528\&quot;&gt;Es war Anfang 2024, als ich zu meinem Freund sagte: \u201eWenn das so weitergeht und die Auftr\u00e4ge ausbleiben, dann fange ich beim B\u00e4cker an.\u201c Ich hatte nicht wirklich vor, diesen Satz wahr zu machen. Es war eher einer dieser S\u00e4tze, die man ausspricht, wenn man sp\u00fcrt, dass sich etwas verschiebt, aber noch nicht bereit ist, es wirklich anzusehen. Zwei Monate sp\u00e4ter stand ich tats\u00e4chlich hinter der Theke einer Landb\u00e4ckerei. Mit Sch\u00fcrze. Mit Namensschild. Mit Sp\u00e4tschicht.&lt;\/p&gt;\n&lt;p data-start=\&quot;530\&quot; data-end=\&quot;1164\&quot;&gt;Was ich damals noch nicht wusste: Nicht nur beruflich hatte sich etwas ver\u00e4ndert. Auch in meiner Beziehung war l\u00e4ngst etwas in Bewegung geraten. Zwei Monate nach meinem kleinen Karrierewechsel hatte ich nicht nur einen neuen Job, sondern auch einen Exfreund. Es war schmerzhaft. Aber auch befreiend. Da stand ich also, mit einem frisch gebackenen Croissant in der Hand, und dachte: Manchmal muss erst etwas zerbrechen, damit etwas Neues entstehen kann. Der Job in der Landb\u00e4ckerei war deshalb nie nur ein Job. Er wurde zu einem Wendepunkt. Zum Ende einer Beziehung. Und zum Anfang von etwas, das ich damals noch nicht benennen konnte.&lt;\/p&gt;\n&lt;p data-start=\&quot;1166\&quot; data-end=\&quot;1863\&quot;&gt;Am Anfang f\u00fchlte es sich trotzdem wie ein R\u00fcckschritt an. Von internationalen Publishing-Projekten in vielen Sprachen zu Br\u00f6tchent\u00fcten, Kuchenst\u00fccken und Kaffeemaschine. Von komplexen Layouts zu belegten Br\u00f6tchen. Von Kundenterminen zu \u201eDarf es sonst noch etwas sein?\u201c Jahrelang war ich gut gebucht gewesen, spezialisiert auf Fremdsprachensatz, Layout und Publishing-Projekte in rund 50 Sprachen. Dann kamen KI-Tools, Automatisierungen, gestrichene Budgets und pl\u00f6tzlich weniger Projekte. Nicht langsam, nicht sanft, sondern eher so, als h\u00e4tte jemand \u00fcber Nacht das Licht gedimmt. F\u00fcr Soloselbstst\u00e4ndige f\u00fchlt sich so etwas nicht nach abstrakter Marktver\u00e4nderung an. Es f\u00fchlt sich existenziell an.&lt;\/p&gt;\n&lt;p data-start=\&quot;1865\&quot; data-end=\&quot;2416\&quot;&gt;Also tat ich etwas, das ich vorher nur halb trotzig ausgesprochen hatte: Ich nahm einen Job in einer Landb\u00e4ckerei an. Zwanzig Stunden pro Woche, Sp\u00e4tschicht, f\u00fcnf Minuten mit dem Auto von zu Hause entfernt. Und irgendwann merkte ich, dass es sich nicht falsch anf\u00fchlte. Ich verkaufte Brot, Kuchen und Kaffee, aber eigentlich ging viel mehr \u00fcber die Theke: Gespr\u00e4che, W\u00e4rme, Gewohnheiten, kleine Gesten. Manchmal auch Sorgen, die jemand nicht direkt aussprach, die aber trotzdem zwischen \u201ezwei Mohnbr\u00f6tchen bitte\u201c und \u201enoch ein St\u00fcck K\u00e4sekuchen\u201c lagen.&lt;\/p&gt;\n&lt;p data-start=\&quot;2418\&quot; data-end=\&quot;2842\&quot;&gt;Ich lernte Menschen kennen, die jeden Tag kamen. Menschen, die genau wussten, welche Br\u00f6tchen sie wollten. Menschen, die nur nickten und sagten: \u201eWie immer.\u201c Menschen, die sich freuten, wenn man sich an sie erinnerte. Und ich merkte, wie viel W\u00fcrde in solchen kleinen Momenten steckt. Nicht jeder Mensch braucht eine gro\u00dfe B\u00fchne. Manche brauchen einfach jemanden, der fragt: \u201eWie geht\u2019s Ihnen heute?\u201c Und die Antwort wirklich h\u00f6ren will.&lt;\/p&gt;\n&lt;p data-start=\&quot;2844\&quot; data-end=\&quot;3464\&quot;&gt;Einer dieser Menschen ist G\u00fcnther. Nach seiner Herz-OP k\u00e4mpft er manchmal mit dem Erinnern. Aber er wei\u00df, wie ich hei\u00dfe. Er wei\u00df, wann ich frei habe. Und er hat mir ein Wort beigebracht, das ich lange nicht in meinen Kopf bekam: UKW-Drehfunkfeuer. Ein herrlich sperriges Wort. So ein Wort, das klingt, als h\u00e4tte es sich mit Absicht quer in die deutsche Sprache gelegt. Lange konnte ich es mir nicht merken. Dann kam G\u00fcnther wieder in die B\u00e4ckerei, sah mich an und fragte: \u201eNa, Yvonne, wie hei\u00dft das Wort noch mal?\u201c Und diesmal hatte ich es parat. UKW-Drehfunkfeuer. Er strahlte. Ich auch. Und obendrein schien die Sonne.&lt;\/p&gt;\n&lt;p data-start=\&quot;3466\&quot; data-end=\&quot;4001\&quot;&gt;Vielleicht war es genau dieser Moment, in dem ich verstanden habe: In dieser B\u00e4ckerei ging es f\u00fcr mich nie nur ums Verkaufen. Es ging ums Erinnern. Ums Wiedererkennen. Ums Ernstnehmen. Um Sprache. Um Zugang. Ein Wort kann Zugang sein. Ein Name kann Zugang sein. Ein freundlicher Blick kann Zugang sein. Und manchmal beginnt Barrierefreiheit nicht erst im PDF, im Tagbaum oder in einer technischen Pr\u00fcfung. Manchmal beginnt sie dort, wo ein Mensch merkt: Ich werde gesehen. Ich komme vor. Ich muss mich nicht erkl\u00e4ren, um dazuzugeh\u00f6ren.&lt;\/p&gt;\n&lt;p data-start=\&quot;4003\&quot; data-end=\&quot;4560\&quot;&gt;Heute arbeite ich wieder viel an Publikationen, aber anders als fr\u00fcher. Ich setze nicht nur Layouts um. Ich denke st\u00e4rker dar\u00fcber nach, wie Inhalte verstanden werden, wie Dokumente aufgebaut sein m\u00fcssen, damit Menschen sie lesen, navigieren und nutzen k\u00f6nnen, und wie Sprache, Struktur und Gestaltung zusammenarbeiten m\u00fcssen, damit aus einer Datei wirklich ein zug\u00e4ngliches Dokument wird. Digitale Barrierefreiheit klingt oft technisch. Nach Regeln, Pr\u00fcfungen, Standards und Software. Das ist sie auch. Aber sie ist nicht nur das. Sie ist auch eine Haltung.&lt;\/p&gt;\n&lt;p data-start=\&quot;4562\&quot; data-end=\&quot;5144\&quot;&gt;Vielleicht hat mir ausgerechnet die Sp\u00e4tschicht in der Landb\u00e4ckerei noch einmal gezeigt, warum mir diese Fragen so wichtig sind. Weil Verst\u00e4ndlichkeit nicht abstrakt ist. Weil Zugang nicht abstrakt ist. Weil Menschen nicht abstrakt sind. Manchmal steht ein Mensch vor dir und m\u00f6chte einfach sein Brot. Manchmal m\u00f6chte er ein Gespr\u00e4ch. Manchmal m\u00f6chte er testen, ob du dir ein unm\u00f6gliches Wort gemerkt hast. Und manchmal h\u00e4lt dir das Leben dabei ein frisch gebackenes Croissant hin und sagt: Schau noch mal hin. Vielleicht ist das hier kein R\u00fcckschritt. Vielleicht ist es ein Anfang.&lt;\/p&gt;\n&lt;p data-start=\&quot;5146\&quot; data-end=\&quot;5561\&quot; data-is-last-node=\&quot;\&quot; data-is-only-node=\&quot;\&quot;&gt;Der Job in der Landb\u00e4ckerei hat nicht alles gel\u00f6st. Aber er hat etwas ge\u00f6ffnet. Er hat mir gezeigt, dass ein Neuanfang nicht immer gro\u00df aussehen muss. Manchmal tr\u00e4gt er eine Sch\u00fcrze. Manchmal riecht er nach Kaffee. Manchmal beginnt er in der Sp\u00e4tschicht, wenn drau\u00dfen die Sonne durch die Scheibe f\u00e4llt und ein Stammkunde fragt, ob du sein Lieblingswort noch wei\u00dft. Und ja: Es gibt sie. Die Sonne in der Sp\u00e4tschicht.&lt;\/p&gt;\n&lt;p data-start=\&quot;5146\&quot; data-end=\&quot;5561\&quot; data-is-last-node=\&quot;\&quot; data-is-only-node=\&quot;\&quot;&gt;Lust auf die n\u00e4chste Geschichte aus der Landb\u00e4ckerei? Dann lies weiter: &lt;strong&gt;&lt;a href=\&quot;https:\/\/multilingual-publishing.de\/backstory-2-franzbroetchen\/\&quot;&gt;Backstory 2: Das Franzbr\u00f6tchen, das erst noch gebacken werden musste&lt;\/a&gt;&lt;\/strong&gt;.&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;p1\&quot;&gt;&lt;span style=\&quot;color: #008080;\&quot;&gt;&lt;strong&gt;&lt;span class=\&quot;s1\&quot;&gt;#Backstory &lt;\/span&gt;#unterhaltenmitgutengeschichten&lt;\/strong&gt;&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;&quot;,&quot;tablet&quot;:&quot;&lt;h1 data-start=\&quot;61\&quot; data-end=\&quot;528\&quot;&gt;Es gibt sie. Die Sonne in der Sp\u00e4tschicht.&lt;\/h1&gt;\n&lt;p data-start=\&quot;61\&quot; data-end=\&quot;528\&quot;&gt;Es war Anfang 2024, als ich zu meinem Freund sagte: \u201eWenn das so weitergeht und die Auftr\u00e4ge ausbleiben, dann fange ich beim B\u00e4cker an.\u201c Ich hatte nicht wirklich vor, diesen Satz wahr zu machen. Es war eher einer dieser S\u00e4tze, die man ausspricht, wenn man sp\u00fcrt, dass sich etwas verschiebt, aber noch nicht bereit ist, es wirklich anzusehen. Zwei Monate sp\u00e4ter stand ich tats\u00e4chlich hinter der Theke einer Landb\u00e4ckerei. Mit Sch\u00fcrze. Mit Namensschild. Mit Sp\u00e4tschicht.&lt;\/p&gt;\n&lt;p data-start=\&quot;530\&quot; data-end=\&quot;1164\&quot;&gt;Was ich damals noch nicht wusste: Nicht nur beruflich hatte sich etwas ver\u00e4ndert. Auch in meiner Beziehung war l\u00e4ngst etwas in Bewegung geraten. Zwei Monate nach meinem kleinen Karrierewechsel hatte ich nicht nur einen neuen Job, sondern auch einen Exfreund. Es war schmerzhaft. Aber auch befreiend. Da stand ich also, mit einem frisch gebackenen Croissant in der Hand, und dachte: Manchmal muss erst etwas zerbrechen, damit etwas Neues entstehen kann. Der Job in der Landb\u00e4ckerei war deshalb nie nur ein Job. Er wurde zu einem Wendepunkt. Zum Ende einer Beziehung. Und zum Anfang von etwas, das ich damals noch nicht benennen konnte.&lt;\/p&gt;\n&lt;p data-start=\&quot;1166\&quot; data-end=\&quot;1863\&quot;&gt;Am Anfang f\u00fchlte es sich trotzdem wie ein R\u00fcckschritt an. Von internationalen Publishing-Projekten in vielen Sprachen zu Br\u00f6tchent\u00fcten, Kuchenst\u00fccken und Kaffeemaschine. Von komplexen Layouts zu belegten Br\u00f6tchen. Von Kundenterminen zu \u201eDarf es sonst noch etwas sein?\u201c Jahrelang war ich gut gebucht gewesen, spezialisiert auf Fremdsprachensatz, Layout und Publishing-Projekte in rund 50 Sprachen. Dann kamen KI-Tools, Automatisierungen, gestrichene Budgets und pl\u00f6tzlich weniger Projekte. Nicht langsam, nicht sanft, sondern eher so, als h\u00e4tte jemand \u00fcber Nacht das Licht gedimmt. F\u00fcr Soloselbstst\u00e4ndige f\u00fchlt sich so etwas nicht nach abstrakter Marktver\u00e4nderung an. Es f\u00fchlt sich existenziell an.&lt;\/p&gt;\n&lt;p data-start=\&quot;1865\&quot; data-end=\&quot;2416\&quot;&gt;Also tat ich etwas, das ich vorher nur halb trotzig ausgesprochen hatte: Ich nahm einen Job in einer Landb\u00e4ckerei an. Zwanzig Stunden pro Woche, Sp\u00e4tschicht, f\u00fcnf Minuten mit dem Auto von zu Hause entfernt. Und irgendwann merkte ich, dass es sich nicht falsch anf\u00fchlte. Ich verkaufte Brot, Kuchen und Kaffee, aber eigentlich ging viel mehr \u00fcber die Theke: Gespr\u00e4che, W\u00e4rme, Gewohnheiten, kleine Gesten. Manchmal auch Sorgen, die jemand nicht direkt aussprach, die aber trotzdem zwischen \u201ezwei Mohnbr\u00f6tchen bitte\u201c und \u201enoch ein St\u00fcck K\u00e4sekuchen\u201c lagen.&lt;\/p&gt;\n&lt;p data-start=\&quot;2418\&quot; data-end=\&quot;2842\&quot;&gt;Ich lernte Menschen kennen, die jeden Tag kamen. Menschen, die genau wussten, welche Br\u00f6tchen sie wollten. Menschen, die nur nickten und sagten: \u201eWie immer.\u201c Menschen, die sich freuten, wenn man sich an sie erinnerte. Und ich merkte, wie viel W\u00fcrde in solchen kleinen Momenten steckt. Nicht jeder Mensch braucht eine gro\u00dfe B\u00fchne. Manche brauchen einfach jemanden, der fragt: \u201eWie geht\u2019s Ihnen heute?\u201c Und die Antwort wirklich h\u00f6ren will.&lt;\/p&gt;\n&lt;p data-start=\&quot;2844\&quot; data-end=\&quot;3464\&quot;&gt;Einer dieser Menschen ist G\u00fcnther. Nach seiner Herz-OP k\u00e4mpft er manchmal mit dem Erinnern. Aber er wei\u00df, wie ich hei\u00dfe. Er wei\u00df, wann ich frei habe. Und er hat mir ein Wort beigebracht, das ich lange nicht in meinen Kopf bekam: UKW-Drehfunkfeuer. Ein herrlich sperriges Wort. So ein Wort, das klingt, als h\u00e4tte es sich mit Absicht quer in die deutsche Sprache gelegt. Lange konnte ich es mir nicht merken. Dann kam G\u00fcnther wieder in die B\u00e4ckerei, sah mich an und fragte: \u201eNa, Yvonne, wie hei\u00dft das Wort noch mal?\u201c Und diesmal hatte ich es parat. UKW-Drehfunkfeuer. Er strahlte. Ich auch. Und obendrein schien die Sonne.&lt;\/p&gt;\n&lt;p data-start=\&quot;3466\&quot; data-end=\&quot;4001\&quot;&gt;Vielleicht war es genau dieser Moment, in dem ich verstanden habe: In dieser B\u00e4ckerei ging es f\u00fcr mich nie nur ums Verkaufen. Es ging ums Erinnern. Ums Wiedererkennen. Ums Ernstnehmen. Um Sprache. Um Zugang. Ein Wort kann Zugang sein. Ein Name kann Zugang sein. Ein freundlicher Blick kann Zugang sein. Und manchmal beginnt Barrierefreiheit nicht erst im PDF, im Tagbaum oder in einer technischen Pr\u00fcfung. Manchmal beginnt sie dort, wo ein Mensch merkt: Ich werde gesehen. Ich komme vor. Ich muss mich nicht erkl\u00e4ren, um dazuzugeh\u00f6ren.&lt;\/p&gt;\n&lt;p data-start=\&quot;4003\&quot; data-end=\&quot;4560\&quot;&gt;Heute arbeite ich wieder viel an Publikationen, aber anders als fr\u00fcher. Ich setze nicht nur Layouts um. Ich denke st\u00e4rker dar\u00fcber nach, wie Inhalte verstanden werden, wie Dokumente aufgebaut sein m\u00fcssen, damit Menschen sie lesen, navigieren und nutzen k\u00f6nnen, und wie Sprache, Struktur und Gestaltung zusammenarbeiten m\u00fcssen, damit aus einer Datei wirklich ein zug\u00e4ngliches Dokument wird. Digitale Barrierefreiheit klingt oft technisch. Nach Regeln, Pr\u00fcfungen, Standards und Software. Das ist sie auch. Aber sie ist nicht nur das. Sie ist auch eine Haltung.&lt;\/p&gt;\n&lt;p data-start=\&quot;4562\&quot; data-end=\&quot;5144\&quot;&gt;Vielleicht hat mir ausgerechnet die Sp\u00e4tschicht in der Landb\u00e4ckerei noch einmal gezeigt, warum mir diese Fragen so wichtig sind. Weil Verst\u00e4ndlichkeit nicht abstrakt ist. Weil Zugang nicht abstrakt ist. Weil Menschen nicht abstrakt sind. Manchmal steht ein Mensch vor dir und m\u00f6chte einfach sein Brot. Manchmal m\u00f6chte er ein Gespr\u00e4ch. Manchmal m\u00f6chte er testen, ob du dir ein unm\u00f6gliches Wort gemerkt hast. Und manchmal h\u00e4lt dir das Leben dabei ein frisch gebackenes Croissant hin und sagt: Schau noch mal hin. Vielleicht ist das hier kein R\u00fcckschritt. Vielleicht ist es ein Anfang.&lt;\/p&gt;\n&lt;p data-start=\&quot;5146\&quot; data-end=\&quot;5561\&quot; data-is-last-node=\&quot;\&quot; data-is-only-node=\&quot;\&quot;&gt;Der Job in der Landb\u00e4ckerei hat nicht alles gel\u00f6st. Aber er hat etwas ge\u00f6ffnet. Er hat mir gezeigt, dass ein Neuanfang nicht immer gro\u00df aussehen muss. Manchmal tr\u00e4gt er eine Sch\u00fcrze. Manchmal riecht er nach Kaffee. Manchmal beginnt er in der Sp\u00e4tschicht, wenn drau\u00dfen die Sonne durch die Scheibe f\u00e4llt und ein Stammkunde fragt, ob du sein Lieblingswort noch wei\u00dft. Und ja: Es gibt sie. Die Sonne in der Sp\u00e4tschicht.&lt;\/p&gt;\n&lt;p data-start=\&quot;5146\&quot; data-end=\&quot;5561\&quot; data-is-last-node=\&quot;\&quot; data-is-only-node=\&quot;\&quot;&gt;Lust auf die n\u00e4chste Geschichte aus der Landb\u00e4ckerei? Dann lies weiter: &lt;strong&gt;&lt;a href=\&quot;https:\/\/multilingual-publishing.de\/backstory-2-franzbroetchen\/\&quot;&gt;Backstory #2: Das Franzbr\u00f6tchen, das erst noch gebacken werden musste&lt;\/a&gt;&lt;\/strong&gt;.&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;p1\&quot;&gt;&lt;span style=\&quot;color: #008080;\&quot;&gt;&lt;strong&gt;&lt;span class=\&quot;s1\&quot;&gt;#Backstory &lt;\/span&gt;#unterhaltenmitgutengeschichten&lt;\/strong&gt;&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;&quot;}},&quot;slug&quot;:&quot;et_pb_text&quot;}" data-et-multi-view-load-tablet-hidden="true"><h1 data-start="61" data-end="528">Es gibt sie. Die Sonne in der Spätschicht.</h1>
<p data-start="61" data-end="528">Es war Anfang 2024, als ich zu meinem Freund sagte: „Wenn das so weitergeht und die Aufträge ausbleiben, dann fange ich beim Bäcker an.“ Ich hatte nicht wirklich vor, diesen Satz wahr zu machen. Es war eher einer dieser Sätze, die man ausspricht, wenn man spürt, dass sich etwas verschiebt, aber noch nicht bereit ist, es wirklich anzusehen. Zwei Monate später stand ich tatsächlich hinter der Theke einer Landbäckerei. Mit Schürze. Mit Namensschild. Mit Spätschicht.</p>
<p data-start="530" data-end="1164">Was ich damals noch nicht wusste: Nicht nur beruflich hatte sich etwas verändert. Auch in meiner Beziehung war längst etwas in Bewegung geraten. Zwei Monate nach meinem kleinen Karrierewechsel hatte ich nicht nur einen neuen Job, sondern auch einen Exfreund. Es war schmerzhaft. Aber auch befreiend. Da stand ich also, mit einem frisch gebackenen Croissant in der Hand, und dachte: Manchmal muss erst etwas zerbrechen, damit etwas Neues entstehen kann. Der Job in der Landbäckerei war deshalb nie nur ein Job. Er wurde zu einem Wendepunkt. Zum Ende einer Beziehung. Und zum Anfang von etwas, das ich damals noch nicht benennen konnte.</p>
<p data-start="1166" data-end="1863">Am Anfang fühlte es sich trotzdem wie ein Rückschritt an. Von internationalen Publishing-Projekten in vielen Sprachen zu Brötchentüten, Kuchenstücken und Kaffeemaschine. Von komplexen Layouts zu belegten Brötchen. Von Kundenterminen zu „Darf es sonst noch etwas sein?“ Jahrelang war ich gut gebucht gewesen, spezialisiert auf Fremdsprachensatz, Layout und Publishing-Projekte in rund 50 Sprachen. Dann kamen KI-Tools, Automatisierungen, gestrichene Budgets und plötzlich weniger Projekte. Nicht langsam, nicht sanft, sondern eher so, als hätte jemand über Nacht das Licht gedimmt. Für Soloselbstständige fühlt sich so etwas nicht nach abstrakter Marktveränderung an. Es fühlt sich existenziell an.</p>
<p data-start="1865" data-end="2416">Also tat ich etwas, das ich vorher nur halb trotzig ausgesprochen hatte: Ich nahm einen Job in einer Landbäckerei an. Zwanzig Stunden pro Woche, Spätschicht, fünf Minuten mit dem Auto von zu Hause entfernt. Und irgendwann merkte ich, dass es sich nicht falsch anfühlte. Ich verkaufte Brot, Kuchen und Kaffee, aber eigentlich ging viel mehr über die Theke: Gespräche, Wärme, Gewohnheiten, kleine Gesten. Manchmal auch Sorgen, die jemand nicht direkt aussprach, die aber trotzdem zwischen „zwei Mohnbrötchen bitte“ und „noch ein Stück Käsekuchen“ lagen.</p>
<p data-start="2418" data-end="2842">Ich lernte Menschen kennen, die jeden Tag kamen. Menschen, die genau wussten, welche Brötchen sie wollten. Menschen, die nur nickten und sagten: „Wie immer.“ Menschen, die sich freuten, wenn man sich an sie erinnerte. Und ich merkte, wie viel Würde in solchen kleinen Momenten steckt. Nicht jeder Mensch braucht eine große Bühne. Manche brauchen einfach jemanden, der fragt: „Wie geht’s Ihnen heute?“ Und die Antwort wirklich hören will.</p>
<p data-start="2844" data-end="3464">Einer dieser Menschen ist Günther. Nach seiner Herz-OP kämpft er manchmal mit dem Erinnern. Aber er weiß, wie ich heiße. Er weiß, wann ich frei habe. Und er hat mir ein Wort beigebracht, das ich lange nicht in meinen Kopf bekam: UKW-Drehfunkfeuer. Ein herrlich sperriges Wort. So ein Wort, das klingt, als hätte es sich mit Absicht quer in die deutsche Sprache gelegt. Lange konnte ich es mir nicht merken. Dann kam Günther wieder in die Bäckerei, sah mich an und fragte: „Na, Yvonne, wie heißt das Wort noch mal?“ Und diesmal hatte ich es parat. UKW-Drehfunkfeuer. Er strahlte. Ich auch. Und obendrein schien die Sonne.</p>
<p data-start="3466" data-end="4001">Vielleicht war es genau dieser Moment, in dem ich verstanden habe: In dieser Bäckerei ging es für mich nie nur ums Verkaufen. Es ging ums Erinnern. Ums Wiedererkennen. Ums Ernstnehmen. Um Sprache. Um Zugang. Ein Wort kann Zugang sein. Ein Name kann Zugang sein. Ein freundlicher Blick kann Zugang sein. Und manchmal beginnt Barrierefreiheit nicht erst im PDF, im Tagbaum oder in einer technischen Prüfung. Manchmal beginnt sie dort, wo ein Mensch merkt: Ich werde gesehen. Ich komme vor. Ich muss mich nicht erklären, um dazuzugehören.</p>
<p data-start="4003" data-end="4560">Heute arbeite ich wieder viel an Publikationen, aber anders als früher. Ich setze nicht nur Layouts um. Ich denke stärker darüber nach, wie Inhalte verstanden werden, wie Dokumente aufgebaut sein müssen, damit Menschen sie lesen, navigieren und nutzen können, und wie Sprache, Struktur und Gestaltung zusammenarbeiten müssen, damit aus einer Datei wirklich ein zugängliches Dokument wird. Digitale Barrierefreiheit klingt oft technisch. Nach Regeln, Prüfungen, Standards und Software. Das ist sie auch. Aber sie ist nicht nur das. Sie ist auch eine Haltung.</p>
<p data-start="4562" data-end="5144">Vielleicht hat mir ausgerechnet die Spätschicht in der Landbäckerei noch einmal gezeigt, warum mir diese Fragen so wichtig sind. Weil Verständlichkeit nicht abstrakt ist. Weil Zugang nicht abstrakt ist. Weil Menschen nicht abstrakt sind. Manchmal steht ein Mensch vor dir und möchte einfach sein Brot. Manchmal möchte er ein Gespräch. Manchmal möchte er testen, ob du dir ein unmögliches Wort gemerkt hast. Und manchmal hält dir das Leben dabei ein frisch gebackenes Croissant hin und sagt: Schau noch mal hin. Vielleicht ist das hier kein Rückschritt. Vielleicht ist es ein Anfang.</p>
<p data-start="5146" data-end="5561" data-is-last-node="" data-is-only-node="">Der Job in der Landbäckerei hat nicht alles gelöst. Aber er hat etwas geöffnet. Er hat mir gezeigt, dass ein Neuanfang nicht immer groß aussehen muss. Manchmal trägt er eine Schürze. Manchmal riecht er nach Kaffee. Manchmal beginnt er in der Spätschicht, wenn draußen die Sonne durch die Scheibe fällt und ein Stammkunde fragt, ob du sein Lieblingswort noch weißt. Und ja: Es gibt sie. Die Sonne in der Spätschicht.</p>
<p data-start="5146" data-end="5561" data-is-last-node="" data-is-only-node="">Lust auf die nächste Geschichte aus der Landbäckerei? Dann lies weiter: <strong><a href="https://multilingual-publishing.de/backstory-2-franzbroetchen/">Backstory 2: Das Franzbrötchen, das erst noch gebacken werden musste</a></strong>.</p>
<p class="p1"><span style="color: #008080;"><strong><span class="s1">#Backstory </span>#unterhaltenmitgutengeschichten</strong></span></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>MOIN ❤️ Hier schreibt Yvonne. Ich verbinde Publishing, Sprachen und digitale Barrierefreiheit. In meinem Journal schreibe ich über gute Kommunikation, kluge Strukturen – und dazwischen gibt es die eine oder andere Backstory aus unserer kleinen, feinen Landbäckerei.</p></div>
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		<title>KI-Untertitel &#038; Barrierefreiheit: Warum automatische Captions nicht reichen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Yvonne Frank]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 May 2026 15:13:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Künstliche Intelligenz]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p data-start="284" data-end="652">Künstliche Intelligenz war 2022 noch ein heiß diskutiertes Zukunftsthema. Heute ist sie längst Alltag geworden — auch in der Video- und Contentproduktion. Automatische Untertitel erscheinen inzwischen fast überall: auf TikTok, Instagram, LinkedIn oder YouTube. Was vor wenigen Jahren noch nach futuristischer Technologie klang, gehört heute zum Standard moderner Apps.</p>
<p data-start="654" data-end="1049">Als ich diesen Artikel ursprünglich geschrieben habe, nutzte ich KI-Spracherkennung bereits täglich für Transkriptionen und Video-Untertitelungen. Damals faszinierte mich vor allem, wie viel Zeit sich dadurch sparen ließ. Heute sehe ich das Thema differenzierter. Denn die eigentliche Frage lautet längst nicht mehr: Kann KI Untertitel erstellen? Sondern: Wie gut sind diese Untertitel wirklich?</p>
<p data-start="1051" data-end="1498">Automatische Captions sind schnell erstellt — aber noch lange nicht automatisch professionell, verständlich oder barrierefrei. Viele der Probleme, die ich damals bei automatisch generierten Untertiteln beobachtet habe, begegnen mir auch heute noch täglich: fehlende Groß- und Kleinschreibung, falsche Namen, schlechte Segmentierung, unlesbare Gestaltung oder Untertitel, die zwar technisch vorhanden sind, aber kaum jemand wirklich gut lesen kann.</p>
<p data-start="1500" data-end="1978">Gleichzeitig haben sich meine eigenen Anforderungen verändert. Heute interessieren mich nicht nur Geschwindigkeit und Automatisierung, sondern vor allem Qualität, Sprachkontrolle, strukturierte Workflows, Datenschutz und digitale Barrierefreiheit. Und genau darum geht es in diesem aktualisierten Artikel: um KI-Spracherkennung, automatische Untertitel, professionelle Workflows — und die Frage, warum menschliche Qualitätskontrolle trotz KI wichtiger geworden ist als je zuvor.</p>
<h2 data-section-id="i3gok1" data-start="1980" data-end="2024">Mein allererstes Mal: Spracherkennung 1.0</h2>
<p data-start="2026" data-end="2229">Meine erste Begegnung mit Spracherkennung liegt allerdings noch viel länger zurück — in eine Zeit, in der Sprachsteuerung noch wie Science-Fiction wirkte und Handys vor allem eines konnten: telefonieren.</p>
<p data-start="2231" data-end="2501">Damals saß ich im Auto neben dem Mann meiner Cousine, einem waschechten Sachsen aus Freital. Plötzlich hörte ich, wie er im breitesten Sächsisch ein einziges Wort ins Mikrofon sagte: „Schwiegermutter.“ Und tatsächlich: Das Handy wählte die Nummer seiner Schwiegermutter.</p>
<p data-start="2503" data-end="2975">Ich war beeindruckt. Nicht nur wegen der Technik — sondern auch, weil das Gerät offenbar problemlos Sächsisch verstand. Aus heutiger Sicht wirkt das unspektakulär. Doch vor über 20 Jahren war das tatsächlich eine kleine Sensation. Das Mobiltelefon war damals noch kein smarter Alleskönner wie heute. Sein Handy war ein Siemens S40 mit integrierter Voice-Dialing-Funktion. Bestimmten Kontakten konnte ein Sprachbefehl zugewiesen werden, um sie später per Sprache anzurufen.</p>
<p data-start="2977" data-end="3333">Der Haken: Das Gerät verstand praktisch nur ihn selbst — inklusive seines sächsischen Dialekts. Ich hätte mit meinem Hochdeutsch vermutlich keinen einzigen Anruf auslösen können. Technisch handelte es sich um eine sogenannte sprecherabhängige Spracherkennung. Das System musste zunächst auf die Stimme und Aussprache der jeweiligen Person trainiert werden.</p>
<p data-start="3335" data-end="3721">Heute wirken solche Einschränkungen fast nostalgisch. Denn moderne KI-Systeme wie Siri, Alexa oder automatische Untertitelungs-Tools verstehen längst Millionen unterschiedliche Stimmen, Akzente und Sprachmuster — zumindest meistens. Und genau dort beginnt das eigentliche Spannungsfeld moderner KI-Spracherkennung: Sie ist beeindruckend schnell geworden. Aber nicht automatisch präzise.</p>
<h2 data-section-id="894wa1" data-start="3723" data-end="3773">Von Siri und Alexa zu automatischen Untertiteln</h2>
<p data-start="3775" data-end="4173">Mit digitalen Sprachassistenten wie Siri, Alexa oder Google Assistant wurde Spracherkennung schließlich massentauglich. Plötzlich sprach nicht mehr nur ein Technik-Nerd mit seinem Handy — sondern Millionen Menschen mit ihren Smartphones, Lautsprechern oder Smartwatches. Heute fragen wir selbstverständlich: „Wie wird das Wetter heute?“, „Spiel meine Playlist.“ oder „Stell einen Timer für zehn Minuten.“</p>
<p data-start="4175" data-end="4462">Die Technologie dahinter ist inzwischen beeindruckend leistungsfähig geworden. Moderne Systeme müssen nicht mehr auf einzelne Stimmen trainiert werden, sondern erkennen Sprache weitgehend sprecherunabhängig — inklusive vieler Dialekte, Akzente und Sprachmuster. Zumindest in der Theorie.</p>
<p data-start="4464" data-end="5002">Denn obwohl KI-Spracherkennung enorme Fortschritte gemacht hat, stößt sie im Alltag noch immer an ihre Grenzen: bei Hintergrundgeräuschen, undeutlicher Aussprache, Fachbegriffen, mehreren Sprecher:innen oder spontaner Umgangssprache. Besonders sichtbar wird das heute bei automatisch generierten Untertiteln. Denn dort begegnet uns KI-Spracherkennung inzwischen täglich — auf TikTok, Instagram, LinkedIn oder YouTube. Oft so selbstverständlich, dass viele gar nicht mehr darüber nachdenken, wie viel Technologie eigentlich dahintersteckt.</p>
<h2 data-section-id="1r5w6jy" data-start="5004" data-end="5052">Warum Untertitel heute wichtiger sind denn je</h2>
<p data-start="5054" data-end="5391">Videos gehören heute für viele Unternehmen, Selbstständige und Content Creator längst zum digitalen Alltag. Ob LinkedIn-Video, Instagram-Reel, TikTok, YouTube-Short oder Onlinekurs — gesprochenes Wort ist zu einem der wichtigsten Formate im Internet geworden. Und mit dieser Entwicklung sind auch Untertitel praktisch überall angekommen.</p>
<p data-start="5393" data-end="5752">Das hat gute Gründe. Untertitel helfen nicht nur gehörlosen Menschen, sondern auch Nicht-Muttersprachler:innen, Menschen in lauten Umgebungen, Smartphone-Nutzer:innen ohne Kopfhörer oder allen, die Inhalte lieber lesen als hören. Außerdem erhöhen Untertitel die Sichtbarkeit von Inhalten, verbessern die Verständlichkeit und machen Videos leichter zugänglich.</p>
<p data-start="5754" data-end="6062">Noch vor wenigen Jahren war die Erstellung von Untertiteln allerdings mühsame Handarbeit. Videos mussten vollständig angesehen und gesprochene Inhalte manuell transkribiert werden — ein zeitaufwändiger Prozess, besonders bei längeren Aufnahmen. Heute übernehmen KI-Systeme diesen Schritt in wenigen Sekunden.</p>
<p data-start="6064" data-end="6478">Nahezu jede Social-Media-App bietet inzwischen automatische Untertitel an. Besonders beliebt sind Tools wie CapCut, die Untertitel direkt per KI erzeugen und gleichzeitig visuell für Social Media aufbereiten können. Doch genau hier beginnt auch ein Problem, das mir in den letzten Jahren immer häufiger begegnet: Automatisch generierte Untertitel werden oft veröffentlicht, ohne überhaupt noch überprüft zu werden.</p>
<h2 data-section-id="1dqczre" data-start="6480" data-end="6526">CapCut: Schnell, beliebt und voller Effekte</h2>
<p data-start="6528" data-end="6790">Ein besonders populäres Tool für automatische Untertitel ist CapCut. Die App gehört zu den bekanntesten Video-Editoren für TikTok-Videos, Instagram-Reels und andere Social-Media-Formate — nicht zuletzt, weil sie viele KI-Funktionen sehr einfach zugänglich macht.</p>
<p data-start="6792" data-end="7178">Untertitel lassen sich dort mit wenigen Klicks erzeugen: Video hochladen, „Automatische Untertitel“ auswählen, Sprache festlegen — und kurze Zeit später erscheint der gesprochene Text direkt in der Timeline. Gerade für schnelle Social-Media-Produktionen ist das unglaublich praktisch. Und genau darin liegt auch die große Stärke moderner KI-Tools: Sie senken die technische Hürde enorm.</p>
<p data-start="7180" data-end="7480">Heute kann praktisch jede:r innerhalb weniger Minuten Videos schneiden, Untertitel generieren, Texte animieren und Inhalte veröffentlichen — ganz ohne klassische Video- oder Schnittkenntnisse. Allerdings zeigt sich bei automatisch erzeugten Untertiteln auch schnell die Kehrseite der Automatisierung.</p>
<p data-start="7482" data-end="8053">Denn obwohl die KI Sprache mittlerweile erstaunlich gut erkennt, entstehen im Deutschen nach wie vor viele Fehler: fehlende Groß- und Kleinschreibung, falsche Namen, fehlerhafte Zeichensetzung, merkwürdige Satzumbrüche oder Begriffe, die komplett falsch verstanden werden. Besonders problematisch wird das, wenn Untertitel ungeprüft veröffentlicht werden. Denn viele Zuschauer:innen bemerken sofort, wenn Untertitel unnatürlich wirken oder voller Fehler sind. Und gerade bei professionellen Inhalten kann das schnell unruhig, unpräzise oder wenig vertrauenswürdig wirken.</p>
<p data-start="8055" data-end="8518">Hinzu kommt: Automatisch generierte Untertitel sind nicht automatisch barrierefrei. Denn gute Untertitel bestehen nicht nur aus erkanntem Text. Entscheidend sind auch sinnvolle Segmentierung, Lesegeschwindigkeit, ausreichender Kontrast, klare Sprecherwechsel, gutes Timing und sprachliche Verständlichkeit. Viele KI-Tools optimieren Untertitel heute vor allem für Aufmerksamkeit und Geschwindigkeit — nicht unbedingt für Lesbarkeit oder digitale Barrierefreiheit.</p>
<h2 data-section-id="1qzm74s" data-start="8520" data-end="8593">CapCut und Datenschutz: Warum kostenlose KI-Tools nicht kostenlos sind</h2>
<p data-start="8595" data-end="8951">Seit der ursprünglichen Veröffentlichung dieses Artikels hat sich die Diskussion rund um KI-Tools und Datenschutz deutlich verschärft — insbesondere bei Plattformen wie CapCut. Während viele Nutzer:innen CapCut vor allem als praktisches Kreativtool wahrnehmen, stehen die App, ihre Datenverarbeitung und ihre Nutzungsbedingungen immer wieder in der Kritik.</p>
<p data-start="8953" data-end="9652">Besonders diskutiert wurden 2025 Änderungen beziehungsweise Klarstellungen der Nutzungsbedingungen. In den CapCut Terms of Service ist geregelt, dass Nutzer:innen dem Anbieter und verbundenen Dritten eine weitreichende Lizenz an hochgeladenen Inhalten einräumen. Dazu gehören unter anderem Rechte zur Nutzung, Bearbeitung, Speicherung, Veröffentlichung, Übertragung und Verbreitung von User Content, soweit dies für die Bereitstellung der Dienste beschrieben wird. CapCut selbst betont, Nutzer:innen behielten ihre Rechte und die Plattform beanspruche kein Eigentum an den Werken. Genau diese juristische Spannung zeigt aber, warum professionelle Nutzer:innen solche Bedingungen genau lesen sollten.</p>
<p data-start="9654" data-end="10166">Kritisch diskutiert werden vor allem die weitreichende Lizenzierung hochgeladener Inhalte, die Verarbeitung von Video-, Bild- und Audiodaten, mögliche Datenübertragungen außerhalb der EU sowie die Frage, wie transparent Anbieter erklären, was mit hochgeladenem Material geschieht. Gerade für Unternehmen, Agenturen oder professionelle Kreative kann das problematisch sein — insbesondere dann, wenn mit Kundenmaterial, sensiblen Daten, unveröffentlichten Kampagnen oder personenbezogenen Inhalten gearbeitet wird.</p>
<p data-start="10168" data-end="10678">Hinzu kommt ein kultureller Wandel, den ich zunehmend beobachte: Viele KI-Tools werden heute wie harmlose Kreativ-Spielzeuge genutzt, obwohl sie in Wirklichkeit komplexe Plattformen mit umfangreicher Datenerfassung und weitreichenden Nutzungsbedingungen sind. Das bedeutet nicht automatisch, dass man solche Tools grundsätzlich meiden muss. Aber es bedeutet, dass man bewusster entscheiden sollte, welche Inhalte man hochlädt, welche Rechte man einräumt und welche Rolle Datenschutz im eigenen Workflow spielt.</p>
<p data-start="10680" data-end="10852">Denn gerade im professionellen Umfeld geht es längst nicht mehr nur um schnelle Ergebnisse — sondern auch um Verantwortung, Qualität und Kontrolle über die eigenen Inhalte.</p>
<h2 data-section-id="edfmi8" data-start="10854" data-end="10940">Was professionelle Untertitelungs-Workflows von Social-Media-Captions unterscheidet</h2>
<p data-start="10942" data-end="11293">Viele moderne Social-Media-Apps setzen heute vor allem auf Geschwindigkeit, Effekte und maximale Aufmerksamkeit. Untertitel werden dort nicht primär als sprachliches oder barrierefreies Element verstanden, sondern als Teil des visuellen Contents: mit Animationen, Emojis, dynamischen Zooms, Farbwechseln und möglichst viel Bewegung auf dem Bildschirm.</p>
<p data-start="11295" data-end="11569">Das funktioniert oft gut für Reichweite und kurze Aufmerksamkeitsspannen. Für professionelle Untertitelungs-Workflows gelten jedoch andere Anforderungen. Denn dort stehen nicht Effekte, sondern Verständlichkeit, Lesbarkeit, sprachliche Qualität und Kontrolle im Mittelpunkt.</p>
<p data-start="11571" data-end="11862">Gerade bei längeren Videos, Interviews, Schulungen, Tutorials, mehrsprachigen Projekten oder barrierefreien Inhalten reicht es nicht aus, dass Untertitel lediglich „gut aussehen“. Sie müssen sprachlich korrekt, sauber segmentiert, gut lesbar, zeitlich präzise und technisch zuverlässig sein.</p>
<p data-start="11864" data-end="12196">Hinzu kommt: Professionelle Untertitel sind oft Teil eines größeren Publishing- oder Übersetzungsworkflows. Untertitel werden exportiert, übersetzt, korrigiert, versioniert und für unterschiedliche Plattformen angepasst. Dabei spielen Formate wie SRT-Dateien, Timing, Sprachkonsistenz und strukturierte Prozesse eine wichtige Rolle.</p>
<p data-start="12198" data-end="12502">Genau deshalb arbeite ich für professionelle Projekte weiterhin lieber mit Adobe Premiere Pro. Nicht, weil dort alles automatisch besser wäre. Sondern weil mir professionelle Tools mehr Kontrolle über Sprache, Qualität und Workflow geben — und genau das wird im Zeitalter von KI für mich immer wichtiger.</p>
<h2 data-section-id="z9akhj" data-start="12504" data-end="12587">Warum ich für professionelle Untertitel weiterhin mit Adobe Premiere Pro arbeite</h2>
<p data-start="12589" data-end="12959">Als Multilingual-Publishing- und Accessibility-Spezialistin arbeite ich bei professionellen Transkriptionen und Untertitelungen mit Adobe Premiere Pro. Die Funktion „Speech to Text“ beziehungsweise „Sprache in Text“ ist direkt in Premiere Pro integriert und ermöglicht es, aus gesprochenem Dialog automatisch Transkripte zu erstellen und daraus Untertitel zu generieren.</p>
<p data-start="12961" data-end="13373">Für mich ist dabei nicht entscheidend, dass die KI perfekt ist. Das ist sie nicht. Entscheidend ist, dass ich mit einem professionellen Tool sauber weiterarbeiten kann. Ich kann Transkripte prüfen, Textstellen suchen, Untertitel zusammenführen oder trennen, Timing anpassen, Untertitel gestalten und verschiedene Ausgabeformate erstellen. Genau diese Kontrollmöglichkeiten sind im professionellen Alltag wichtig.</p>
<p data-start="13375" data-end="13479">Denn KI kann eine Rohfassung liefern. Aber die Verantwortung für Qualität liegt weiterhin beim Menschen.</p>
<h2 data-section-id="1gslys7" data-start="13481" data-end="13552">Mein Workflow: Von der Transkription zur übersetzten Untertiteldatei</h2>
<p data-start="13554" data-end="13822">Für deutschsprachige Videos lasse ich zunächst ein Transkript erstellen. Dieses prüfe ich anschließend sorgfältig auf Fehler. Dabei achte ich nicht nur auf falsch erkannte Wörter, sondern auch auf Namen, Fachbegriffe, Satzzeichen, sinnvolle Satzgrenzen und Lesbarkeit.</p>
<p data-start="13824" data-end="14080">Gerade bei Fachthemen kann die Nachbearbeitung schnell mehr sein als ein reines Korrektorat. Wenn viele Anglizismen, Produktnamen, Fachbegriffe oder ungewöhnliche Wörter vorkommen, muss ich oft recherchieren und das Gesagte in den richtigen Kontext setzen.</p>
<p data-start="14082" data-end="14412">Aus dem geprüften Transkript erstelle ich anschließend Untertitel. Bei mehrsprachigen Projekten exportiere ich die Untertitel zum Beispiel als SRT-Datei. Diese Datei kann an Übersetzer:innen weitergegeben und in CAT-Tools weiterbearbeitet werden. Anschließend wird die übersetzte Datei wieder importiert, geprüft und feinjustiert.</p>
<p data-start="14414" data-end="14849">Das klingt aufwendiger als ein schneller Klick in einer Social-Media-App. Ist es auch. Aber genau darin liegt der Unterschied zwischen automatisch erzeugten Captions und einem professionellen Untertitelungsworkflow. Es geht nicht nur darum, Text unter ein Video zu setzen. Es geht darum, gesprochene Sprache verständlich, korrekt, lesbar und nutzbar zu machen — gegebenenfalls in mehreren Sprachen und für unterschiedliche Zielgruppen.</p>
<h2 data-section-id="d0mzhb" data-start="14851" data-end="14931">Automatische Untertitel sind ein Anfang — aber keine fertige Barrierefreiheit</h2>
<p data-start="14933" data-end="15221">Viele Menschen denken bei Barrierefreiheit noch immer zuerst an Rollstühle, Rampen und abgesenkte Bordsteine. Doch auch in der digitalen Welt gibt es Barrieren. Videos ohne Untertitel sind für gehörlose Menschen nicht zugänglich. Aber auch schlechte Untertitel können zur Barriere werden.</p>
<p data-start="15223" data-end="15568">Wenn Untertitel zu schnell eingeblendet werden, schlecht segmentiert sind, mitten im Satz umbrechen, keinen ausreichenden Kontrast haben oder wichtige Informationen fehlen, sind sie zwar technisch vorhanden — aber nicht wirklich hilfreich. Automatische Untertitel sind deshalb ein guter Anfang. Aber sie sind noch keine fertige Barrierefreiheit.</p>
<p data-start="15570" data-end="15979">Für wirklich zugängliche Videos braucht es mehr als automatisch erkannten Text. Wichtig sind unter anderem lesbare Schriftgrößen, ausreichender Kontrast, sinnvolle Zeilenumbrüche, angemessene Lesegeschwindigkeit, klares Timing, Kennzeichnung von Sprecherwechseln, gegebenenfalls Hinweise auf relevante Geräusche, sprachliche Korrektheit und eine Gestaltung, die den Inhalt unterstützt statt ihn zu überlagern.</p>
<p data-start="15981" data-end="16326">Gerade hier zeigt sich, warum Barrierefreiheit nicht erst am Ende eines Projekts beginnen sollte. Wenn Untertitel nur schnell als letzter Schritt erzeugt werden, bleiben viele Qualitätsfragen ungelöst. Wer Videos professionell produziert, sollte Untertitel deshalb von Anfang an mitdenken — als Teil des Kommunikations- und Publishing-Workflows.</p>
<h2 data-section-id="16djqjs" data-start="16328" data-end="16389">Closed Captions, Open Captions und eingebrannte Untertitel</h2>
<p data-start="16391" data-end="16695">An dieser Stelle lohnt sich auch ein kurzer Blick auf die Begriffe. Open Captions sind fest ins Video eingebrannt. Sie sind immer sichtbar und können nicht ausgeschaltet werden. Closed Captions dagegen können im Videoplayer ein- oder ausgeschaltet werden, sofern die Plattform diese Funktion unterstützt.</p>
<p data-start="16697" data-end="17128">Für Social Media werden häufig eingebrannte Untertitel verwendet, weil sie überall sichtbar sind und auch dann funktionieren, wenn Plattformen keine saubere Untertiteldatei ausspielen. Für barrierefreie und professionelle Workflows sind Closed Captions oder separate Untertiteldateien jedoch oft sinnvoller, weil sie flexibler sind. Sie können übersetzt, korrigiert, ausgetauscht oder für verschiedene Plattformen angepasst werden.</p>
<p data-start="17130" data-end="17352">Auch hier gilt: Die richtige Lösung hängt vom Ziel ab. Ein schnelles Reel braucht einen anderen Workflow als ein Schulungsvideo, ein Kundenfilm, ein mehrsprachiger Onlinekurs oder ein barrierefreies Video für eine Website.</p>
<h2 data-section-id="1797c4v" data-start="17354" data-end="17412">KI verändert nicht nur Tools, sondern auch unsere Rolle</h2>
<p data-start="17414" data-end="17711">Als ich 2022 über KI-Spracherkennung schrieb, war mein Blick noch stärker auf die Zeitersparnis gerichtet. Heute sehe ich klarer: Die eigentliche Veränderung liegt nicht darin, dass KI bestimmte Arbeitsschritte übernimmt. Die eigentliche Veränderung liegt darin, dass unsere Rolle sich verschiebt.</p>
<p data-start="17713" data-end="17925">Wir tippen weniger manuell ab. Aber wir prüfen mehr. Wir korrigieren mehr. Wir strukturieren mehr. Wir entscheiden mehr. Und wir müssen genauer verstehen, wann ein KI-Ergebnis gut genug ist — und wann eben nicht.</p>
<p data-start="17927" data-end="18285">Gerade in der Übersetzungs-, Publishing- und Kreativbranche wird diese Kompetenz immer wichtiger. Denn KI kann Inhalte erzeugen, transkribieren, übersetzen, zusammenfassen und gestalten. Aber sie versteht nicht automatisch Zielgruppen, Qualitätsstandards, Barrierefreiheit, Datenschutz, Tonalität oder professionelle Verantwortung. Das bleibt unsere Aufgabe.</p>
<p data-start="18287" data-end="18437">Oder anders gesagt: KI kann Untertitel erstellen. Aber sie kann nicht entscheiden, ob diese Untertitel wirklich gut, verständlich und zugänglich sind.</p>
<h2 data-section-id="wtzs0" data-start="18439" data-end="18511">Mein Fazit: KI ist eine starke Kollegin, aber keine Qualitätsgarantie</h2>
<p data-start="18513" data-end="18740">Ich arbeite gerne mit KI-Spracherkennung. Sie nimmt mir viel mühsame Vorarbeit ab, beschleunigt Transkriptionen und macht professionelle Untertitelungs-Workflows deutlich effizienter. Aber ich verlasse mich nicht blind auf sie.</p>
<p data-start="18742" data-end="19113">Denn keine automatisch generierte Transkription ist zu 100 Prozent fehlerfrei. Die Qualität hängt von vielen Faktoren ab: Aufnahmequalität, Mikrofon, Hintergrundgeräuschen, Aussprache, Dialekt, Akzent, Fachbegriffen, Sprechtempo und Kontext. Bei einfachen Videos kann KI erstaunlich gute Ergebnisse liefern. Bei komplexeren Inhalten beginnt danach die eigentliche Arbeit.</p>
<p data-start="19115" data-end="19362">Und genau deshalb ist menschliche Qualitätskontrolle nicht weniger wichtig geworden, sondern wichtiger. Automatisierung spart Zeit. Aber Qualität entsteht weiterhin durch Erfahrung, Sprachempfinden, technisches Verständnis und sorgfältige Prüfung.</p>
<p data-start="19364" data-end="19642">Für schnelle Social-Media-Captions kann ein Tool wie CapCut praktisch sein. Für professionelle, mehrsprachige oder barrierefreie Untertitel reicht mir ein reiner Klick-und-fertig-Workflow jedoch nicht aus. Denn gute Untertitel sind keine Deko. Sie sind Teil guter Kommunikation.</p>
<p data-start="19644" data-end="19918">Und wenn sie gut gemacht sind, helfen sie nicht nur gehörlosen Menschen, sondern allen, die Inhalte besser verstehen, schneller erfassen oder in einer anderen Sprache nutzen möchten. KI ist dabei eine starke Unterstützung. Aber die Verantwortung für Qualität bleibt bei uns.</p>
<p data-start="19920" data-end="19998" data-is-last-node="" data-is-only-node="">Und während die KI transkribiert, kann ich mir immerhin einen Espresso machen.</p></div>
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