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Heute machen wir Spinat-Börek.
Spinat-Börek
Börek-Form
Schneckenbörek oder Arm--Börek
Rosen-Börek mit Käse-Spinatfüllung
Börek kann verschiedenen Füllungen haben.

Wie ich als Erwachsene Türkisch lerne und warum mein Gehirn dabei manchmal Knoten macht

Türkisch lernen stand nicht unbedingt auf meiner klassischen Lebens-To-do-Liste.

Ich habe schon einige Sprachen gelernt oder zumindest gestreift: Englisch, Italienisch, Französisch, Spanisch, Schwedisch ein bisschen dies, ein bisschen das. Ich liebe Sprachen. Ich liebe Wörter. Ich liebe es, wenn man plötzlich versteht, warum Menschen Dinge so sagen, wie sie sie sagen.

Aber Türkisch lernen?

Das ist für mich noch einmal eine ganz andere Nummer.

Nicht, weil Türkisch „schwer“ ist. Dieses Wort finde ich bei Sprachen immer ein bisschen schwierig. Sprachen sind nicht schwer oder leicht. Sie sind anders gebaut. Und Türkisch ist für mein deutsches Sprachgefühl sehr anders gebaut.

Wenn die Sprache anders denkt

Mein Partner ist zweisprachig aufgewachsen. Er hat Türkisch und Deutsch gelernt. Für ihn gehören beide Sprachen zu seinem Leben. Für mich ist Türkisch dagegen ein neues sprachliches Gelände.

Und ich merke: Ich betrete da nicht einfach nur eine Sprache mit neuen Vokabeln. Ich betrete eine andere Logik.

Denn Türkisch ist eine agglutinierende Sprache.

Das ist eine dieser linguistischen Bezeichnungen, die ich irgendwann im Studium kennengelernt habe und die ich meinem Freund und Partner natürlich gleich begeistert beigebracht habe. In der Linguistik lieben wir solche Klassifizierungen. Und ich glaube, ihm hat sie auch gefallen.

Agglutinierend bedeutet vereinfacht gesagt: Wörter werden aus Bausteinen zusammengesetzt. An einen Wortstamm werden verschiedene Endungen gehängt, und jede dieser Endungen bringt eine zusätzliche Bedeutung mit.

Im Deutschen sagen wir viele Dinge mit mehreren Wörtern. Im Türkischen kann daraus ein längeres Wort werden.

Ein einfaches Beispiel:

Ich esse einen Apfel.

Auf Türkisch heißt das:

Ben bir elma yiyorum.

Dabei steckt in „yiyorum“ schon ziemlich viel drin: „ye-“ bedeutet essen, „-iyor“ zeigt die Gegenwart an, und „-um“ bedeutet ich.

Aus mehreren kleinen Bausteinen wird also ein einziges Wort:

ye + iyor + um = yiyorum

Und genau da merke ich: Türkisch funktioniert nicht einfach wie Deutsch mit anderen Vokabeln. Türkisch baut Bedeutung anders zusammen.

Kein Finnisch. Kein Ungarisch. Kein Türkisch.

Ich habe bisher noch nie eine agglutinierende Sprache gelernt. Kein Finnisch. Kein Ungarisch. Kein Türkisch.

Meine ungarische Freundin winkt immer nur ab, wenn ich sie frage, ob sie mir Ungarisch beibringen möchte.  Andere Deutsche hätten es vor mir schon versucht, sagt sie. Sie seien kläglich gescheitert.

Ich nehme das als liebevollen Warnhinweis aus erster Hand.

Dennoch hat sie mir einen Frage auf Ungarisch beigebracht, die ich einwandfrei auf Ungarisch formulieren kann. Sogar mit der richtigen Intonation.

Aber vielleicht ist Türkisch genau deshalb so spannend für mich: Es ist total neu für mein Sprachgefühl und mein Partner kann mir seine Muttersprache wirklich gut erklären.

Ich bin es gewohnt, dass ich mir Vokabeln anschaue, dazu ein bisschen Grammatik sortiere und dann versuche, daraus Sätze zu bauen. Aber im Türkischen hängt so viel Bedeutung direkt am Wort. Besitz, Richtung, Verneinung, Zeitform, Person – vieles wird über Endungen geregelt.

Das ist faszinierend.

Und manchmal auch ein bisschen demütigend.

Weil man nicht einfach ein deutsches Satzmuster nimmt und türkische Wörter hineinlegt. So funktioniert es nicht. Türkisch zwingt mich, anders zu sortieren. Anders zu denken. Anders hinzuhören.

Sprachenlernen und Gehirnalterung: ein Geburtstagsartikel

Und dann erschien ausgerechnet an meinem Geburtstag ein Artikel im Guardian über Sprachenlernen und Gehirnalterung.

Die Überschrift war sinngemäß: Wer eine weitere Sprache lernt oder mehrere Sprachen spricht, könnte sein Gehirn länger jung halten.

Im Artikel ging es um eine Studie, die bei einer europäischen Neurowissenschafts-Konferenz in Barcelona vorgestellt wurde. Demnach zeigten Menschen, die mehr als eine Sprache sprechen, im Schnitt Gehirnaktivitäten, die jünger wirkten als ihr tatsächliches Alter. Besonders spannend fand ich: Es ging nicht nur darum, ob jemand zweisprachig ist oder nicht. Die Forschenden beschrieben Mehrsprachigkeit eher als Abstufung. Also: Wie viele Sprachen spricht jemand? Wie gut? Seit wann? Und wie intensiv werden diese Sprachen genutzt?

Laut Guardian wirkten die Gehirne von Menschen, die zwei Sprachen sprechen, in der Studie im Schnitt etwa sechs Jahre jünger als die von Menschen, die nur eine Sprache sprechen. Bei drei oder vier Sprachen war der Abstand noch größer. Gleichzeitig ordneten die Forschenden vorsichtig ein, dass auch andere Faktoren eine Rolle spielen können: Lebensstil, Lesen, lebenslanges Lernen, soziale Kontakte oder andere geistig anregende Tätigkeiten.

Ich mag diese vorsichtige Einordnung. Denn natürlich ist Sprachenlernen kein Zauberspruch nach dem Motto: Lerne Türkisch und dein Gehirn wird jünger.

So funktioniert Wissenschaft nicht.

Aber der Gedanke gefällt mir trotzdem sehr.

Vielleicht, weil er so gut zu meinem eigenen Gefühl passt: Türkisch lernen bringt mein Gehirn tatsächlich in Bewegung. Nicht gemütlich. Eher wie ein kleiner innerer Sprachsport. Manchmal mit Muskelkater im Kopf.

Warum ich trotzdem dranbleibe

Natürlich könnte ich sagen: Mein Partner spricht doch Deutsch. Warum sollte ich Türkisch lernen?

Aber genau das ist für mich nicht der Punkt.

Ich möchte Türkisch nicht lernen, weil ich müsste. Ich möchte Türkisch lernen, weil Sprache Nähe schafft.

Wenn jemand zweisprachig aufgewachsen ist, dann steckt in beiden Sprachen ein Stück Identität. Bestimmte Wörter, Redewendungen, Witze, Familienmomente oder kleine Alltagssätze lassen sich nicht immer eins zu eins übersetzen.

Manche Dinge klingen in der einen Sprache einfach anders. Weicher. Direkter. Wärmer. Witziger. Manchmal auch dramatischer.

Und ich finde es schön, wenigstens ein bisschen Zugang dazu zu bekommen.

Nicht perfekt. Nicht fehlerfrei. Nicht mit dem Anspruch, irgendwann literarische Essays auf Türkisch zu schreiben. Sondern erst einmal ganz praktisch: verstehen, reagieren, mitsprechen, kleine Sätze sagen können.

Und ja: mich auch mal ordentlich verhaspeln.

Türkisch lernen heißt für mich auch loslassen

Beim Türkischlernen merke ich, wie sehr ich Kontrolle mag.

Ich möchte verstehen, warum etwas so ist. Ich möchte Muster erkennen. Ich möchte nicht einfach nur nachsprechen. Ich möchte das System begreifen.

Aber manchmal muss ich genau das loslassen.

Manchmal reicht es, einen Satz erst einmal zu hören. Ihn nachzusprechen. Ihn im Alltag wiederzuerkennen. Und erst später zu verstehen, welche Endung da eigentlich was macht.

Das fällt mir nicht immer leicht.

Aber vielleicht ist genau das der Reiz. Türkisch lernen ist für mich nicht nur Sprachtraining. Es ist auch ein kleines Denk-Training. Ein Perspektivwechsel. Eine Erinnerung daran, dass nicht jede Sprache die Welt in denselben Schubladen sortiert wie Deutsch.

Kleine Sätze, große Freude

Was ich beim Lernen besonders mag: diese kleinen Momente, in denen plötzlich etwas hängen bleibt.

Ein Wort, das ich wiedererkenne.

Neulich habe ich die allererste Folge des Podcasts „KochDichTürkisch“ gehört. Darin erzählen die Eheleute Orhan und Orkide, Kinder türkischer Gastarbeiter, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, über ihre Kindheit und die türkische Küche ihrer Familien.

An einer Stelle erzählte Orhan, seine Oma väterlicherseits sei hamur-geprägt.

Und ich habe es verstanden.

Nicht weil ich schon lange Türkisch lerne, sondern weil ich das Wort Hamur genau am Wochenende zuvor kennengelernt hatte, als wir mit der Anne meines Partners (seiner Mutter) Börek gemacht haben.

Bugün gül böreği yapıyoruz.

Heute machen wir also Rosenbörek. Für unseren Gül Böreği wird der Teig mit einer Füllung aus Spinat, Weißkäse und Dill bestrichen und zu einer länglichen Rolle gerollt und anschließend für sich selbst zu kleinen Rosen oder Schnecken gerollt. Aber Vorsicht mit dem Begriff Schnecke: In der türkischen Küche ist das schon wieder eine eigene Börek-Art.

Auf dem Foodblog So nach Gefühl habe ich ein entsprechendes Rezept für einen Schneckenbörek (auf Türkisch Ispanaklı Kol Böreği) gefunden und übrigens noch ganz viele andere Gerichte aus der türkischen und der Levante-Küche – verständlich geschrieben und sehr schön bebildert. Ispanaklı Kol Böreği wird wortwörtlich als „Arm-Börek“ übersetzt (kol heißt Arm). Der entscheidende Unterschied zwischen Gül Böreği und Ispanaklı Kol Böreği liegt weniger in der Füllung als darin, wie der Teig geformt und zusammengesetzt wird. Ispanaklı Kol Böreği wird normalerweise als eine große gemeinsame Schnecke aus mehreren Teigrollen gebacken.

Da wir später zum Picknick aufgebrochen sind, waren mehrere einzelne runde Gül Böreks für uns zum Essen unter freiem Himmel einfach praktischer.

Und ganz nebenbei lernt man ein bisschen Wortbildung

Was die Füllung unserer Gül Böreği anbelangt: Unsere Anne kommt aus der Westtürkei von der Ägäis: Dort findet man Gül Börek mit verschiedenen Füllungen, besonders peynirli (mit Käse), ıspanaklı (mit Spinat), patatesli (mit Kartoffel) oder kıymalı (mit Hackfleisch).

Bei Ispanaklı Gül Böreği beschreibt ıspanaklı lediglich die Füllung:

ıspanak = Spinat ıspanaklı = mit Spinat Gül böreği = die Börek-Art/Form

Bei Ispanaklı Gül Böreği beschreibt Gül, dass der Börek aus kleinen, zu Rosen geformten Portionen besteht.

Afiyet olsun!

Ein Satz, der mir inzwischen richtig leicht von den Lippen geht – und im richtigen Moment gesagt wird. Zum Beispiel auch dann, wenn man jemandem erzählt, was man gegessen hat: Dann wünscht man im Nachhinein trotzdem guten Appetit, auch wenn das für unsere Ohren erst mal komisch klingt.

Eine Endung, die ich schon einmal gesehen habe.

Bei mir war das die Endung -ım/-im, wie in tatlım, canım, hanım, güzelim oder aşkım – meine Süße, meine Schöne, mein Herz, mein Liebling. Hanım nennt mich auch mein Partner öfter. Es bedeutet eigentlich Frau des Hauses, im übertragenen Sinn also so etwas wie mein Zuhause. Sobald ich die Endung einmal erkannt hatte, ließ sie sich auf andere Wörter übertragen. Stamm und Endung, wie ein kleines Baukastensystem.

Oder so kleine türkische Ausdrücke, die plötzlich nicht mehr fremd klingen, sondern mit denen man ganz natürlich den Tag beendet: İyi geceler (Gute Nacht). Tatlı rüyalar (Süße Träume). İyi uykular (Guten Schlaf).

Das sind keine großen Durchbrüche. Es sind eher kleine Lichtpunkte.

Aber genau diese Lichtpunkte halten mich dran.

Sprachenlernen besteht ja nicht nur aus Grammatik, Lektionen und Wiederholungen. Es besteht auch aus diesen kleinen Glücksmomenten: Ach, das habe ich verstanden. Ach, das kann ich sagen. Ach, das ergibt plötzlich Sinn.

Meine Babbel Experience

Zum Lernen nutze ich unter anderem Babbel.

Was ich daran mag: Die Lektionen sind überschaubar. Ich muss mich nicht für zwei Stunden an den Schreibtisch setzen, sondern kann zwischendurch lernen. Ein paar Minuten reichen oft schon, um wieder reinzukommen.

Für mich funktioniert das gut, weil Türkisch mich gedanklich wirklich fordert. Ich brauche kleine Einheiten. Ich brauche Wiederholung. Und ich brauche das Gefühl, dass ich nicht gleich das komplette Sprachsystem auf einmal verstehen muss.

Babbel hilft mir dabei, Türkisch Stück für Stück aufzubauen. Nicht perfekt. Aber regelmäßig. Und genau das ist beim Sprachenlernen oft wichtiger als große Motivation am Anfang.

Denn Motivation ist schön. Gewohnheit ist besser.

Hast du jetzt auch Lust bekommen, Türkisch oder eine andere Sprache zu lernen? Dann schau dir Babbel doch einmal an. Schon zehn Minuten am Tag reichen, um Schritt für Schritt Fortschritte zu machen. Probier’s einfach mal aus:

 

Türkisch lernen mit The Grooves

Neben Babbel habe ich auch noch ein altes Sprachlernheft entdeckt: „Türkisch lernen mit The Grooves“ – inklusive Audiodateien zum Mithören.

Das Konzept ist herrlich: Sprache trifft Musik. Kleine Sätze, Redewendungen, Wiederholungen, Rhythmus. Also nicht nur Grammatik anschauen und Vokabeln pauken, sondern Türkisch auch über das Ohr aufnehmen.

Das gefällt mir, weil Türkisch für mich nicht nur auf dem Papier neu ist. Es klingt auch anders. Die Melodie, die Betonung, die vielen kleinen Endungen — all das muss ich erst einmal hören, bevor ich es wirklich greifen kann.

Und vielleicht ist genau das beim Sprachenlernen manchmal unterschätzt: Man muss eine Sprache nicht nur verstehen. Man muss sich auch an ihren Klang gewöhnen.

Bei Türkisch merke ich das besonders. Manche Wörter bleiben nicht hängen, weil ich sie einmal gelesen habe. Sie bleiben hängen, weil ich sie gehört habe. Mehrmals. Mit Rhythmus. Fast wie ein kleiner Ohrwurm.

Und plötzlich ist da wieder so ein Moment: Ach, das kenne ich doch. Das habe ich schon einmal gehört.

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Das Besondere an Lifetime: Du bist nicht auf eine Sprache festgelegt. Mit der All-Languages-Option hast du dauerhaft Zugriff auf alle 14 Babbel-Sprachen.

Für mich passt das gut, weil ich Sprachen nicht als abgeschlossene Projekte sehe, sondern als Türen. Manche öffne ich weit, manche nur einen Spalt – aber jede verändert meinen Blick auf die Welt ein Stück.

Und vielleicht hält sie dabei sogar mein Gehirn in Bewegung.

Ich lerne weiter Türkisch. Langsam. Mit Fehlern. Mit Fragezeichen im Kopf. Und mit ziemlich viel Neugier.

Affiliate-Hinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links zu Babbel und zu einem Buch mit Audiodateien. Wenn du über diese Links etwas kaufst, erhalte ich ggf. eine kleine Provision. Für dich bleibt der Preis gleich.

MOIN ❤️ Hier schreibt Yvonne. Ich verbinde Publishing, Sprachen und digitale Barrierefreiheit. In meinem Journal schreibe ich über gute Kommunikation, kluge Strukturen und die kleinen Beobachtungen dazwischen.