Barrierefrei in 50 Sprachen.
Yvonne Frank
Barrierefrei in 50 Sprachen.
Yvonne Frank
Darum ich
Ich gehöre zum letzten Abitur-Jahrgang eines Landes, das es nicht mehr gibt.
1990 ziehe ich nach Berlin. Studium, Aufbruch, neue Welt. Sprache war mein Ding: Wörter, Bedeutungen, Klang, Kultur. Dort lerne ich einen jungen Mann kennen. Er redet, als würde er Sätze direkt aus Büchern ziehen. Alle hören ihm zu. Alle.
Dann fangen wir an, uns Briefe zu schreiben — und seine Handschrift ist kaum zu entziffern. Buchstaben durcheinander, Wörter fehlen. Wie kann jemand mündlich so brillant sein und gleichzeitig so kämpfen?
Er ist Legastheniker. Das war für mich nicht nur ein neues Wort, sondern ein komplett neuer Blick auf Menschen.
Also fanden wir einen anderen Weg. Statt Briefe zu schreiben, nahmen wir unsere Alltagserlebnisse mit dem Kassettenrekorder auf und schickten uns die Sprachaufnahmen per Post. Derselbe Inhalt. Ein anderer Zugang. Plötzlich funktionierte Kommunikation.
Mehr über diese Geschichte: Muss ich noch Rechtschreibung können? Es gibt doch Autokorrektur!?
Zur selben Zeit lerne ich eine junge Frau kennen, die von Geburt an schwerhörig ist. Wenn wir irgendwo sind, wo es laut wird, wiederhole ich automatisch, was sie verpasst hat — ganz ohne Nachdenken. Wie jemand, der übersetzt oder heute einen Zoom-Chat moderiert. Helfen, Verbindungen schaffen, immer da, wo es nötig ist.
Die meisten Einschränkungen sind unsichtbar. Man sieht sie nicht — und missversteht deshalb den Menschen dahinter.
Seitdem schaue ich zuerst auf die Strukturen. Meistens liegt das Problem dort, nicht beim Menschen.
Ich bringe Sprachen in Form
Wenn ich heute erzähle, dass ich mit Dokumenten in mehr als 50 Sprachen arbeite, kommt fast immer dieselbe Frage: „Was, du kannst 50 Sprachen?” Nein. Ich übersetze keine Texte. Ich bringe Sprachen in Form.
Ich sehe früh, wo Projekte schwierig werden: wenn Layout, Sprache, Technik und Zeitdruck aufeinandertreffen. Ein Dokument funktioniert auf Deutsch wunderbar. Auf Arabisch ändert sich die Leserichtung, auf Französisch passt der Text nicht mehr in den Raum. Absatzformate, Tabellen und Dokumentaufbau entscheiden darüber, ob eine Struktur robust ist oder beim nächsten Arbeitsschritt auseinanderfällt.
Daraus ist meine Checkliste: So machst du dein InDesign-Dokument übersetzungsfähig entstanden.
Genau dieser Gedanke hat mich zur digitalen Barrierefreiheit geführt. Wieder ging es um Struktur. Um Überschriften, die nicht nur wie Überschriften aussehen. Um Dokumente, die auch dann funktionieren, wenn sie anders genutzt werden, als beim Gestalten vorgesehen.
Barrierefreiheit beginnt beim Workflow — nicht beim Export.
Den echten Workflow zeige ich im Journal: Barrierefreie PDFs mit Adobe InDesign: Der echte PDF/UA-Workflow in der Praxis
Warum barrierefreie PDFs nicht nur blinden Menschen helfen: Gastbeitrag bei Gehirngerecht Digital
Kein Geheimwissen
In Workshops und 1:1-Begleitungen arbeite ich nicht nach dem Prinzip: Ich kenne die geheimen Regeln und du nicht. Mir ist wichtig, dass Menschen verstehen, warum etwas funktioniert — und nicht nur, welchen Knopf sie drücken müssen.
Ich helfe Kommunikationsdesignerinnen, Agenturen und Organisationen dabei, Dokumente und Publishing-Workflows so aufzubauen, dass sie funktionieren. Und zwar für alle.
Publishing ist für mich auch Community
Ich mag Communities, in denen Wissen geteilt wird. Deshalb bin ich Mitglied in den Publishing Groups Hamburg, Berlin und Stuttgart.
Die Gruppen sind aus den früheren InDesign User Groups, kurz IDUG, hervorgegangen. Inzwischen geht es dort um viel mehr als InDesign: um Publishing, Gestaltung, digitale Workflows, strukturierte Medienproduktion und die Frage, wie wir gute Inhalte besser und effizienter veröffentlichen können.
Natürlich spielt dabei auch künstliche Intelligenz eine Rolle. KI wirbelt die kreativen Berufe gerade ordentlich durcheinander und macht den fachlichen Austausch wichtiger denn je. Wie ich KI selbst in meinem Arbeitsalltag nutze, erzähle ich in meinem Journal.
Als Guest Speakerin habe ich selbst bereits zwei Vorträge über Fremdsprachensatz mit InDesign gehalten:
Vortrag auf der IDUGHH #22: Von Rechts nach Links mit InDesign
Vortrag auf der IDUGB #45: Ich versteh kein Wort – Fremdsprachensatz in InDesign
Zum Weiterhören
Im November 2022 war ich bei Heike Burch im Publishing Podcast zu Gast. Dort sprechen wir über Fremdsprachensatz, Publishing-Workflows und darüber, was passieren muss, damit mehrsprachige Dokumente in der Praxis wirklich funktionieren.
Dazu gibt es ein Special über die technischen Aspekte des Fremdsprachensatzes: von der Vorbereitung der Dateien über Layoutfragen bis zur Zusammenarbeit mit Übersetzungsdienstleistern beziehungsweise Language Service Providern, kurz LSP.
Wenn du meine Stimme hören und tiefer in das Thema einsteigen möchtest, findest du über obigen Link die beiden Gespräche. Die erwähnte Checkliste gibt es in meinem Journal.
Das sagen meine Kollegen über mich
Warum ist Yvonne Frank unsere erste Wahl, wenn uns etwas Spanisch vorkommt, es bei arabischen Broschüren von rechts nach links gehen soll oder wenn wir es mit Fachchinesisch zu tun haben, also bei allen Projekten, bei denen es um Fremdsprachensatz und die Anpassung des Layouts an die jeweilige Sprache geht? Weil sie den nötigen Biss hat, Lösungen findet (und zwar nicht die erstbesten), sie bei plötzlich auftretenden Problemen freundlich und präzise bleibt, auch wenn Termine drücken. Yvonne Frank scheut sich nicht, bei kniffligen Angelegenheiten wie fehlenden Zeichen, Schriftherstellern auf den Zahn zu fühlen und bei rechtsdrehender Broschürenbindung bei Druckereien nachzuhaken.
Die Zusammenarbeit mit Yvonne ist super. Es hat mir große Freude gemacht, mit ihr für einen großen Kunden zu arbeiten. Yvonne ist eine hervorragende Spezialistin im Bereich Fremdsprachensatz, hat einen sehr guten Blick für Details, denkt mit, arbeitet sehr zuverlässig, ist vorausschauend und findet gute Lösungen für Anforderungen innerhalb eines Projektes. Sie weiß, worauf es ankommt, wenn man es z. B. mit chinesischen Schriftzeichen zu tun hat. Ihr geht es dabei nicht allein um die technische Umsetzung, sondern sie behält den Blick für typografische Details. Neben ihrer fachlichen Expertise schätze ich ihre kollegiale und kooperative Art sehr. So wird ein Projekt zu einem gemeinsamen Erfolg.
