Alles. Außer Übersetzung.
Yvonne Frank
Alles. Außer Übersetzung.
Yvonne Frank
Publishing in 50+ Sprachen und digitale Barrierefreiheit
Sprachliebhaberin.
Scannerpersönlichkeit.
Ostseekind.
Diese Seite heißt „Darum ich“, weil es hier um mehr geht als um einen klassischen Lebenslauf. Es geht um die Frage, warum ich heute genau dort arbeite, wo Sprache, Publishing, digitale Barrierefreiheit und Struktur aufeinandertreffen.
Ich sorge dafür, dass übersetzte Inhalte funktionieren: im Layout, im Dokument, im PDF, im Workflow und später auch in der Nutzung.
Wenn ich erzähle, dass ich mit Dokumenten in mehr als 50 Sprachen arbeite, kommt fast immer dieselbe Frage:
„Was, du kannst 50 Sprachen?“
Nein.
Kann ich nicht.
Ich übersetze keine Texte.
Ich bringe Sprachen in Form.
Ich denke mit, wenn Dokumente mehrsprachig werden. Ich sehe, wo Layouts kippen, wo Schriftsysteme besondere Anforderungen stellen, wo Formatierungen problematisch werden und wo ein Dokument technisch anders aufgebaut werden muss, damit es auch in der nächsten Sprache noch funktioniert.
Und genau dieser Blick auf Dokumente prägt heute auch meine Arbeit mit digitaler Barrierefreiheit.
Ich kenne die Stellen, an denen Dokumente kippen
Ich komme aus dem Publishing.
Fremdsprachensatz, Layout, DTP, Übersetzungsworkflows, mehrsprachige Publikationen und komplexe Dokumente gehören seit vielen Jahren zu meinem Arbeitsalltag.
Ich sehe früh, wo Projekte schwierig werden: wenn Gestaltung, Sprache, Technik, Zeitdruck und Kundenwünsche aufeinandertreffen.
Ein Layout funktioniert auf Deutsch wunderbar – und auf Französisch passt der Text plötzlich nicht mehr in den vorgesehenen Raum. Tabellen werden breiter. Andere Schriftsysteme stellen andere Anforderungen. Bei Arabisch ändern sich Leserichtung und Seitenaufbau.
Trotzdem soll am Ende jede Sprachfassung so aussehen, als wäre das Dokument genau für diese Sprache gestaltet worden.
Das funktioniert nur, wenn die Struktur dahinter stimmt.
Absatzformate, Tabellen, Verankerungen, Textrahmen und Dokumentaufbau sind deshalb für mich keine technischen Nebensächlichkeiten. Sie entscheiden darüber, ob ein Dokument robust ist oder beim nächsten Arbeitsschritt auseinanderfällt.
Aus dieser Erfahrung kommt mein Blick auf Document Engineering: Ich möchte nicht erst reparieren, wenn etwas nicht mehr funktioniert. Ich möchte Dokumente so aufbauen, dass Probleme möglichst gar nicht erst entstehen.
Genau dieser Gedanke hat mich schließlich auch zur digitalen Barrierefreiheit geführt.
Aus meiner Erfahrung im mehrsprachigen Publishing ist meine Checkliste „So machst du dein InDesign-Dokument übersetzungsfähig und sparst Zeit und Geld“ entstanden. Sie zeigt, worauf es schon vor der Übersetzung ankommt, damit Layout, Sprache und Workflow später gut zusammenspielen.
Barrierefreiheit beginnt beim Workflow
Als digitale Barrierefreiheit immer stärker Teil meiner Arbeit wurde, kam mir vieles erstaunlich bekannt vor.
Wieder ging es um Struktur.
Um Überschriften, die nicht nur wie Überschriften aussehen. Um Listen, die auch technisch Listen sind. Um Tabellen, deren Zusammenhänge nicht nur visuell erkennbar sind. Um eine sinnvolle Reihenfolge von Inhalten und um Dokumente, die auch dann funktionieren, wenn sie anders genutzt werden, als es beim Gestalten zunächst vorgesehen war.
Deshalb beginnt Barrierefreiheit für mich nicht beim PDF-Export.
Sie beginnt viel früher: im Konzept, im Layout, bei den Absatzformaten, in der Redaktion, in der Übersetzungsvorbereitung, in InDesign oder Word und bei der Frage, was dieses Dokument später leisten soll.
Je sauberer die Ausgangsdatei aufgebaut ist, desto weniger muss später im PDF repariert werden.
Barrierefreiheit beginnt beim Workflow, nicht beim Export.
Genau darüber schreibe ich auch in meinem Journal: Barrierefreie PDFs mit Adobe InDesign erstellen: Der echte PDF/UA-Workflow in der Praxis
Legasthenie hat mir alles beigebracht
Dass Menschen ganz unterschiedliche Zugänge zu derselben Information brauchen können, habe ich allerdings schon lange vor PDF/UA gelernt.
1990 zog ich direkt nach der Mauer zum Studieren nach Berlin: Anglistik, Amerikanistik, Slawistik. Sprache war mein Ding. Wörter, Bedeutungen, Klang, Kultur.
An einem Wochenende lernte ich einen jungen Mann kennen. Er war intelligent, redegewandt, witzig – und Legastheniker.
Mündlich konnte er sprechen, als hätte jemand einen druckreifen Essay in seinen Kopf gelegt. Schriftlich sah alles anders aus: Buchstaben purzelten durcheinander, Wörter fehlten, Sätze wirkten brüchig.
Damals verstand ich das nicht.
Wie konnte jemand so klug sprechen und gleichzeitig so viele Rechtschreibfehler machen?
Also fanden wir einen anderen Weg.
Statt Briefe zu schreiben, nahmen wir unsere Alltagserlebnisse mit dem Kassettenrekorder auf und schickten uns die Sprachaufnahmen per Post.
Der gleiche Inhalt. Ein anderer Zugang.
Und plötzlich funktionierte Kommunikation.
Mehr über diese Geschichte erzähle ich in meinem Beitrag Muss ich noch Rechtschreibung können? Es gibt doch Autokorrektur!? – über Rechtschreibung in analogen und digitalen Zeiten und eine alte Liebe, die meine Sicht auf Fehler, Sprache und Menschen verändert hat.
Zugang beginnt mit Struktur
Diese Erfahrung hat sich tief in mein Denken eingeschrieben.
Nicht jeder Mensch braucht denselben Zugang zu Information. Und wenn etwas nicht funktioniert, lohnt es sich, nicht nur auf den Menschen zu schauen, sondern auch auf das System dahinter.
Genau deshalb interessiert mich digitale Barrierefreiheit nicht nur als technische Aufgabe.
Denn Menschen sind verschieden. Manche Unterschiede sieht man sofort, viele bleiben unsichtbar. Manche Menschen kämpfen mit Schrift. Andere mit komplexen Formularen, unverständlichen Strukturen oder Dokumenten, die zwar gut aussehen, aber technisch schwer nutzbar sind.
Meine erste Frage lautet deshalb oft:
Wie können wir es besser bauen?
Für mich bedeutet digitale Barrierefreiheit genau das: Informationen so zu strukturieren, dass möglichst viele Menschen sie tatsächlich nutzen können.
Warum barrierefreie PDFs nicht nur blinden Menschen helfen und worauf es bei der Erstellung wirklich ankommt, darüber habe ich auch in meinem Gastbeitrag auf dem Blog von Gehirngerecht Digital geschrieben.
Ich mache daraus keine Geheimwissenschaft
Heute verbinde ich mehr als 20 Jahre Publishing-Erfahrung mit meinem Wissen über digitale Barrierefreiheit.
Mich interessiert, wie sich ein Dokument in InDesign besser vorbereiten lässt. Was im Word-Dokument schon stimmen sollte. Welche Struktur ein PDF braucht. Was PDF/UA in der Praxis bedeutet. Wo Tools helfen. Wo KI sinnvoll eingesetzt werden kann. Und wo menschliche Erfahrung und Verantwortung gefragt sind.
Dabei arbeite ich nicht nach dem Prinzip: Ich kenne die geheimen Regeln und du nicht.
Im Gegenteil.
Wenn ich Menschen in Workshops oder 1:1 begleite, möchte ich, dass sie verstehen, warum etwas funktioniert und nicht nur, welchen Knopf sie drücken müssen.
Du bist gut in deinem Beruf. Dir fehlt vielleicht an einer bestimmten Stelle Wissen über PDF/UA, Tagstrukturen, Tabellen, Screenreader oder einen funktionierenden Workflow.
Dieses Wissen kann man weitergeben.
Und wenn ich etwas nicht weiß, sage ich das.
Dann finde ich es heraus.
Wenn schöne Dokumente auch funktionieren sollen
Ich arbeite mit Menschen, die Dokumente gestalten, übersetzen lassen, veröffentlichen oder barrierefrei zugänglich machen wollen – und dabei merken, dass gutes Aussehen allein nicht reicht.
Mit Kommunikationsdesigner*innen, Agenturen, Übersetzungsdienstleistern, Marketingteams, Unternehmen und Organisationen, bei denen Gestaltung, Sprache, Technik und Zugänglichkeit zusammenspielen müssen.
Manche geben mir ihr Projekt komplett in die Hand.
Andere möchten lernen, wie sie es beim nächsten Mal selbst machen können.
Beides ist bei mir richtig.
Denn am Ende geht es für mich immer um dasselbe:
Dokumente sollen gut aussehen. Gut aufgebaut sein. Und von den Menschen genutzt werden können, für die sie gemacht sind.
Wenn du gerade an einem Dokument sitzt und wissen möchtest, wie ich dich dabei unterstützen kann, erzähl mir davon.
Publishing ist für mich auch Community
Ich mag Communities, in denen Wissen geteilt wird. Deshalb bin ich Mitglied in den Publishing Groups Hamburg, Berlin und Stuttgart.
Die Gruppen sind aus den früheren InDesign User Groups, kurz IDUG, hervorgegangen. Inzwischen geht es dort um viel mehr als InDesign: um Publishing, Gestaltung, digitale Workflows, strukturierte Medienproduktion und die Frage, wie wir gute Inhalte besser und effizienter veröffentlichen können.
Natürlich spielt dabei auch künstliche Intelligenz eine Rolle. KI wirbelt die kreativen Berufe gerade ordentlich durcheinander und macht den fachlichen Austausch wichtiger denn je. Wie ich KI selbst in meinem Arbeitsalltag nutze, erzähle ich in meinem Journal.
Als Guest Speakerin habe ich selbst bereits zwei Vorträge über Fremdsprachensatz mit InDesign gehalten:
Vortrag auf der IDUGHH #22: Von Rechts nach Links mit InDesign
Vortrag auf der IDUGB #45: Ich versteh kein Wort – Fremdsprachensatz in InDesign
Zum Weiterhören
Im November 2022 war ich bei Heike Burch im Publishing Podcast zu Gast. Dort sprechen wir über Fremdsprachensatz, Publishing-Workflows und darüber, was passieren muss, damit mehrsprachige Dokumente in der Praxis wirklich funktionieren.
Dazu gibt es ein Special über die technischen Aspekte des Fremdsprachensatzes: von der Vorbereitung der Dateien über Layoutfragen bis zur Zusammenarbeit mit Übersetzungsdienstleistern beziehungsweise Language Service Providern, kurz LSP.
Wenn du meine Stimme hören und tiefer in das Thema einsteigen möchtest, findest du über obigen Link die beiden Gespräche. Die erwähnte Checkliste gibt es in meinem Journal.
Das sagen meine Kollegen über mich
Warum ist Yvonne Frank unsere erste Wahl, wenn uns etwas Spanisch vorkommt, es bei arabischen Broschüren von rechts nach links gehen soll oder wenn wir es mit Fachchinesisch zu tun haben, also bei allen Projekten, bei denen es um Fremdsprachensatz und die Anpassung des Layouts an die jeweilige Sprache geht? Weil sie den nötigen Biss hat, Lösungen findet (und zwar nicht die erstbesten), sie bei plötzlich auftretenden Problemen freundlich und präzise bleibt, auch wenn Termine drücken. Yvonne Frank scheut sich nicht, bei kniffligen Angelegenheiten wie fehlenden Zeichen, Schriftherstellern auf den Zahn zu fühlen und bei rechtsdrehender Broschürenbindung bei Druckereien nachzuhaken.
Die Zusammenarbeit mit Yvonne ist super. Es hat mir große Freude gemacht, mit ihr für einen großen Kunden zu arbeiten. Yvonne ist eine hervorragende Spezialistin im Bereich Fremdsprachensatz, hat einen sehr guten Blick für Details, denkt mit, arbeitet sehr zuverlässig, ist vorausschauend und findet gute Lösungen für Anforderungen innerhalb eines Projektes. Sie weiß, worauf es ankommt, wenn man es z. B. mit chinesischen Schriftzeichen zu tun hat. Ihr geht es dabei nicht allein um die technische Umsetzung, sondern sie behält den Blick für typografische Details. Neben ihrer fachlichen Expertise schätze ich ihre kollegiale und kooperative Art sehr. So wird ein Projekt zu einem gemeinsamen Erfolg.
