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	<title>diebackstoryserie &#8211; multilingual-publishing</title>
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	<title>diebackstoryserie &#8211; multilingual-publishing</title>
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	<item>
		<title>Backstory #3: Da steht ein Pony vor der Bäckerei.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Yvonne Frank]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 May 2026 19:50:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Backstory]]></category>
		<category><![CDATA[diebackstoryserie]]></category>
		<category><![CDATA[Backstory 3]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten aus der Landbäckerei]]></category>
		<category><![CDATA[Jana]]></category>
		<category><![CDATA[Kristin]]></category>
		<category><![CDATA[Pony]]></category>
		<category><![CDATA[Shetlandponys]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de">multilingual-publishing</a><br />
<img src="https://multilingual-publishing.de/wp-content/uploads/2026/05/Yvonne-Frank_backstory-3-pony-vor-der-baeckerei.jpg" style="display: block; margin: 1em auto"><br />
<a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de/backstory-3-pony-vor-der-backerei/">Backstory #3: Da steht ein Pony vor der Bäckerei.</a></p>
<p>Wenn Kundinnen nicht mit Hund, sondern mit Shetlandpony Brötchen kaufen kommen: Backstory #3 erzählt von Jana, Zwergi und einem tierischen Besuch vor der Bäckerei.</p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de/backstory-3-pony-vor-der-backerei/">Backstory #3: Da steht ein Pony vor der Bäckerei.</a> first appeared on <a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de">multilingual-publishing</a> and is written by <a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de/author/yvonnefrank/">Yvonne Frank</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de">multilingual-publishing</a><br />
<img src="https://multilingual-publishing.de/wp-content/uploads/2026/05/Yvonne-Frank_backstory-3-pony-vor-der-baeckerei.jpg" style="display: block; margin: 1em auto"><br />
<a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de/backstory-3-pony-vor-der-backerei/">Backstory #3: Da steht ein Pony vor der Bäckerei.</a></p>
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Im Laden war es ruhig genug, um kurz durchzuatmen \u2013 aber nicht ruhig genug, um damit zu rechnen, dass gleich ein Shetlandpony vor der B\u00e4ckerei steht.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Aber genau so kam es.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;An diesem Freitag kam Jana.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Und dieses Mal kam sie nicht allein \u2013 wie sonst \u2013 nach ihrer Arbeit in einem Waldkindergarten. Sie erz\u00e4hlte mir auch nichts vom Pferd \u2013 wie so oft, wenn wir uns sehen.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Nein.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Sie brachte Kristin mit, eine Freundin.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Und Zwergi.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ihr schwarzes Shetlandpony.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Denn wer braucht schon ein Auto, wenn man auch stilvoll auf vier Hufen Br\u00f6tchen holen kann?&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ganz so war es nat\u00fcrlich nicht.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Jana kenne ich schon eine ganze Weile.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Jana ist so ein Mensch, bei dem man nie genau wei\u00df, ob sie gleich nur einen Kaffee bestellt oder nebenbei noch drei Termine, zwei Reitstunden und eine Wetterlage im Kopf sortiert. Sie kommt nicht einfach in die B\u00e4ckerei. Sie ist pl\u00f6tzlich da. Meistens mit guter Laune, manchmal mit Pferdehaaren an der Kleidung und fast immer auf dem Sprung zur Koppel.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Sie ist Erlebnisp\u00e4dagogin und Reitlehrerin \u2013 und eine echte Ureinwohnerin unseres Dorfes. Aufgewachsen hinterm Sch\u00fcberg, zwischen Feldern, W\u00e4ldern und dem Duft frischer Br\u00f6tchen. Nat\u00fcrlich aus unserer B\u00e4ckerei.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Nachmittags ist Jana meistens auf der Koppel \u2013 bei ihren Islandpferden, ihren Litrikir hestar.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Litrikir hestar ist Isl\u00e4ndisch und bedeutet \u201ebunte Pferde\u201c. Ein Begriff, der perfekt zu Janas bunter Herde passt.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Denn Janas Leben ist \u2013 im wahrsten Sinne des Wortes \u2013 ein Ponyhof.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ein bunter Ponyhof.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;h2&gt;&lt;span&gt;Andere machen Marketing. Bei uns steht ein Pony vor der T\u00fcr.&lt;\/span&gt;&lt;\/h2&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Jana war \u00fcbrigens eine der Ersten, die ich kennenlernte, als ich neu im Laden war.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Sie war hocherfreut, dass wir nach drei langen Jahren endlich wieder nachmittags ge\u00f6ffnet hatten \u2013 nach einer Zeit, in der sie auf eine andere B\u00e4ckerei ausweichen musste.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ihr wisst schon: die mit dem Podcast, dem Franz-Merch und dem Umweg auf dem Weg zur Pferdekoppel \u2013 mehr dazu erz\u00e4hle ich in &lt;strong&gt;&lt;a href=\&quot;https:\/\/multilingual-publishing.de\/backstory-2-franzbroetchen\/\&quot;&gt;Backstory #2 \u00fcber das Franzbr\u00f6tchen, das erst noch gebacken werden musste&lt;\/a&gt;&lt;\/strong&gt;.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Das waren harte Jahre f\u00fcr Jana.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Aber seit unser Laden wieder nachmittags ge\u00f6ffnet ist, schaut sie regelm\u00e4\u00dfig vorbei. Und nicht nur das: Sie schickt auch die Eltern der Kinder, die bei ihr Reitunterricht nehmen, zu uns in die B\u00e4ckerei.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Daf\u00fcr lieben wir sie noch ein bisschen mehr.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Andere brauchen Kampagnen, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Bei uns reicht manchmal ein schwarzes Shetlandpony vor der T\u00fcr. Kein Redaktionsplan. Kein Radiospot. Kein Claim. Nur Zwergi, vor der B\u00e4ckerei, als w\u00e4re das v\u00f6llig normal.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Und vielleicht ist genau das der Punkt.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Manche Geschichten entstehen nicht, weil man sie plant. Sie stehen pl\u00f6tzlich vor der T\u00fcr. Mit M\u00e4hne.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;h2&gt;&lt;span&gt;Jana, Kristin und Zwergi kaufen ein&lt;\/span&gt;&lt;\/h2&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Weil ich meine Stammkunden kenne, wei\u00df ich sofort, womit ich Jana gl\u00fccklich machen kann:&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Mit einem gro\u00dfen Latte Macchiato zum Mitnehmen \u2013 und, ganz wichtig, einem Extraschuss kalter Milch.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Das ist kein Detail. Das ist Stammkundenwissen.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Denn in einer B\u00e4ckerei geht es irgendwann nicht mehr nur darum, was jemand bestellt. Es geht darum, dass man wei\u00df, wie jemand seinen Kaffee trinkt, welches Br\u00f6tchen immer geht und wann ein \u201ewie immer?\u201c v\u00f6llig ausreicht.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Doch diesmal war auch Kristin dabei.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Und Zwergi.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Es war hei\u00df. Also griffen die beiden im Vorbeigehen in den K\u00fchlschrank: Eine Bio-Limo f\u00fcr Jana und ein isotonisches Getr\u00e4nk f\u00fcr Kristin \u2013 in einer Farbe, die perfekt zu ihren lackierten Fingern\u00e4geln passte.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Und die sind wirklich sch\u00f6n.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Nat\u00fcrlich blieb es nicht bei den Getr\u00e4nken.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ein paar belegte Br\u00f6tchen wanderten noch in die T\u00fcten. Und nat\u00fcrlich ein, zwei Franzbr\u00f6tchen.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Man muss ja schlie\u00dflich bis zum Abend durchhalten.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Auf der Weide. Mit Kindern auf Pferden. Bei Sommerhitze. Und mit Zwergi im Schlepptau.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Drau\u00dfen wartete Zwergi w\u00e4hrenddessen erstaunlich geduldig. Ein schwarzes Shetlandpony vor der B\u00e4ckerei. Nicht davor geparkt \u2013 das klingt zu technisch. Eher: abgestellt wie ein sehr kleines, sehr selbstbewusstes Verkehrsmittel.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Wer vorbeikam, musste gucken.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Nat\u00fcrlich musste man gucken.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Wann steht schon mal ein Pony vor der B\u00e4ckerei?&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Kinder schauen anders, wenn ein Pony im Spiel ist. Erwachsene \u00fcbrigens auch. Nur versuchen Erwachsene meistens so zu tun, als w\u00fcrden sie ganz normal vorbeigehen, w\u00e4hrend sie innerlich l\u00e4ngst denken:&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ist das gerade wirklich ein Pony?&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ja.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;War es.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;h2&gt;&lt;span&gt;Die Sache mit dem Bargeld&lt;\/span&gt;&lt;\/h2&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Als es ans Bezahlen ging, passierte das, was bei Jana immer passiert:&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ganz l\u00e4ssig zog sie einen dicken Packen Geldscheine aus der Hosentasche.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Man k\u00f6nnte fast meinen, sie h\u00e4tte ein lukratives Zweitbusiness als Geldeintreiberin auf dem Kiez.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Aber nein \u2013 Jana gibt Reitunterricht. Und viele Eltern zahlen die Reitstunden eben noch ganz klassisch: bar auf die Hand.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Kristin und ich k\u00f6nnen uns jedes Mal ein Grinsen nicht verkneifen. Besonders, wenn Jana dann an manchen Tagen auch noch mit dem dicken Auto ihres Mannes vorf\u00e4hrt.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Dann ist das Bild komplett.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Einmal hatte ich einen Kunden im Laden, der mir einen gro\u00dfen Geldschein hinhielt, den ich nicht wechseln konnte. In genau diesem Moment betrat Jana die B\u00e4ckerei.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ich rief ihr zu:&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;\u201eKannst du mal eben 100 Euro wechseln?\u201c&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Und nat\u00fcrlich konnte Jana.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Jana kann immer wechseln.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Zumindest f\u00fchlt es sich so an.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Vielleicht ist sie keine Geldeintreiberin. Aber als mobile Wechselstube w\u00e4re sie absolut glaubw\u00fcrdig.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;h2&gt;&lt;span&gt;Und Zwergi?&lt;\/span&gt;&lt;\/h2&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Zwergi wartete w\u00e4hrenddessen weiter drau\u00dfen.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Geduldig.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Gelassen.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ein bisschen so, als h\u00e4tte er schon viele Dinge gesehen und als w\u00fcrde ihn eine B\u00e4ckerei nun wirklich nicht aus der Ruhe bringen.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Vielleicht war er sogar der professionellste von uns allen.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;W\u00e4hrend drinnen Getr\u00e4nke, belegte Br\u00f6tchen, Franzbr\u00f6tchen und Geldscheine \u00fcber die Theke gingen, stand drau\u00dfen dieses kleine schwarze Pony und machte aus einem ganz normalen Freitagnachmittag eine Geschichte.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Keine gro\u00dfe Inszenierung. Kein Event. Kein \u201etierischer Aktionstag\u201c mit Plakat und Anmeldung.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Nur Jana. Kristin. Zwergi. Und eine B\u00e4ckerei, die f\u00fcr ein paar Minuten aussah wie die Kulisse eines sehr norddeutschen Kinderbuchs.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Und dann kam der Abschied.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Jana und Kristin machten sich wieder auf den Weg. Die Getr\u00e4nke waren verstaut, das Proviant f\u00fcr sp\u00e4ter auch, die Franzbr\u00f6tchen sowieso. Zwergi war bereit.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Naja.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Fast.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Denn Zwergi hinterlie\u00df uns zum Schluss noch ein ganz besonderes Abschiedsgeschenk vor der B\u00e4ckerei.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Kein Witz.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Einen kleinen Haufen.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Man kann jetzt sagen: Das geh\u00f6rt dazu.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Man kann auch sagen: Wer mit Pony einkaufen geht, bringt eben nicht nur Gespr\u00e4chsstoff mit.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Und so endete dieser B\u00e4ckereibesuch nicht mit einem klassischen \u201eSch\u00f6nen Tag noch\u201c, sondern mit einem Haufen vor der T\u00fcr und einer Geschichte, die seitdem immer wieder erz\u00e4hlt werden kann.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;So ist das bei uns:&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Manche kommen mit Hund. Manche mit Kind. Jana kam mit Zwergi.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Und Zwergi hinterlie\u00df nicht nur Eindruck.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p class=\&quot;isSelectedEnd\&quot;&gt;&lt;span&gt;Hat dir diese Geschichte gefallen? Dann lies direkt weiter. &lt;\/span&gt;&lt;span style=\&quot;font-size: 18px;\&quot;&gt;In der n\u00e4chsten Backstory geht es um Schulhoferinnerungen, ein Schaumkuss-Br\u00f6tchen und ein altes Wort, das heute nicht mehr an die Theke geh\u00f6rt: &lt;\/span&gt;&lt;strong style=\&quot;font-size: 18px;\&quot;&gt;&lt;a href=\&quot;https:\/\/multilingual-publishing.de\/dont-drop-the-n-word-klatschbroetchen\/\&quot;&gt; Don&#8217;t drop the N-Word!&lt;\/a&gt;&lt;\/strong&gt;&lt;\/p&gt;&quot;,&quot;tablet&quot;:&quot;&lt;h1 data-pm-slice=\&quot;1 1 []\&quot;&gt;&lt;span&gt;Da steht ein Pony vor der B\u00e4ckerei&lt;\/span&gt;&lt;\/h1&gt;\n&lt;p data-pm-slice=\&quot;1 1 []\&quot;&gt;&lt;span&gt;Wenn Kunden ihr Haustier mitbringen, um Br\u00f6tchen zu kaufen \u2013 und es kein Hund ist &lt;\/span&gt;&lt;span&gt;\u2026 dann ist das kein gew\u00f6hnlicher B\u00e4ckereibesuch, sondern eine tierisch gute Geschichte aus unserer B\u00e4ckerei.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Es war ein Freitag im August.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Einer dieser Sommertage, an denen die Luft schon am Nachmittag nach warmem Asphalt, Staub, Sonnencreme und Feierabend riecht. Im Laden war es ruhig genug, um kurz durchzuatmen \u2013 aber nicht ruhig genug, um damit zu rechnen, dass gleich ein Shetlandpony vor der B\u00e4ckerei steht.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Aber genau so kam es.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;An diesem Freitag kam Jana.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Und dieses Mal kam sie nicht allein \u2013 wie sonst \u2013 nach ihrer Arbeit in einem Waldkindergarten. Sie erz\u00e4hlte mir auch nichts vom Pferd \u2013 wie so oft, wenn wir uns sehen.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Nein.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Sie brachte Kristin mit, eine Freundin.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Und Zwergi.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ihr schwarzes Shetlandpony.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Denn wer braucht schon ein Auto, wenn man auch stilvoll auf vier Hufen Br\u00f6tchen holen kann?&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ganz so war es nat\u00fcrlich nicht.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Jana kenne ich schon eine ganze Weile.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Jana ist so ein Mensch, bei dem man nie genau wei\u00df, ob sie gleich nur einen Kaffee bestellt oder nebenbei noch drei Termine, zwei Reitstunden und eine Wetterlage im Kopf sortiert. Sie kommt nicht einfach in die B\u00e4ckerei. Sie ist pl\u00f6tzlich da. Meistens mit guter Laune, manchmal mit Pferdehaaren an der Kleidung und fast immer auf dem Sprung zur Koppel.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Sie ist Erlebnisp\u00e4dagogin und Reitlehrerin \u2013 und eine echte Ureinwohnerin unseres Dorfes. Aufgewachsen hinterm Sch\u00fcberg, zwischen Feldern, W\u00e4ldern und dem Duft frischer Br\u00f6tchen. Nat\u00fcrlich aus unserer B\u00e4ckerei.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Nachmittags ist Jana meistens auf der Koppel \u2013 bei ihren Islandpferden, ihren Litrikir hestar.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Litrikir hestar ist Isl\u00e4ndisch und bedeutet \u201ebunte Pferde\u201c. Ein Begriff, der perfekt zu Janas bunter Herde passt.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Denn Janas Leben ist \u2013 im wahrsten Sinne des Wortes \u2013 ein Ponyhof.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ein bunter Ponyhof.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;h2&gt;&lt;span&gt;Andere machen Marketing. Bei uns steht ein Pony vor der T\u00fcr.&lt;\/span&gt;&lt;\/h2&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Jana war \u00fcbrigens eine der Ersten, die ich kennenlernte, als ich neu im Laden war.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Sie war hocherfreut, dass wir nach drei langen Jahren endlich wieder nachmittags ge\u00f6ffnet hatten \u2013 nach einer Zeit, in der sie auf eine andere B\u00e4ckerei ausweichen musste.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ihr wisst schon: die mit dem Podcast, dem Franz-Merch und dem Umweg auf dem Weg zur Pferdekoppel \u2013 mehr dazu erz\u00e4hle ich in &lt;strong&gt;&lt;a href=\&quot;https:\/\/multilingual-publishing.de\/backstory-2-franzbroetchen\/\&quot;&gt;Backstory #2 \u00fcber das Franzbr\u00f6tchen, das erst noch gebacken werden musste&lt;\/a&gt;&lt;\/strong&gt;.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Das waren harte Jahre f\u00fcr Jana.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Aber seit unser Laden wieder nachmittags ge\u00f6ffnet ist, schaut sie regelm\u00e4\u00dfig vorbei. Und nicht nur das: Sie schickt auch die Eltern der Kinder, die bei ihr Reitunterricht nehmen, zu uns in die B\u00e4ckerei.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Daf\u00fcr lieben wir sie noch ein bisschen mehr.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Andere brauchen Kampagnen, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Bei uns reicht manchmal ein schwarzes Shetlandpony vor der T\u00fcr. Kein Redaktionsplan. Kein Radiospot. Kein Claim. Nur Zwergi, vor der B\u00e4ckerei, als w\u00e4re das v\u00f6llig normal.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Und vielleicht ist genau das der Punkt.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Manche Geschichten entstehen nicht, weil man sie plant. Sie stehen pl\u00f6tzlich vor der T\u00fcr. Mit M\u00e4hne.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;h2&gt;&lt;span&gt;Jana, Kristin und Zwergi kaufen ein&lt;\/span&gt;&lt;\/h2&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Weil ich meine Stammkunden kenne, wei\u00df ich sofort, womit ich Jana gl\u00fccklich machen kann:&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Mit einem gro\u00dfen Latte Macchiato zum Mitnehmen \u2013 und, ganz wichtig, einem Extraschuss kalter Milch.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Das ist kein Detail. Das ist Stammkundenwissen.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Denn in einer B\u00e4ckerei geht es irgendwann nicht mehr nur darum, was jemand bestellt. Es geht darum, dass man wei\u00df, wie jemand seinen Kaffee trinkt, welches Br\u00f6tchen immer geht und wann ein \u201ewie immer?\u201c v\u00f6llig ausreicht.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Doch diesmal war auch Kristin dabei.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Und Zwergi.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Es war hei\u00df. Also griffen die beiden im Vorbeigehen in den K\u00fchlschrank: Eine Bio-Limo f\u00fcr Jana und ein isotonisches Getr\u00e4nk f\u00fcr Kristin \u2013 in einer Farbe, die perfekt zu ihren lackierten Fingern\u00e4geln passte.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Und die sind wirklich sch\u00f6n.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Nat\u00fcrlich blieb es nicht bei den Getr\u00e4nken.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ein paar belegte Br\u00f6tchen wanderten noch in die T\u00fcten. Und nat\u00fcrlich ein, zwei Franzbr\u00f6tchen.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Man muss ja schlie\u00dflich bis zum Abend durchhalten.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Auf der Weide. Mit Kindern auf Pferden. Bei Sommerhitze. Und mit Zwergi im Schlepptau.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Drau\u00dfen wartete Zwergi w\u00e4hrenddessen erstaunlich geduldig. Ein schwarzes Shetlandpony vor der B\u00e4ckerei. Nicht davor geparkt \u2013 das klingt zu technisch. Eher: abgestellt wie ein sehr kleines, sehr selbstbewusstes Verkehrsmittel.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Wer vorbeikam, musste gucken.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Nat\u00fcrlich musste man gucken.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Wann steht schon mal ein Pony vor der B\u00e4ckerei?&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Kinder schauen anders, wenn ein Pony im Spiel ist. Erwachsene \u00fcbrigens auch. Nur versuchen Erwachsene meistens so zu tun, als w\u00fcrden sie ganz normal vorbeigehen, w\u00e4hrend sie innerlich l\u00e4ngst denken:&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ist das gerade wirklich ein Pony?&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ja.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;War es.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;h2&gt;&lt;span&gt;Die Sache mit dem Bargeld&lt;\/span&gt;&lt;\/h2&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Als es ans Bezahlen ging, passierte das, was bei Jana immer passiert:&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ganz l\u00e4ssig zog sie einen dicken Packen Geldscheine aus der Hosentasche.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Man k\u00f6nnte fast meinen, sie h\u00e4tte ein lukratives Zweitbusiness als Geldeintreiberin auf dem Kiez.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Aber nein \u2013 Jana gibt Reitunterricht. Und viele Eltern zahlen die Reitstunden eben noch ganz klassisch: bar auf die Hand.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Kristin und ich k\u00f6nnen uns jedes Mal ein Grinsen nicht verkneifen. Besonders, wenn Jana dann an manchen Tagen auch noch mit dem dicken Auto ihres Mannes vorf\u00e4hrt.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Dann ist das Bild komplett.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Einmal hatte ich einen Kunden im Laden, der mir einen gro\u00dfen Geldschein hinhielt, den ich nicht wechseln konnte. In genau diesem Moment betrat Jana die B\u00e4ckerei.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ich rief ihr zu:&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;\u201eKannst du mal eben 100 Euro wechseln?\u201c&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Und nat\u00fcrlich konnte Jana.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Jana kann immer wechseln.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Zumindest f\u00fchlt es sich so an.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Vielleicht ist sie keine Geldeintreiberin. Aber als mobile Wechselstube w\u00e4re sie absolut glaubw\u00fcrdig.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;h2&gt;&lt;span&gt;Und Zwergi?&lt;\/span&gt;&lt;\/h2&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Zwergi wartete w\u00e4hrenddessen weiter drau\u00dfen.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Geduldig.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Gelassen.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Ein bisschen so, als h\u00e4tte er schon viele Dinge gesehen und als w\u00fcrde ihn eine B\u00e4ckerei nun wirklich nicht aus der Ruhe bringen.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Vielleicht war er sogar der professionellste von uns allen.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;W\u00e4hrend drinnen Getr\u00e4nke, belegte Br\u00f6tchen, Franzbr\u00f6tchen und Geldscheine \u00fcber die Theke gingen, stand drau\u00dfen dieses kleine schwarze Pony und machte aus einem ganz normalen Freitagnachmittag eine Geschichte.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Keine gro\u00dfe Inszenierung. Kein Event. Kein \u201etierischer Aktionstag\u201c mit Plakat und Anmeldung.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Nur Jana. Kristin. Zwergi. Und eine B\u00e4ckerei, die f\u00fcr ein paar Minuten aussah wie die Kulisse eines sehr norddeutschen Kinderbuchs.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Und dann kam der Abschied.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Jana und Kristin machten sich wieder auf den Weg. Die Getr\u00e4nke waren verstaut, das Proviant f\u00fcr sp\u00e4ter auch, die Franzbr\u00f6tchen sowieso. Zwergi war bereit.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Naja.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Fast.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Denn Zwergi hinterlie\u00df uns zum Schluss noch ein ganz besonderes Abschiedsgeschenk vor der B\u00e4ckerei.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Kein Witz.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Einen kleinen Haufen.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Man kann jetzt sagen: Das geh\u00f6rt dazu.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Man kann auch sagen: Wer mit Pony einkaufen geht, bringt eben nicht nur Gespr\u00e4chsstoff mit.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Und so endete dieser B\u00e4ckereibesuch nicht mit einem klassischen \u201eSch\u00f6nen Tag noch\u201c, sondern mit einem Haufen vor der T\u00fcr und einer Geschichte, die seitdem immer wieder erz\u00e4hlt werden kann.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;So ist das bei uns:&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Manche kommen mit Hund. Manche mit Kind. Jana kam mit Zwergi.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Und Zwergi hinterlie\u00df nicht nur Eindruck.&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;&lt;span&gt;Hat dir diese Geschichte gefallen? Dann lies direkt weiter. &lt;span style=\&quot;font-size: 18px;\&quot;&gt;In der n\u00e4chsten Backstory geht es um Schulhoferinnerungen, ein Schaumkuss-Br\u00f6tchen und ein altes Wort, das heute nicht mehr an die Theke geh\u00f6rt: &lt;\/span&gt;&lt;strong style=\&quot;font-size: 18px;\&quot;&gt;&lt;a href=\&quot;https:\/\/multilingual-publishing.de\/dont-drop-the-n-word-klatschbroetchen\/\&quot;&gt; Don&#039;t drop the N-Word!&lt;\/a&gt;&lt;\/strong&gt;&lt;\/span&gt;&lt;\/p&gt;&quot;}},&quot;slug&quot;:&quot;et_pb_text&quot;}" data-et-multi-view-load-tablet-hidden="true"><h1 data-pm-slice="1 1 &#091;&#093;"><span>Da steht ein Pony vor der Bäckerei</span></h1>
<p data-pm-slice="1 1 &#091;&#093;"><span>Wenn Kunden ihr Haustier mitbringen, um Brötchen zu kaufen – und es kein Hund ist </span><span>… dann ist das kein gewöhnlicher Bäckereibesuch, sondern eine tierisch gute Geschichte aus unserer Bäckerei.</span></p>
<p><span>Es war ein Freitag im August.</span></p>
<p><span>Einer dieser Sommertage, an denen die Luft schon am Nachmittag nach warmem Asphalt, Staub, Sonnencreme und Feierabend riecht. Im Laden war es ruhig genug, um kurz durchzuatmen – aber nicht ruhig genug, um damit zu rechnen, dass gleich ein Shetlandpony vor der Bäckerei steht.</span></p>
<p><span>Aber genau so kam es.</span></p>
<p><span>An diesem Freitag kam Jana.</span></p>
<p><span>Und dieses Mal kam sie nicht allein – wie sonst – nach ihrer Arbeit in einem Waldkindergarten. Sie erzählte mir auch nichts vom Pferd – wie so oft, wenn wir uns sehen.</span></p>
<p><span>Nein.</span></p>
<p><span>Sie brachte Kristin mit, eine Freundin.</span></p>
<p><span>Und Zwergi.</span></p>
<p><span>Ihr schwarzes Shetlandpony.</span></p>
<p><span>Denn wer braucht schon ein Auto, wenn man auch stilvoll auf vier Hufen Brötchen holen kann?</span></p>
<p><span>Ganz so war es natürlich nicht.</span></p>
<p><span>Jana kenne ich schon eine ganze Weile.</span></p>
<p><span>Jana ist so ein Mensch, bei dem man nie genau weiß, ob sie gleich nur einen Kaffee bestellt oder nebenbei noch drei Termine, zwei Reitstunden und eine Wetterlage im Kopf sortiert. Sie kommt nicht einfach in die Bäckerei. Sie ist plötzlich da. Meistens mit guter Laune, manchmal mit Pferdehaaren an der Kleidung und fast immer auf dem Sprung zur Koppel.</span></p>
<p><span>Sie ist Erlebnispädagogin und Reitlehrerin – und eine echte Ureinwohnerin unseres Dorfes. Aufgewachsen hinterm Schüberg, zwischen Feldern, Wäldern und dem Duft frischer Brötchen. Natürlich aus unserer Bäckerei.</span></p>
<p><span>Nachmittags ist Jana meistens auf der Koppel – bei ihren Islandpferden, ihren Litrikir hestar.</span></p>
<p><span>Litrikir hestar ist Isländisch und bedeutet „bunte Pferde“. Ein Begriff, der perfekt zu Janas bunter Herde passt.</span></p>
<p><span>Denn Janas Leben ist – im wahrsten Sinne des Wortes – ein Ponyhof.</span></p>
<p><span>Ein bunter Ponyhof.</span></p>
<h2><span>Andere machen Marketing. Bei uns steht ein Pony vor der Tür.</span></h2>
<p><span>Jana war übrigens eine der Ersten, die ich kennenlernte, als ich neu im Laden war.</span></p>
<p><span>Sie war hocherfreut, dass wir nach drei langen Jahren endlich wieder nachmittags geöffnet hatten – nach einer Zeit, in der sie auf eine andere Bäckerei ausweichen musste.</span></p>
<p><span>Ihr wisst schon: die mit dem Podcast, dem Franz-Merch und dem Umweg auf dem Weg zur Pferdekoppel – mehr dazu erzähle ich in <strong><a href="https://multilingual-publishing.de/backstory-2-franzbroetchen/">Backstory #2 über das Franzbrötchen, das erst noch gebacken werden musste</a></strong>.</span></p>
<p><span>Das waren harte Jahre für Jana.</span></p>
<p><span>Aber seit unser Laden wieder nachmittags geöffnet ist, schaut sie regelmäßig vorbei. Und nicht nur das: Sie schickt auch die Eltern der Kinder, die bei ihr Reitunterricht nehmen, zu uns in die Bäckerei.</span></p>
<p><span>Dafür lieben wir sie noch ein bisschen mehr.</span></p>
<p><span>Andere brauchen Kampagnen, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Bei uns reicht manchmal ein schwarzes Shetlandpony vor der Tür. Kein Redaktionsplan. Kein Radiospot. Kein Claim. Nur Zwergi, vor der Bäckerei, als wäre das völlig normal.</span></p>
<p><span>Und vielleicht ist genau das der Punkt.</span></p>
<p><span>Manche Geschichten entstehen nicht, weil man sie plant. Sie stehen plötzlich vor der Tür. Mit Mähne.</span></p>
<h2><span>Jana, Kristin und Zwergi kaufen ein</span></h2>
<p><span>Weil ich meine Stammkunden kenne, weiß ich sofort, womit ich Jana glücklich machen kann:</span></p>
<p><span>Mit einem großen Latte Macchiato zum Mitnehmen – und, ganz wichtig, einem Extraschuss kalter Milch.</span></p>
<p><span>Das ist kein Detail. Das ist Stammkundenwissen.</span></p>
<p><span>Denn in einer Bäckerei geht es irgendwann nicht mehr nur darum, was jemand bestellt. Es geht darum, dass man weiß, wie jemand seinen Kaffee trinkt, welches Brötchen immer geht und wann ein „wie immer?“ völlig ausreicht.</span></p>
<p><span>Doch diesmal war auch Kristin dabei.</span></p>
<p><span>Und Zwergi.</span></p>
<p><span>Es war heiß. Also griffen die beiden im Vorbeigehen in den Kühlschrank: Eine Bio-Limo für Jana und ein isotonisches Getränk für Kristin – in einer Farbe, die perfekt zu ihren lackierten Fingernägeln passte.</span></p>
<p><span>Und die sind wirklich schön.</span></p>
<p><span>Natürlich blieb es nicht bei den Getränken.</span></p>
<p><span>Ein paar belegte Brötchen wanderten noch in die Tüten. Und natürlich ein, zwei Franzbrötchen.</span></p>
<p><span>Man muss ja schließlich bis zum Abend durchhalten.</span></p>
<p><span>Auf der Weide. Mit Kindern auf Pferden. Bei Sommerhitze. Und mit Zwergi im Schlepptau.</span></p>
<p><span>Draußen wartete Zwergi währenddessen erstaunlich geduldig. Ein schwarzes Shetlandpony vor der Bäckerei. Nicht davor geparkt – das klingt zu technisch. Eher: abgestellt wie ein sehr kleines, sehr selbstbewusstes Verkehrsmittel.</span></p>
<p><span>Wer vorbeikam, musste gucken.</span></p>
<p><span>Natürlich musste man gucken.</span></p>
<p><span>Wann steht schon mal ein Pony vor der Bäckerei?</span></p>
<p><span>Kinder schauen anders, wenn ein Pony im Spiel ist. Erwachsene übrigens auch. Nur versuchen Erwachsene meistens so zu tun, als würden sie ganz normal vorbeigehen, während sie innerlich längst denken:</span></p>
<p><span>Ist das gerade wirklich ein Pony?</span></p>
<p><span>Ja.</span></p>
<p><span>War es.</span></p>
<h2><span>Die Sache mit dem Bargeld</span></h2>
<p><span>Als es ans Bezahlen ging, passierte das, was bei Jana immer passiert:</span></p>
<p><span>Ganz lässig zog sie einen dicken Packen Geldscheine aus der Hosentasche.</span></p>
<p><span>Man könnte fast meinen, sie hätte ein lukratives Zweitbusiness als Geldeintreiberin auf dem Kiez.</span></p>
<p><span>Aber nein – Jana gibt Reitunterricht. Und viele Eltern zahlen die Reitstunden eben noch ganz klassisch: bar auf die Hand.</span></p>
<p><span>Kristin und ich können uns jedes Mal ein Grinsen nicht verkneifen. Besonders, wenn Jana dann an manchen Tagen auch noch mit dem dicken Auto ihres Mannes vorfährt.</span></p>
<p><span>Dann ist das Bild komplett.</span></p>
<p><span>Einmal hatte ich einen Kunden im Laden, der mir einen großen Geldschein hinhielt, den ich nicht wechseln konnte. In genau diesem Moment betrat Jana die Bäckerei.</span></p>
<p><span>Ich rief ihr zu:</span></p>
<p><span>„Kannst du mal eben 100 Euro wechseln?“</span></p>
<p><span>Und natürlich konnte Jana.</span></p>
<p><span>Jana kann immer wechseln.</span></p>
<p><span>Zumindest fühlt es sich so an.</span></p>
<p><span>Vielleicht ist sie keine Geldeintreiberin. Aber als mobile Wechselstube wäre sie absolut glaubwürdig.</span></p>
<h2><span>Und Zwergi?</span></h2>
<p><span>Zwergi wartete währenddessen weiter draußen.</span></p>
<p><span>Geduldig.</span></p>
<p><span>Gelassen.</span></p>
<p><span>Ein bisschen so, als hätte er schon viele Dinge gesehen und als würde ihn eine Bäckerei nun wirklich nicht aus der Ruhe bringen.</span></p>
<p><span>Vielleicht war er sogar der professionellste von uns allen.</span></p>
<p><span>Während drinnen Getränke, belegte Brötchen, Franzbrötchen und Geldscheine über die Theke gingen, stand draußen dieses kleine schwarze Pony und machte aus einem ganz normalen Freitagnachmittag eine Geschichte.</span></p>
<p><span>Keine große Inszenierung. Kein Event. Kein „tierischer Aktionstag“ mit Plakat und Anmeldung.</span></p>
<p><span>Nur Jana. Kristin. Zwergi. Und eine Bäckerei, die für ein paar Minuten aussah wie die Kulisse eines sehr norddeutschen Kinderbuchs.</span></p>
<p><span>Und dann kam der Abschied.</span></p>
<p><span>Jana und Kristin machten sich wieder auf den Weg. Die Getränke waren verstaut, das Proviant für später auch, die Franzbrötchen sowieso. Zwergi war bereit.</span></p>
<p><span>Naja.</span></p>
<p><span>Fast.</span></p>
<p><span>Denn Zwergi hinterließ uns zum Schluss noch ein ganz besonderes Abschiedsgeschenk vor der Bäckerei.</span></p>
<p><span>Kein Witz.</span></p>
<p><span>Einen kleinen Haufen.</span></p>
<p><span>Man kann jetzt sagen: Das gehört dazu.</span></p>
<p><span>Man kann auch sagen: Wer mit Pony einkaufen geht, bringt eben nicht nur Gesprächsstoff mit.</span></p>
<p><span>Und so endete dieser Bäckereibesuch nicht mit einem klassischen „Schönen Tag noch“, sondern mit einem Haufen vor der Tür und einer Geschichte, die seitdem immer wieder erzählt werden kann.</span></p>
<p><span>So ist das bei uns:</span></p>
<p><span>Manche kommen mit Hund. Manche mit Kind. Jana kam mit Zwergi.</span></p>
<p><span>Und Zwergi hinterließ nicht nur Eindruck.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Hat dir diese Geschichte gefallen? Dann lies direkt weiter. </span><span style="font-size: 18px;">In der nächsten Backstory geht es um Schulhoferinnerungen, ein Schaumkuss-Brötchen und ein altes Wort, das heute nicht mehr an die Theke gehört: </span><strong style="font-size: 18px;"><a href="https://multilingual-publishing.de/dont-drop-the-n-word-klatschbroetchen/"> Don&#8217;t drop the N-Word!</a></strong></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><span>MOIN ❤️ Hier schreibt Yvonne. Ich verbinde Publishing, Sprachen und digitale Barrierefreiheit. In meinem Journal schreibe ich über gute Kommunikation, kluge Strukturen und die kleinen Beobachtungen dazwischen. </span><span>Ich mag meine Arbeit in der Bäckerei, Kundinnen mit Geschichten und Tiere, die vor der Tür warten, als wäre das alles völlig normal. </span><span style="font-size: 16px;">Hauptsache, alle haben Spaß.</span></p></div>
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		<title>Backstory #2: Das Franzbrötchen, das erst noch gebacken werden musste</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Yvonne Frank]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 May 2026 18:58:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Backstory]]></category>
		<category><![CDATA[diebackstoryserie]]></category>
		<category><![CDATA[backstory 2]]></category>
		<category><![CDATA[Franzbroetchen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten aus der Landbäckerei]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de">multilingual-publishing</a><br />
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<a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de/backstory-2-franzbroetchen/">Backstory #2: Das Franzbrötchen, das erst noch gebacken werden musste</a></p>
<p>Ein kaputtes Türschloss, eine ausgesperrte Frühschicht, ein hilfsbereiter Stammkunde und am Ende gibt es doch noch pünktlich Franzbrötchen. Eine echte Geschichte aus unserer Bäckerei.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de">multilingual-publishing</a><br />
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<a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de/backstory-2-franzbroetchen/">Backstory #2: Das Franzbrötchen, das erst noch gebacken werden musste</a></p>

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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Wenn Einbrecher das Türschloss demolieren, die Frühschicht ausgesperrt bleibt, ein Stammkunde die Situation rettet und es am Ende doch noch pünktlich Franzbrötchen gibt, dann ist das: eine Geschichte aus unserer Bäckerei.</p>
<p><span>Bei uns im Ort gibt es zwei Bäckereien. Die eine ist laut. Die andere backt.</span></p>
<p><span>Die eine macht einfach alles im Marketing, was geht: Podcast, Merch mit lustigen Franz-Sprüchen, Radiospots, in denen die besten Franzbrötchen der Stadt beworben werden. Natürlich kommen die aus genau dieser Bäckerei.</span></p>
<p><span>Ich glaube fast, wenn du dort ein Franzbrötchen kaufst, bekommst du automatisch auch einen Jingle zum Download dazu. Und der Jingle ist im Preis selbstverständlich inbegriffen.</span></p>
<p><span>Das ist schon clever. Wirklich. Ich kann das als Selbstständige sogar bewundern. Da hat jemand verstanden, wie Sichtbarkeit funktioniert: Wiedererkennbarkeit, Humor, Produktstolz, eine klare Botschaft und ein Gebäck, das als Marke funktioniert.</span></p>
<p><span>Franzbrötchen sind dafür natürlich dankbar. Sie haben diesen kleinen Kultstatus. Man kann sie fotografieren, man kann Sprüche darüber machen, man kann daraus Merch bauen. Ein Franzbrötchen ist nicht einfach nur ein Teilchen. Es ist ein norddeutsches Statement mit Zimt.</span></p>
<p><span>Aber manchmal frage ich mich auch: Was bleibt eigentlich übrig, wenn man den ganzen Jingle, die Sprüche und die Kampagne wegnimmt?</span></p>
<p><span>Bei uns bleibt dann: der Ofen.</span></p>
<p><span>Und der muss morgens laufen.</span></p>
<p><span>Ich arbeite in der anderen Bäckerei.</span></p>
<p><span>In der, die drei Jahre lang nachmittags geschlossen hatte – aus Personalmangel. So lange, dass viele gar nicht mitbekommen haben, dass wir seit über einem Jahr wieder bis 18 Uhr geöffnet haben.</span></p>
<p><span>Hier gibt es keinen großen Werbeapparat. Hier wird gebacken. Und manchmal passieren dabei Geschichten, die sich kein Marketingteam besser ausdenken könnte.</span></p>
<h2><span>Der Montagmorgen, an dem nichts ging</span></h2>
<p><span>An einem Montagmorgen stand unsere Frühschicht um 4:58 Uhr vor der verschlossenen Tür.</span></p>
<p><span>Und nichts ging.</span></p>
<p><span>In der Nacht hatte jemand versucht, bei uns einzubrechen. Das Türschloss war kaputt. Der Schlüssel passte nicht mehr. Die Polizei kam zwar – aber Türen öffnen dürfen sie nicht.</span></p>
<p><span>Unsere Frühschicht stand also draußen.</span></p>
<p><span>Bereit zum Backen. Aber leider ausgesperrt.</span></p>
<p><span>Und dann kam ein Stammkunde.</span></p>
<p><span>Jemand, der helfen konnte, weil er das passende Werkzeug zu Hause hatte. Zum Glück. Denn was danach passierte, war das Wichtigste:</span></p>
<p><span>Es wurde gebacken.</span></p>
<h2><span>Ohne Franz geht hier keiner zur Arbeit</span></h2>
<p><span>Brötchen in allen möglichen Varianten, duftende Croissants – und natürlich Franzbrötchen.</span></p>
<p><span>Für viele hier im Norden ist ein Franzbrötchen mehr als Frühstück. Eher Grundversorgung.</span></p>
<p><span>Unsere Bäckerei hat keinen Podcast, keinen Werbespot und wir verkaufen auch keinen Franz-Merch.</span></p>
<p><span>Keine Jutebeutel mit „Friede, Freude, Franz“-Sprüchen. Keine Franz-Tennissocken. Keine Hoodies. Und auch keine Strampler.</span></p>
<p><span>Andere machen im Radio Werbung für ihre Franzbrötchen.</span></p>
<p><span>Wir backen einfach welche. Und zwar richtig gute.</span></p>
<p><span>Das ist vielleicht weniger laut. Es ist auch nicht besonders skalierbar, wie man im Marketing sagen würde. Keine Funnel-Strategie, kein Leadmagnet, kein Franzbrötchen-Newsletter mit fünfteiliger Willkommenssequenz.</span></p>
<p><span>Aber es ist echt.</span></p>
<p><span>Und vielleicht ist genau das der Punkt: Nicht jede gute Geschichte entsteht, weil jemand sie geplant hat. Manche entstehen, weil morgens um fünf das Schloss kaputt ist, die Frühschicht draußen steht und ein Stammkunde zufällig das richtige Werkzeug zu Hause hat.</span></p>
<p><span>Unsere Franzbrötchen haben Seele, Zimt und sind ein bisschen sabschig. Das Wort verstehen Leute im Raum Hamburg sofort. Und alle anderen spätestens nach dem ersten Biss: weich, zimtig, klebrig, saftig – genau richtig.</span></p>
<p><span>So muss das.</span></p>
<p><span>Denn ohne Franz geht bei uns im echten Norden keiner zur Arbeit. Manchmal auch mit Streuseln oder Schokolade, aber am liebsten ganz klassisch.</span></p>
<p><span>Vielleicht sollten wir doch mal einen Podcast starten:</span></p>
<p><strong><span>„True Crime in der Backstube“</span></strong></p>
<p><strong>Folge 1: Das Franzbrötchen, das erst noch gebacken werden musste.</strong></p>
<h2><span>Und was hat dieser Franz damit zu tun? Oder war er es überhaupt?</span></h2>
<p><span>War Franz der Mann, der morgens in der Backstube stand und dachte: „Heute mache ich mal etwas mit Zimt, Butter und maximaler Klebrigkeit“?</span></p>
<p><span>Wahrscheinlich nicht.</span></p>
<p><span>Zumindest nicht so einfach.</span></p>
<p><span>Die Herkunft des Franzbrötchens ist nämlich nicht eindeutig belegt. Eine Geschichte führt in die Hamburger Franzosenzeit Anfang des 19. Jahrhunderts. Damals sollen Hamburger Bäcker Brot nach französischer Art gebacken haben: Franzbrot oder Franschbroot. Daraus könnte später das Franzbrötchen geworden sein.</span></p>
<p><span>Eine andere Spur führt nach Altona. Dort gab es einen „Franzschen“ beziehungsweise französischen Bäcker, der mit der Entstehung des Franzbrötchens in Verbindung gebracht wird.</span></p>
<p><span>Sicher ist also nur: Es war wahrscheinlich weniger ein einzelner Franz mit genialer Zimt-Idee – und mehr eine sehr norddeutsche Mischung aus französischem Einfluss, Hamburger Backstuben, Butter, Zucker und der Fähigkeit, aus allem etwas Eigenes zu machen.</span></p>
<p><span>Und ganz ehrlich: Das passt doch.</span></p>
<p><span>Aus einem französisch inspirierten Brot wird in Hamburg ein zimtiges, sabschiges Franzbrötchen.</span></p>
<p><span>Mehr norddeutsch kann kulturelle Aneignung von Gebäck kaum werden.</span></p>
<p><span>Und deshalb wird es auch emotional, sobald Norddeutsche südlich der Elbe wohnen müssen.</span></p>
<p><span>In Süddeutschland gibt es Laugengebäck an jeder Ecke. Brezeln, Laugenstangen, Laugenzöpfe und wahrscheinlich auch Laugen-USB-Sticks, wenn man lange genug sucht.</span></p>
<p><span>Aber frag mal jemanden aus dem Norden, der in Bayern oder Baden-Württemberg im Exil lebt, nach Franzbrötchen.</span></p>
<p><span>Dann kommt dieser Blick.</span></p>
<p><span>Dieser Blick, der sagt: „Hier gibt es alles. Berge, Seen, schöne Altstädte. Aber kein ordentliches Franzbrötchen.“</span></p>
<p><span>Und wenn du dann noch nach Hanseaten fragst, wird es ganz traurig.</span></p>
<p><span>Hanseaten sind ja auch so ein norddeutsches Gebäck, das man erst vermisst, wenn es plötzlich nicht mehr selbstverständlich in der Auslage liegt. Zwei Mürbeteigscheiben, Marmelade dazwischen, rot-weiße Glasur oben drauf. Einfach. Schön. Norddeutsch. Und erstaunlich schwer zu bekommen, sobald man zu weit nach Süden fährt.</span></p>
<p><span>Vielleicht ist das der Grund, warum Franzbrötchen so beliebt sind: Sie schmecken nicht nur nach Zimt und Zucker. Sie schmecken nach Zuhause. Nach Bäckertüte. Nach Schultagen. Nach Bahnhof morgens um halb acht. Nach „Ich nehme noch schnell eins mit“.</span></p>
<p><span>Und manchmal eben auch nach einem Montagmorgen, an dem sie fast nicht rechtzeitig in den Ofen gekommen wären. </span></p>
<p><span>Hat dir die Geschichte gefallen? Hier geht&#8217;s zur nächsten tierisch guten Geschichte: <a href="https://multilingual-publishing.de/backstory-3-pony-vor-der-backerei/" title="Backstory #3: Da steht ein Pony vor der Bäckerei"><strong>Backstory #3: Da steht ein Pony vor der Bäckerei</strong></a>.</span></p>
<p><span></span></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>MOIN ❤️ Hier schreibt Yvonne. Ich verbinde Publishing, Sprachen und digitale Barrierefreiheit. In meinem Journal schreibe ich über gute Kommunikation, kluge Strukturen – und dazwischen gibt es die eine oder andere Backstory aus unserer kleinen, feinen Landbäckerei. Achja, und ich mag Franzbrötchen, die auch beim zweiten Biss nicht gleich auseinanderfallen. Hauptsache schön sabschig.</p></div>
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		<title>Backstory #4: Don&#8217;t drop the N-word</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Yvonne Frank]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jun 2026 19:47:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Backstory]]></category>
		<category><![CDATA[diebackstoryserie]]></category>
		<category><![CDATA[backstory 4]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten aus der Landbäckerei]]></category>
		<category><![CDATA[schaumkuss]]></category>
		<category><![CDATA[schaumkuss brötchen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de">multilingual-publishing</a><br />
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<a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de/dont-drop-the-n-word-klatschbroetchen/">Backstory #4: Don&#8217;t drop the N-word</a></p>
<p>Ein Brötchen mit Schaumkuss weckt Kindheitserinnerungen und plötzlich steht ein altes Wort mit an der Theke. Eine kleine Szene aus der Bäckerei über Sprache, Generationen und die Freiheit, Dinge heute anders zu nennen.</p>
<p>The post <a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de/dont-drop-the-n-word-klatschbroetchen/">Backstory #4: Don&#8217;t drop the N-word</a> first appeared on <a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de">multilingual-publishing</a> and is written by <a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de/author/yvonnefrank/">Yvonne Frank</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de">multilingual-publishing</a><br />
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<a rel="nofollow" href="https://multilingual-publishing.de/dont-drop-the-n-word-klatschbroetchen/">Backstory #4: Don&#8217;t drop the N-word</a></p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h1><span>Don’t drop the N-Word</span></h1>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ein Brötchen. Ein Schaumkuss. Einmal kräftig zudrücken und reinbeißen. Für viele ist das der Geschmack von Pausenhof, klebrigen Fingern und Kindheit.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Für andere ist es ein Wort, das hängen bleibt. Nicht fluffig, knusprig und klebrig süß, nicht nostalgisch, nicht harmlos. Sondern verletzend.</span></p>
<p class="isSelectedEnd">Und manchmal reicht genau so ein Brötchen in der Auslage, damit es zwischen den Generationen kurz kracht, nicht laut und nicht böse, aber spürbar genug, dass man es direkt vor der Bäckertheke merkt.</p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Es ist Donnerstagnachmittag, 13:30 Uhr.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Die Mittagswelle ist gerade durch. Die belegten Brötchen sind weniger geworden, der Kaffeeautomat gurgelt noch vor sich hin, und draußen hängt dieser typische Wochentagsnachmittag in der Luft: ein bisschen müde, ein bisschen eilig, ein bisschen „eigentlich müsste ich noch einkaufen“.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Da geht die Tür auf.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Eine Mutter kommt mit ihrem Kind in die Bäckerei. Das Kind ist vielleicht sechs oder sieben Jahre alt, also genau in diesem Alter, in dem man noch mit dem ganzen Gesicht staunen kann. Es läuft direkt zur Glasvitrine, stellt sich auf die Zehenspitzen und drückt sich fast die Nase platt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Vor ihm liegen Laugenstangen, Amerikaner, Streuselschnecken, Franzbrötchen, ein paar Mandelhörnchen. Und mittendrin: ein Brötchen, aus dem ein Schaumkuss herausragt wie ein kleiner Schokoladenvulkan kurz vor dem Ausbruch.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das Kind reißt die Augen auf.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Oooh Mama, was ist DAS? Das will ich!“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Die Mutter beugt sich herunter. Ihr Blick fällt auf das Brötchen. Und dann passiert dieser eine kleine Moment, den man hinter der Theke sehr genau erkennt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Sie weiß, was sie sagen will.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das Wort liegt schon auf ihrer Zunge. Es ist quasi vorne an der Kante. Bereit zum Sprung. Ein Wort aus ihrer Kindheit. Ein Wort, das früher auf Schulhöfen, bei Bäckern, auf Kindergeburtstagen und in Freibadkiosken ganz selbstverständlich benutzt wurde.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Sie holt Luft.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Ach guck mal… das ist ein—“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Pause.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Nicht lang. Aber lang genug.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Man sieht förmlich, wie es in ihrem Kopf arbeitet. Früher hieß das doch so. Aber darf man das noch sagen? Sagt man das noch? Wie heißt das jetzt? Was sagt man, ohne dass gleich jemand guckt?</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und noch bevor sie sich sortieren kann, kommt das Kind ihr zuvor.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Es rollt mit den Augen. So wie Kinder mit den Augen rollen, wenn Erwachsene wieder kurz davor sind, sich gesellschaftlich komplett ins Aus zu manövrieren.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Mama, das sagt man heute nicht mehr!“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Stille.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Drei Menschen in der Schlange drehen sich gleichzeitig ein kleines bisschen um. Nicht auffällig natürlich. Wir sind ja im Norden. Hier wird nicht gestarrt, hier wird nur sehr präzise aus dem Augenwinkel beobachtet.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Einer hustet. Eine ältere Dame schaut plötzlich sehr interessiert auf die Mehrkornbrötchen. Und ich stehe hinter der Theke, hebe innerlich eine Augenbraue und denke: Ja. Da ist sie wieder. Die kleine Schaumkuss-Debatte des Alltags.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Die Mutter wird rot.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Ich wollte doch nur… also früher hieß das doch noch…“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und genau da liegt der ganze Knoten.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Denn ja, früher hieß vieles anders. Früher hat man vieles gesagt, ohne groß darüber nachzudenken. Manche Worte waren Teil des Alltags, Teil der Kindheit, Teil von Erinnerungen. Aber nur weil ein Wort früher normal war, war es nicht automatisch gut.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das ist vielleicht der unangenehmste Teil an Nostalgie: Sie fühlt sich warm an, aber sie hat nicht immer recht.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ich lächle die Mutter an.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Das ist unser Klatschbrötchen“, sage ich. „Manche nennen es auch Matschbrötchen.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das Kind nickt zufrieden, als hätte es gerade einen wichtigen Punkt in einer internationalen Verhandlung geklärt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Dann nehme ich ein Klatschbrötchen.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Sehr gut. Fall erledigt. Weltfrieden vorerst wiederhergestellt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und trotzdem bleibt diese Szene bei mir hängen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Denn hinter der Theke sieht man viele kleine Dinge, die größer sind, als sie auf den ersten Blick wirken. Menschen kaufen Brötchen, Kaffee, Kuchen, belegte Schrippen. Aber sie bringen immer auch etwas mit: Gewohnheiten, Erinnerungen, Unsicherheiten, Sätze von früher.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Manche bestellen „wie immer“, obwohl sie seit drei Wochen etwas anderes nehmen wollen, um den lieben Hausfrieden nicht zu gefährden</span><span>. Manche sagen „Moin“ und meinen damit alles von „Guten Tag“ bis „Ich hatte eine anstrengende Woche“. Und manche stehen vor einem Brötchen mit Schaumkuss und merken plötzlich, dass Sprache sich verändert hat, während sie selbst nur kurz Brötchen holen wollten.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ich bin in der DDR aufgewachsen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Für uns war schon ein einzelner Schokokuss etwas Besonderes. Ein kleines Fest. Ein Brötchen drumherum? Das wäre fast übertrieben gewesen. Wenn es einen Schokokuss gab, dann aß man ihn. Möglichst schnell. Möglichst ohne großes Drama. Und wenn mehrere Kinder in der Nähe waren, vielleicht auch ein bisschen heimlich, um keinen Unfrieden zu stiften.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Im Osten klebte man sich eher eine Schlagersüßtafel zwischen zwei Brötchenhälften. Das war praktisch, süß und sättigend. Ich kenne das nur vom Hörensagen. Ein Schokokuss hatte nicht diesen selbstverständlichen Pausenhofstatus, den er für viele im Westen hatte.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Vielleicht sehe ich deswegen in diesem Klatschbrötchen nicht nur ein Stück Kindheit. Ich sehe auch ein kleines Stück Freiheit.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Die Freiheit, Dinge neu zu nennen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Die Freiheit, schöne Erinnerungen zu behalten, ohne verletzende Worte mitzuschleppen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Die Freiheit, zu sagen: Ja, das war früher so. Und nein, wir müssen es nicht genauso weitergeben.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ich glaube, genau darum geht es oft. Nicht darum, jemandem die Kindheit wegzunehmen. Nicht darum, alles zu verbieten, was früher einmal normal war. Sondern darum, hinzuhören. Zu verstehen, dass ein Wort für die eine Person harmlos klingen kann, während es für eine andere nicht harmlos ist.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und ganz ehrlich: Wenn ein Brötchen daran scheitert, dass es einen neuen Namen bekommt, dann war es vielleicht nie besonders stabil gebaut.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Unseres hält das aus.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Es heißt Klatschbrötchen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und der Name passt hervorragend. Denn bei uns wird der Schaumkuss nicht einfach dekorativ zwischen zwei Brötchenhälften gelegt und dann nobel überreicht. Nein. Der eigentliche Zauber passiert erst beim Klatschen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Man nimmt das Brötchen. Man klappt es zusammen. Der Schaum verteilt sich. Die Schokolade knackt. Es wird ein bisschen chaotisch. Ein bisschen klebrig. Ein bisschen herrlich.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Kurz gesagt: Es sieht danach nicht mehr unbedingt elegant aus.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Aber es schmeckt.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und vielleicht ist das die schönste Lösung für diesen kleinen Kulturclash an der Theke: Wir diskutieren nicht ewig über das alte Wort. Wir nehmen ein neues. Wir klatschen das Brötchen zusammen. Und dann essen wir es.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Natürlich frage ich vorher.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Immer.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Soll ich für Sie klatschen oder möchten Sie selbst klatschen?“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Diese Frage ist inzwischen einer meiner liebsten Sätze hinter der Theke.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Manche lachen sofort. Manche gucken kurz irritiert. Manche sagen: „Ach, machen Sie mal, Sie können das bestimmt besser.“ Und Kinder wollen natürlich fast immer selbst klatschen. Verständlich. Wann darf man schon mal offiziell Essen plattdrücken?</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Dann steht da ein Kind vor der Theke, nimmt dieses Brötchen entgegen, beißt hinein und hat Schaum an der Nase. Die Mutter lacht. Die Schlange entspannt sich. Der ältere Herr, der eben noch sehr interessiert auf die Mehrkornbrötchen geguckt hat, bestellt plötzlich auch eins.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Aber bitte schon geklatscht.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>So einfach kann es manchmal sein.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Ein Brötchen. Ein Schaumkuss. Ein neues Wort. Ein kleines Lächeln.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und irgendwo dazwischen passiert etwas, das größer ist als ein Gebäckstück. Sprache bewegt sich. Menschen bewegen sich mit. Nicht immer elegant. Nicht immer ohne Stolpern. Aber manchmal reicht schon ein Kind, das sagt: „Mama, das sagt man heute nicht mehr.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Und eine Bäckerei, die antwortet:</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>„Stimmt. Bei uns heißt das Klatschbrötchen.“</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Während draußen die Welt manchmal hitzig diskutiert, machen wir hinter der Theke weiter, was wir am besten können: Brötchen einpacken, Kaffee ausschenken, zuhören, lächeln und ab und zu ein kleines Stück Frieden zusammenklatschen.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Das Leben kann so einfach sein.</span></p>
<p class="isSelectedEnd"><span>Zumindest für einen Moment.</span></p>
<p><span>Und manchmal reicht dafür ein Brötchen mit Schaumkuss.</span></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>MOIN ❤️ Hier schreibt Yvonne. Ich verbinde Publishing, Sprachen und digitale Barrierefreiheit. In meinem Journal schreibe ich über gute Kommunikation, kluge Strukturen – und dazwischen gibt es die eine oder andere Backstory aus unserer kleinen, feinen Landbäckerei.</p></div>
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		<title>Backstory #1: Es gibt sie. Die Sonne in der Spätschicht.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Yvonne Frank]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 May 2026 12:44:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Backstory]]></category>
		<category><![CDATA[diebackstoryserie]]></category>
		<category><![CDATA[backstory 1]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten aus der Landbäckerei]]></category>
		<category><![CDATA[guenther]]></category>
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<p>Manchmal fühlt sich ein Neuanfang zuerst wie ein Rückschritt an. Bis man merkt, dass man dabei nicht zurückgeht, sondern näher bei sich selbst ankommt.</p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h1 data-start="61" data-end="528">Es gibt sie. Die Sonne in der Spätschicht.</h1>
<p data-start="61" data-end="528">Es war Anfang 2024, als ich zu meinem Freund sagte: „Wenn das so weitergeht und die Aufträge ausbleiben, dann fange ich beim Bäcker an.“ Ich hatte nicht wirklich vor, diesen Satz wahr zu machen. Es war eher einer dieser Sätze, die man ausspricht, wenn man spürt, dass sich etwas verschiebt, aber noch nicht bereit ist, es wirklich anzusehen. Zwei Monate später stand ich tatsächlich hinter der Theke einer Landbäckerei. Mit Schürze. Mit Namensschild. Mit Spätschicht.</p>
<p data-start="530" data-end="1164">Was ich damals noch nicht wusste: Nicht nur beruflich hatte sich etwas verändert. Auch in meiner Beziehung war längst etwas in Bewegung geraten. Zwei Monate nach meinem kleinen Karrierewechsel hatte ich nicht nur einen neuen Job, sondern auch einen Exfreund. Es war schmerzhaft. Aber auch befreiend. Da stand ich also, mit einem frisch gebackenen Croissant in der Hand, und dachte: Manchmal muss erst etwas zerbrechen, damit etwas Neues entstehen kann. Der Job in der Landbäckerei war deshalb nie nur ein Job. Er wurde zu einem Wendepunkt. Zum Ende einer Beziehung. Und zum Anfang von etwas, das ich damals noch nicht benennen konnte.</p>
<p data-start="1166" data-end="1863">Am Anfang fühlte es sich trotzdem wie ein Rückschritt an. Von internationalen Publishing-Projekten in vielen Sprachen zu Brötchentüten, Kuchenstücken und Kaffeemaschine. Von komplexen Layouts zu belegten Brötchen. Von Kundenterminen zu „Darf es sonst noch etwas sein?“ Jahrelang war ich gut gebucht gewesen, spezialisiert auf Fremdsprachensatz, Layout und Publishing-Projekte in rund 50 Sprachen. Dann kamen KI-Tools, Automatisierungen, gestrichene Budgets und plötzlich weniger Projekte. Nicht langsam, nicht sanft, sondern eher so, als hätte jemand über Nacht das Licht gedimmt. Für Soloselbstständige fühlt sich so etwas nicht nach abstrakter Marktveränderung an. Es fühlt sich existenziell an.</p>
<p data-start="1865" data-end="2416">Also tat ich etwas, das ich vorher nur halb trotzig ausgesprochen hatte: Ich nahm einen Job in einer Landbäckerei an. Zwanzig Stunden pro Woche, Spätschicht, fünf Minuten mit dem Auto von zu Hause entfernt. Und irgendwann merkte ich, dass es sich nicht falsch anfühlte. Ich verkaufte Brot, Kuchen und Kaffee, aber eigentlich ging viel mehr über die Theke: Gespräche, Wärme, Gewohnheiten, kleine Gesten. Manchmal auch Sorgen, die jemand nicht direkt aussprach, die aber trotzdem zwischen „zwei Mohnbrötchen bitte“ und „noch ein Stück Käsekuchen“ lagen.</p>
<p data-start="2418" data-end="2842">Ich lernte Menschen kennen, die jeden Tag kamen. Menschen, die genau wussten, welche Brötchen sie wollten. Menschen, die nur nickten und sagten: „Wie immer.“ Menschen, die sich freuten, wenn man sich an sie erinnerte. Und ich merkte, wie viel Würde in solchen kleinen Momenten steckt. Nicht jeder Mensch braucht eine große Bühne. Manche brauchen einfach jemanden, der fragt: „Wie geht’s Ihnen heute?“ Und die Antwort wirklich hören will.</p>
<p data-start="2844" data-end="3464">Einer dieser Menschen ist Günther. Nach seiner Herz-OP kämpft er manchmal mit dem Erinnern. Aber er weiß, wie ich heiße. Er weiß, wann ich frei habe. Und er hat mir ein Wort beigebracht, das ich lange nicht in meinen Kopf bekam: UKW-Drehfunkfeuer. Ein herrlich sperriges Wort. So ein Wort, das klingt, als hätte es sich mit Absicht quer in die deutsche Sprache gelegt. Lange konnte ich es mir nicht merken. Dann kam Günther wieder in die Bäckerei, sah mich an und fragte: „Na, Yvonne, wie heißt das Wort noch mal?“ Und diesmal hatte ich es parat. UKW-Drehfunkfeuer. Er strahlte. Ich auch. Und obendrein schien die Sonne.</p>
<p data-start="3466" data-end="4001">Vielleicht war es genau dieser Moment, in dem ich verstanden habe: In dieser Bäckerei ging es für mich nie nur ums Verkaufen. Es ging ums Erinnern. Ums Wiedererkennen. Ums Ernstnehmen. Um Sprache. Um Zugang. Ein Wort kann Zugang sein. Ein Name kann Zugang sein. Ein freundlicher Blick kann Zugang sein. Und manchmal beginnt Barrierefreiheit nicht erst im PDF, im Tagbaum oder in einer technischen Prüfung. Manchmal beginnt sie dort, wo ein Mensch merkt: Ich werde gesehen. Ich komme vor. Ich muss mich nicht erklären, um dazuzugehören.</p>
<p data-start="4003" data-end="4560">Heute arbeite ich wieder viel an Publikationen, aber anders als früher. Ich setze nicht nur Layouts um. Ich denke stärker darüber nach, wie Inhalte verstanden werden, wie Dokumente aufgebaut sein müssen, damit Menschen sie lesen, navigieren und nutzen können, und wie Sprache, Struktur und Gestaltung zusammenarbeiten müssen, damit aus einer Datei wirklich ein zugängliches Dokument wird. Digitale Barrierefreiheit klingt oft technisch. Nach Regeln, Prüfungen, Standards und Software. Das ist sie auch. Aber sie ist nicht nur das. Sie ist auch eine Haltung.</p>
<p data-start="4562" data-end="5144">Vielleicht hat mir ausgerechnet die Spätschicht in der Landbäckerei noch einmal gezeigt, warum mir diese Fragen so wichtig sind. Weil Verständlichkeit nicht abstrakt ist. Weil Zugang nicht abstrakt ist. Weil Menschen nicht abstrakt sind. Manchmal steht ein Mensch vor dir und möchte einfach sein Brot. Manchmal möchte er ein Gespräch. Manchmal möchte er testen, ob du dir ein unmögliches Wort gemerkt hast. Und manchmal hält dir das Leben dabei ein frisch gebackenes Croissant hin und sagt: Schau noch mal hin. Vielleicht ist das hier kein Rückschritt. Vielleicht ist es ein Anfang.</p>
<p data-start="5146" data-end="5561" data-is-last-node="" data-is-only-node="">Der Job in der Landbäckerei hat nicht alles gelöst. Aber er hat etwas geöffnet. Er hat mir gezeigt, dass ein Neuanfang nicht immer groß aussehen muss. Manchmal trägt er eine Schürze. Manchmal riecht er nach Kaffee. Manchmal beginnt er in der Spätschicht, wenn draußen die Sonne durch die Scheibe fällt und ein Stammkunde fragt, ob du sein Lieblingswort noch weißt. Und ja: Es gibt sie. Die Sonne in der Spätschicht.</p>
<p data-start="5146" data-end="5561" data-is-last-node="" data-is-only-node="">Lust auf die nächste Geschichte aus der Landbäckerei? Dann lies weiter: <strong><a href="https://multilingual-publishing.de/backstory-2-franzbroetchen/">Backstory #2: Das Franzbrötchen, das erst noch gebacken werden musste</a></strong>.</p>
<p class="p1"><span style="color: #008080;"><strong><span class="s1">#Backstory </span>#unterhaltenmitgutengeschichten</strong></span></p></div>
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